Unic :
Holakratie ohne Hierarchie

Die Digitalagentur Unic hat alle Titel abgeschafft. Im Mittelpunkt steht die Arbeit. Besser für alle.

Text: Conrad Breyer

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Stephan Handschin und Ivo Bättig (Bild) haben ihre Agentur Unic neu aufgestellt und selbst mehrere neue Rollen bekommen.
Stephan Handschin und Ivo Bättig (Bild) haben ihre Agentur Unic neu aufgestellt und selbst mehrere neue Rollen bekommen.

Die Sache begann recht profan. Vergangenes Jahr beging Unic das 20-Jährige. Ein Anlass zu feiern, ein Anlass für Selbstzweifel. Die Digitalagentur ist eine der größten der Schweiz mit ihren 280 Leuten, über die Jahre mächtig gewachsen in ganz Europa, auch in Deutschland. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, wenn da nicht die Wachstumsschmerzen wären. Fünf Hierarchiestufen mit 45 Führungskräften hatte Unic noch bis 30. März. Eine Struktur, die lähmte und wenig Platz ließ für Eigeninitiative.

Das Management wollte das ändern und da man nun ohnehin dabei war, das Geschäftsmodell neu aufzusetzen, konnte man auch gleich über die Organisation nachdenken. Warum nicht alles über Bord werfen? Die ganze etablierte Top-down-Organisation. Gesagt, getan: Stephan Handschin, ehemals COO, und Ivo Bättig, formally known as CSO, beide Partner, führten die Holacracy ein. Seitdem ist nichts, wie es war.

Mehr Verantwortung für alle, mehr Motivation

Holacracy macht frei. Nicht mehr Manager haben das Sagen, sondern Teams in sogenannten Kreisen, in denen die Mitarbeiter Rollen übernehmen. Um die Arbeit herum. Einfach, weil sie es können. Entscheidungen fallen gemeinsam. Ivo Bättig ist heute Holacracy Implementation Lead, Coach, auch Customer-Care-Taker und noch das eine oder andere. Er hat zwölf Rollen. Wobei sich die Aufgaben, die die digitale Welt stellt, schnell ändern können. Wie das genau aussieht, zeigen die Macher in diesem Video-Interview.

Deshalb müssen sich Kreise und Rollen immer neu formieren, manchmal in Echtzeit. Seit 1. April probieren sie das und es funktioniert, sagt Bättig, obwohl er das noch nicht belegen kann. "Wir sind in einer Lernphase." Entscheidungen fallen inzwischen schneller als früher, weil die Leute Verantwortung dafür tragen. Das motiviert.

Fehler? Werden seltener gemacht, denn jeder sucht sich selbst eine Rolle, die er am besten ausfüllen kann. Und gibt sie ab, wenn er nicht weiterkommt. Und so kontrolliert und bewegt sich die ganze Agentur wie von selbst, ein organisches Ganzes.

Zufriedene Kunden

Unic steht nicht allein. Die Swisscom, Zappos in den USA, auch in Deutschland experimentieren sie mit der Holacracy. Werden wir also bald alle zu Holakraten, die die Welt zu einem besseren Ort machen? Ivo Bättig ist überzeugt davon. In jedem Fall ist seine Agentur heute effizienter als früher. Zumindest die Kunden dürfte das schonmal glücklich machen.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.



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