Dentsu Aegis :
Die Millionenfrage: Warum Andreas Bölte entlassen wurde

Im Herbst hieß es, Andreas Bölte verlasse das Dentsu Aegis Network aus persönlichen Gründen. Jetzt kommen die wahren Hintergründe ans Licht - im Rahmen eines Prozesses vor dem Wiesbadener Landgericht. Dabei geht es um Dienstwagen, Handys, die Reparatur eines Kinderfahrrads - und um eine Million Euro.

Text: Markus Weber

Im vergangenen Herbst hieß es offiziell, Andreas Bölte verlasse das Dentsu Aegis Network aus persönlichen Gründen. Jetzt kommen die wahren Hintergründe ans Licht - bei einem Zivilprozess vor dem Wiesbadener Landgericht. Dentsu Aegis hat dem langjährigen Agenturchef von sich aus gekündigt. Zuerst fristgerecht, und dann zweimal hintereinander sogar fristlos.

Acht Jahre stand Bölte an der Spitze der Agentur. Jetzt streiten sich die Parteien vor Gericht um angeblich noch ausstehende Zahlungen in Höhe von rund einer Million Euro. Dabei spielt die Frage nach der Wirksamkeit der Kündigungen natürlich die zentrale Rolle. Doch schon die Ansichten der Parteien darüber, welche Kündigungsfrist maßgeblich war, gehen weit auseinander. Nach Ansicht Böltes durfte ihm "nur in einem ungeraden Kalenderjahr" mit Wirkung zum Ende des darauffolgenden geraden Kalenderjahres gekündigt werden.

Die Agentur übergab der zuständigen Richterin eine insgesamt 13 Punkte umfassende Liste, in welcher Böltes angebliches Fehlverhalten dokumentiert wird, was am Ende zu einem Vertrauensbruch geführt habe und damit eine fristlose Kündigung rechtfertige. Über die Punkte wurde an diesem Mittwoch (6.5.) vor dem Landgericht öffentlich verhandelt und gestritten. Dabei war unter anderem von der unberechtigten Nutzung dreier Dienstwägen die Rede (zwei Mercedes und ein Porsche). Außerdem habe Bölte seine Assistenten und Mitarbeiter immer wieder unerlaubt für private Dienste eingesetzt - etwa für die Reparatur eines Fahrrades. Dabei habe es sich lediglich um ein Kinderfahrrad gehandelt, wandte Böltes Anwalt daraufhin ein.

Von Agenturseite hieß es weiter, Mitarbeiter seien in den Pausen zur Erledigung von Gartenarbeiten und privaten Bankgeschäften angehalten worden. Wobei Böltes Seite einwandte, die Mitarbeiter könnten selber entscheiden, wofür sie ihre Pausen nutzen wollen. Auch von einem Missbrauch von insgesamt vier Diensthandys war die Rede, wobei zwei dieser Handys angeblich "in einem kurzen Zeitraum über 50 Mal 'miteinander' telefonierten."

Nach dem Gerichtstermin hieß es von Seiten der Agentur auf Anfrage von W&V Online: "Wir stehen auf dem Standpunkt, dass das Vertragsverhältnis aus verschiedenen Gründen bereits beendet ist und werden dies im Verlauf des weiteren Verfahrens auch ohne weiteres nachweisen." Einzelheiten wolle man nicht kommentieren. Der nächste Verhandlungstermin ist am 24. Juni.

Böltes Vorgänger, der frisch aus der Haft entlassene Aleksander Ruzicka, war am Mittwoch in Wiesbaden als Zuhörer im Saal anwesend. Er wurde aber gleich zu Beginn der Sitzung von der Richterin wieder hinausgeschickt, weil er für das aktuelle Verfahren als Zeuge in Frage komme.

Die beiden früheren Aegis-Chefs dürften nicht unter die Kategorie "Ziemlich beste Freunde" fallen: Ruzicka war 2006 nach einer von Bölte initiierten Strafanzeige verhaftet worden.

Der Aegis-Konkurrenten Mediacom konnte sich unterdessen einen Seitenhieb via Twitter nicht verkneifen:


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.