Gender Gap :
Interne Studie: WPP bezahlt Frauen deutlich schlechter

Die größte Werbeholding der Welt erforscht sich selbst. Eine interne Studie zeigt, dass Männer noch immer mehr verdienen in dem Werbekonzern - obwohl sie die gleiche Arbeit erledigen. Das soll sich ändern.

Text: Conrad Breyer

Sir Martin Sorrell steht an der Spitze der WPP-Holding, die Frauen schlechter entlohnt als Männer.
Sir Martin Sorrell steht an der Spitze der WPP-Holding, die Frauen schlechter entlohnt als Männer.

Am schlimmsten ist es bei JWT in UK. Dort liegt der Pay Gap, also der Abstand zwischen dem, was Frauen und Männer bei gleicher Arbeit verdienen, bei 44,7 Prozent. Das ergab eine Erhebung, die der britische Werbekonzern unter all seinen Werbeagenturen durchgeführt hat, wie "Campaign" berichtet. Ausgerechnet JWT, die sich in Sachen Gleichberechtigung zuletzt keinen guten Namen gemacht haben mit dem CEO Gustavo Martinez.

14.000 Menschen beschäftigt WPP, etwa je zur Hälfte Frauen (51 Prozent) und Männer (49 Prozent), in den Chefetagen sind Männer etwas häufiger vorzufinden. Trotzdem bekommen bei gleicher Arbeit Männer deutlich mehr Lohn. Am besten ist es noch bei Kantar Media, dort liegt der Abstand bei 12,7 Prozent zugunsten der Männer. Im Schnitt liegt der Pay Gap bei 14,6 Prozent (Median).

Aktionsplan für mehr Gender-Gerechtigkeit

Die Verantworlichen geben sich reumütig, obwohl sie das Lohngefälle ja zu verantworten haben. "Die Zahlen sind natürlich enttäuschend", sagt James Whitehead, CEO von JWT in London, in Campaign. Immerhin wollen sie jetzt was ändern. Im Kampf um Talente überzeugt die Agentur offenbar, genügend Frauen bewerben sich. Jetzt will man(n) nach und nach die Einkommen angleichen, auch wenn das nicht über Nacht gehe. Und für Frauen in Führungsetagen werden sie Programme auflegen.

Studien, so WPP, zeigten immer wieder, dass Diversität, Inklusion und Gender-Gerechtigkeit zu mehr Erfolg im Unternehmen führt, weil die Leute motivierter und inspirierter arbeiten. Das will sich die Holding jetzt offenbar zu Herzen nehmen. Besser spät als nie - damit dürfte WPP anderen globalen Werbefirmen noch voraus sein.

Zum weltweiten WPP-Konzern gehören u.a. auch Grey, Ogilvy, Scholz & Friends und Thjnk.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.