Deutsche Designpreise: "Gewinnmaximierung sollte nicht das Ziel sein"

Achim Schaffrinna ist der bekannteste Design-Blogger der Republik. Auf W&V Online schreibt er, was er von der aktuellen Debatte um den Designpreis der Bundesrepublik hält und warum es nicht zu viele Branchenauszeichnungen geben sollte.

Text: W&V Redaktion

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Achim Schaffrinna ist der bekannteste Design-Blogger Deutschlands. Der studierte Kommunikationsdesigner und freie Art Director hat mit seinem Designtagebuch den Grimme-Online-Award gewonnen. Auf W&V Online schreibt er, was er von der aktuellen Debatte um den Designpreis der Bundesrepublik hält und warum es nicht zu viele Branchenauszeichnungen geben sollte.

Designpreise, insbesondere der bisherige Designpreis der Bundesrepublik Deutschland, sind so eine Sache. Während Künstler, Musiker und Schauspieler sich neben der eigentlichen Auszeichnung oftmals auch über eine finanzielle Anerkennung freuen können, müssen Designer bis zu 2.800 Euro für den Erhalt eines Preises auf den Tisch legen. Das ist absurd! Auch die Teilnahmegebühren sind mit etwa 300 Euro eine zu hohe Hürde. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

Was die Gebührenordnung betrifft, scheint mir die Entkoppelung des Designpreises der Bundesrepublik vom Rat für Formgebung etwas Bewegung in die Sache gebracht zu haben. Auf die oben genannte "Gewinnergebühr"  – dieser Begriff ginge auch gut als Unwort des Jahres durch – wird neuerdings offenbar verzichtet, was sehr begrüßenswert ist. Gleichzeitig hält beim Konkurrenzwettbewerb German Design Award ein Förderprogramm Einzug, auch das ist lobenswert. Beides ändert freilich nichts daran, dass hohe Teilnahme- und Preisgebühren nach wie vor große, etablierte Agenturen begünstigen und selbstständige Kreative und kleine Agenturen benachteiligen.

Ebenfalls wenig förderlich ist die mittlerweile unüberschaubare Anzahl an Auszeichnungen. Wenn jede dritte Einreichung ausgezeichnet wird, wie beim red dot award und beim if award, und pro Kategorie bis zu knapp 1.000(!) Arbeiten eine Auszeichnung erhalten, dann weiß ich nicht, ob man bei einem Preisträger noch von einer herausragenden Arbeit sprechen kann. Eine Leuchtturm-Funktion sehe ich bei keinem dieser Preise.

Grundsätzlich scheint mir ein Designpreis in einer Stiftung, wie etwa dem Rat für Formgebung, gut verortetet. Gewinnmaximierung sollte nicht das primäre Ziel eines Designpreis-Ausrichters sein. Zu DMY Berlin als neuerlicher Veranstalter kann ich wenig sagen. Mir scheint, als würde mit DMY der Bereich Produktdesign stärker gewichtet und Kommunikationsdesign – von je her so etwas wie das Stiefkind innerhalb von Designpreisen – weiter in den Hintergrund rückt, was ich persönlich bedauere. Warum der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland allerdings ausgerechnet dem Wirtschaftsministerium zugeordnet ist, entzieht sich mir. Mir scheint ein Designpreis, eingebettet in die Kunst- und Kulturförderung, direkt beim Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann, besser untergebracht. Ich könnte mir vorstellen, dass mit einem anderen Schirmherr dann auch die Anzahl der Einreichungen wieder anziehen wird.

Und was natürlich nicht sein darf, ist, dass nach wie vor kein genauer Termin für die Preisverleihung feststeht. Der Mangel an Transparenz und Nachvollziehbarkeit ist etwas, das leider viele Designpreise auszeichnet.

Text: Achim Schaffrinna.

Zur Debatte um Klasse und Masse bei den privaten Award-Plattformen Red Dot und iF empfehlen wir übrigens auch Achim Schaffrinnas Blog-Beitrag "Kritik an red dot design award und an Peter Zec".


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