War for Talents :
Freizeit statt mehr Gehalt: Geht das bei Agenturen?

Was ist den Mitarbeitern wichtiger - mehr Gehalt oder mehr Freizeit? W&V hat sich bei den Agenturen umgehört.

Text: Anja Janotta

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Bei Serviceplan in Köln.
Bei Serviceplan in Köln.

Die Angestellten der Deutschen Bahn haben sich mehrheitlich für mehr Freizeit statt mehr Gehalt ausgesprochen. Bei einer Umfrage der Bahngewerkschaften hatten sich 56 Prozent für mehr Urlaub statt für eine Gehaltserhöhung entschieden. W&V Online hat sich bei einigen Agenturen umgehört: Ist das auch ein Modell für die Kreativbranche?

Soviel ist schon mal sicher: "Mit rigiden Lösungen kann man in der Kommunikationsbranchen niemanden mehr halten", sagt Winfried Bergmann, Personalchef bei Serviceplan. Aber die Agenturbranche ist flexibler als ein Großunternehmen mit 130.000 Mann. Deswegen aber gibt es bei Serviceplan und anderen Agenturen eben auch keine fixen Regelungen, sondern maßgeschneiderte Absprachen zwischen Chefetage und Mitarbeiter.

BBDO beispielsweise setzt "auf eine Vielzahl von individuellen Lösungen", sagt HR-Chefin Stefanie von der Forst. "Damit sind sowohl unsere Agenturen als auch unsere Mitarbeiter sehr zufrieden – zumal so die auf beiden Seiten gewünschte und notwendige Flexibilität gewährleistet ist", betont sie. Zu den "individuellen Lösungen" gehören Urlaub nach Wunsch, Teilzeitregelung und Überstundenausgleich.

Bei Grey Düsseldorf gibt es seit Januar dieses Jahres eine einheitliche Überstundenregelung. "Mitarbeiter in nicht-leitenden Funktonen bekommen seitdem bis auf eine halbe 'Karenz'-Stunde pro Tag ihre Überstunden 1:1 in Freizeit ausgeglichen. Mitarbeiter in Führungspositionen stehen stattdessen pauschal fünf Tage Überstundenausgleich im Jahr zu," erklärt Stephanie Franke, Head of Human Resources, von Grey Düsseldorf. Hier wie bei BBDO haben die Mitarbeiter einen Betriebsrat, der über ihre Geschicke wacht.

Schon 2006 hat Serviceplan den Urlaub nach Wunsch eingeführt.  Das heißt: Jeder Mitarbeiter darf seinen Urlaub nach seinen Bedürfnissen einteilen. Das kann in einem Jahr mal mehr, im anderen mal weniger sein. Im Mittel aber, und das hat eine aktuelle Umfrage ergeben, pendeln sich die Mitarbeiter bei 25 bis 30 Tagen ein. 80 Prozent liegen in diesem Korridor. Eine kleine Prozentrate liegt darüber und darunter - das gleiche sich in den darauffolgenden Jahren aber meistens wieder aus, sagt Serviceplans oberste Personaler Bergmann.

Daneben gibt es auch viele Teilzeitmodelle. Interessanterweise würden die besonders von den Digital-Arbeitern nachgefragt. In den klassischen Disziplinen sind es dann häufiger erziehende Mütter, die flexiblere Arbeitszeiten wünschen.

Prinzipiell haben wohl alle Agenturen die Erfahrung gemacht, dass besonders die Generation Y noch ganz andere Anreize braucht als ein gutes Gehalt. "Die Höhe des Gehalts ist längst nicht mehr das wichtigste Kriterium bei der Likeability eines Arbeitsplatzes", sagt Bergmann. Und das gibt der Work-Life-Balance durchaus mehr Gewicht.

Trotzdem, der Trend ist zwar da, sagt Bergmann. Aber die Nachfrage nach Teilzeit stagniere. Derzeit sind etwa 250 der 2000 deutschen Serviceplan-Mitarbeiter nicht in Vollzeit angestellt.

Übrigens, die W&V, Gehalt.de und Designerdock ermitteln derzeit, wie das mit den Gehältern in der Werbebranche aussieht. Noch bis Ende August läuft die Umfrage, die für viele Berufsbilder der Branche einen genauen Überblick geben wird. Hier kann man mitmachen.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



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