Zuvor hatte sich Strerath in einem (auf Facebook geposteten) offenen Brief an Frank-Michael Schmidt gegen den Vorwurf der Shortlist-Manipulation und des nachträglichen Zuschusterns eines Gold-Effies an Jung von Matt gewehrt. Dabei richtete er sein Augenmerk auf das Thema "Recht am geistigen Eigentum". Dieses zu schützen und zu stärken sei ein wichtiges Anliegen für den GWA als Interessensverband der Agenturen. "Wir bei Jung von Matt möchten nächstes Jahr Edeka in der Effie-Kategorie Evergreen einreichen. Aber auch wenn Grabarz & Partner nichts mit Supergeil oder der aktuellen Weihnachtskampagne zu tun hat: Denkbar ist der jetzige Erfolg ohne deren 'Wir lieben Lebensmittel' nicht - und daher planen wir, sie als beteiligte Agentur mit zu benennen."

Genauso verhalte es sich auch bei der Astra-Kampagne, die zwar seit 16 Jahren von Philipp und Keuntje betreut werde, deren Layout und Claim aber 1998 bei Jung von Matt entstanden sei.

Hier noch einmal das komplette Statement von Strerath:

Sehr geehrter Frank-Michael Schmidt,

ich müsste lügen, wenn ich sagte, dass mich Ihre 9-seitige Ausführungen zu den formalen Aspekten der Effie-Jurierung erfreut hätten. Aber sie helfen mir.

Sie helfen mir, endlich ein Thema zu platzieren, das für die gesamte Kreativ-Industrie - also auch Sie - mehr und mehr zur Schicksalsfrage wird: das Recht am geistigen Eigentum.

Was ist der Wert einer Idee? Und wem steht dieses Recht zu? Wie soll es vergütet werden? Und für wie lange? Sollte man Ideen tatsächlich auf Stundenbasis von Agenturen kaufen können? Und dann auf Jahre diese Idee wieder und wieder nutzen ohne dem Urheber dafür eine Vergütung zu zahlen bzw. am Erfolg teilhaben zu lassen?

Patente, Lizenzen, Schutzrechte sichern Kreativität vielfach ab, in unserer Branche tun wir dies doch auch für Musik, Schauspieler etc. über die Buy-outs. Nur die grundsätzliche Kreativ-Idee einer Kampagne, einer Marke wird meist mit einer Einmalzahlung auf Tagessatzbasis abgegolten. Der GWA als Interessensverband der führenden Agenturen will das geistige Eigentum an Ideen für seine Mitglieder stärker wertgeschätzt wissen.

„Umparken im Kopf“ ist ein Geniestreich von Niels Alzen, aber entstanden ist sie bei Scholz & Friends, Ihrer Agentur gebührt das Urheberrecht. Sie würden sicher lautstark protestieren, sollte Niels sich morgen mit dem Kunden Opel selbständig machen, die Kampagne fortführen und sich in einigen Jahren dafür mit einem Evergreen-Effie auszeichnen lassen.

Wir bei Jung von Matt möchten nächstes Jahr Edeka in der Kategorie Evergreen einreichen. Aber auch wenn Grabarz & Partner nichts mit Supergeil oder der aktuellen Weihnachtskampagne zu tun hat, denkbar ist der jetzige Erfolg ohne deren „wir lieben Lebensmittel“ nicht und daher planen wir, sie als beteiligte Agentur mit zu benennen.

Und so verhält es sich auch bei Astra: die Kampagne, die über 17 Jahre zu einem Evergreen wurde, ist in ihrer Form mit Layout und Claim bei Jung von Matt entstanden. Will denn ein Kreativer unter den Tisch fallen lassen, dass er die Idee als Mitarbeiter von Jung von Matt hatte? Hartwig Keuntje wollte es nicht, er kennt den Wert einer Idee. Er und Jean-Remy von Matt haben sich in einem kurzem Telefonat schnell darauf geeinigt, dass man in der Einreichung „17 Jahre lang frisch und dagegen“ den Fehler korrigiert.

Als Jury-Vorsitzender stand ich vor der Wahl von vielen Übeln eines aussuchen zu müssen, denn so wie eingereicht war der Case nicht korrekt. Aber hätte die Jury anders abgestimmt, wenn sie gewusst hätte, dass JvM beteiligt gewesen wäre? Natürlich nicht, in der Jury-Sitzung werden gar keine Agenturnamen gezeigt oder besprochen. So habe ich in Abstimmung mit dem GWA-Präsidenten diese Änderung in der Einreichung gerne akzeptiert.

Ob ich nun formal-juristisch die Regeln und oder die Satzung des GWA verletzt habe und ob das für die Mitglieder ein nicht akzeptables Verhalten darstellt, mag ich nicht beurteilen. Vielleicht prüft dies am besten der Ältestenrat des GWA, ich möchte, dass der GWA und sein Effie frei von jeder Beschädigung sind,

Thomas Strerath



Markus Weber, Redakteur W&V
Autor: Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.