Tierschutz-Kampagne :
Kein Job für Putze Tiger

Mit verstörenden Bildern schreckt Pro Wildlife von Selfies mit Tieren und derlei ab. Urlauber sollten besser hinschauen: Oft steckt hinter einer Touristenattraktion reine Tierquälerei.

Text: Conrad Breyer

Lieber Pizza ausfahren als Reitkuh.
Lieber Pizza ausfahren als Reitkuh.

Schonmal im Urlaub auf einem Elefanten geritten? Dann sollten Sie jetzt ein schlechtes Gewissen haben. In einer neuen Printkampagne wehrt sich die Agentur AvL/SE aus Berlin für die Artenschutzorganisation Pro Wildlife gegen Tierschänderei. In den Anzeigen übernehmen Wildtiere Jobs, für die sich Menschen zu schade sind. Die provokativen Anzeigen sollen verhindern, dass Urlauber unwissentlich Tiere quälen.

Gefertigt hat die Anzeigen der vielfach ausgezeichnete Illustrator Ricardo Salamanca von Salamagica; sie zeigen exotische Tiere bei niederen Tätigkeiten: Ein Elefant liefert in einer öden, dreckigen Stadt Pizza aus, ein Tiger wischt den Boden eines Bordells. Aber alles gut - die Tiere haben Schlimmeres erlebt. Die Botschaft lautet: "Jede Arbeit ist besser als ein Dasein als Touristenattraktion."

Pro Wildlife hat AvL/SE (Serviceplan-Gruppe) noch vor der Urlaubssaison mit der Kampagne beauftragt, um Touristen daran zu erinnern, dass Attraktionen mit Tieren wie Elefantenreiten oder Selfies mit Tigern häufig auf Tierquälerei hinauslaufen. Problematisch sei das vor allem in Asien, Südamerika und Afrika, wo Missbrauch weit verbreitet ist.

Fantasie, die irritiert

"Hundertausende Tiere weltweit fristen heute im Namen des Tourismus ihr Dasein in kleinen Käfigen und in Ketten. Elefantenritte, Selfies mit Schimpansen oder das Streicheln von Tigern sind für viele Urlauber ein absolutes Highlight. In den meisten Fällen werden die Tiere aber unter erbärmlichen Bedingungen gehalten und mit Gewalt trainiert, kontrolliert oder ruhiggestellt”, sagt Adeline Fischer, Kampagnenmanagerin bei Pro Wildlife. AvL/SE arbeitet seit 2006 für Pro Wildlife, damals noch als Aimaq von Lobenstein. Die Agentur gehört seit einiger Zeit zu Saint Elmo's und damit zur Serviceplan-Gruppe.  

"Um eine unmittelbare Wirkung zu erzielen, haben wir eine visuelle Welt erschaffen, die den Betrachter zugleich fasziniert und verstört", sagt André Aimaq. Ricardo Salamanca und sein Team wählte die Agentur wegen ihres hyperrealistischen, traumhaften Stils, der CGI, Fotografie und Illustration vereint.

Pro Wildlife

Motiv von Pro Wildlife


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.