Strategischer Schwerpunkt auf Kreativität :
Grey NY will sich "unfairen Vorteil" verschaffen

Online first, America first - die Parole signalisiert stets Prioritäten. Und einen gewissen Wettbewerbsvorteil. Grey New York baut nun in diesem Geiste auf "creativity first".

Text: Susanne Herrmann

"Creativity first" heißt die Parole bei Grey New York. CEO ist Debby Reiner.
"Creativity first" heißt die Parole bei Grey New York. CEO ist Debby Reiner.

Die Agentur Grey New York legt sich fest: In der Branche durchaus naheliegend, konzentriert sich Grey NY laut Ankündigung nun auf "creativity first". Kreativität steht also an erster Stelle. Das berichtet unter anderem das US-Fachmagazin Adweek und beruft sich dabei auf CEO Debby Reiner. Die Agenturchefin gab die Parole auf dem Panel "Agency and Client Reinvention" auf der Konferenz 4A’s Accelerate in Miami aus.

Konkret meint Reiner damit, dass Grey NY spätestens ab 2019 75 Prozent seiner Investitionen in Talente und Kreativ-Ressourcen stecken werde. Dazu gehören Stellen in der Kreation, dem Projekmanagement und der Produktion. Die übrigen Bereiche müssen sich mit 25 Prozent der Ausgaben begnügen. Debby Reiner begründet das damit, dass dies die Kernkompetenz von Grey sei und Kunden auch verlangten, dass ihr Geld in Kreativität fließe.

Das heißt auch, dass in Nachwuchs und Personalakquise investiert werde. Reiner sagte, Grey wolle attraktiv sein für die besten Kreativen. "Es geht darum eine Kreativkultur zu errichten, die Top-Kreative hier hält und in der sie sich zu Hause fühlen - und die die besten Kreativen, die hier noch nicht arbeiten, anzieht", sagt Debby Reiner.

Diversity für mehr Kreativität und Erfolg

Das Credo der Agentur - "Famously Effective" (Ruhm & Erfolg) habe in deren erstem Jahrhundert (Grey wurde 1917 gegründet) für Kreativität und Lösungen gestanden. Dies würde nun im zweiten Agenturjahrhundert mit einem direkten Zugriff zu den vielfältigsten kreativen Köpfen ihrer Zeit umgesetzt.

Reiner erklärte auf dem Panel, sie wolle Grey einen "unfairen Vorteil" verschaffen, was Talent angehe, und Grey die "Diversity" geben -  heterogen zusammengemischte Teams und Mitarbeiter - mit den Kenntnissen modernern Marketings, die Kreativität nun mal erfordere.

Zu den Kunden, die das betrifft und mit denen Grey NY seit Monaten schon über die neue Kreativitätsparole spricht, gehört Procter & Gamble. Markenchef Marc Pritchard saß in Miami gemeinsam mit Reiner auf dem Podium. Und gab sich erfreut: "Als Kunde ist das Musik in unseren Ohren", sagte Pritchard. "Wir wollen dort investieren, wo es den größten Nutzen hat, und das ist Kreativität."

Dass Grey 75 Cent von jedem Dollar für kreative Talente ausgeben will, sei ein Meilenstein für die Zusammenarbeit und werde zum gemeinsamen Ziel beitragen: mehr Wachstum. Unmittelbar vor der Podiumsdiskussion hatte P&G bekanntgegeben, nun mehrere Agenturen zusammenzubringen und daraus ein neues Modell einer Kreativagentur für seine Bedürfnisse zu bauen.

Creativity first

Adweek zitiert den Kreativchef von Grey Worldwide, John Patroulis: "Wir sind in erster Linie kreativ, für unsere Mitarbeiter, für unsere Kunden, und unsere Arbeiten ebenso wie die laufende Neustrukturierung werden das zeigen." Eine größere Bandbreite kreativer Lösungen werde damit sichergestellt. Kreativität sei der Entwicklungstreiber der Branche.

Zu den erwähnten Umstrukturierungen gehört, dass Grey New York beispielsweise unter dem Namen "Reduced Work Week" nun die Möglichkeit einer Vier-Tage-Woche anbietet; wer am Programm teilnimmt, bekommt währenddessen 15 Prozent weniger Gehalt (obwohl er 20 Prozent weniger arbeitet).

Anfang des Jahres hatte Grey Personal abgebaut; das Programm sei aber die Antwort darauf, dass sich viele Angestellte eine bessere Work-Life-Balance gewünscht hatten, keine Maßnahme zur Senkung von Personalkosten.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.