Deshalb: Es ist unerheblich, ob Sie das Marketing eines Großkonzerns, Händlers oder Startups verantworten – der Glaube, dass die Werbemaschine temporär aussetzt, nach der Krise plötzlich wieder hochfährt und sich dieser Effekt dann sofort in der Kasse bemerkbar macht, ist fatal. Stattdessen sollte der kommunikative Faden zum Kunden – insbesondere in Krisenzeiten – nie ganz abreißen.

Stop selling. Start helping.

Nie war das Zitat von Autor Zig Ziglar relevanter: Hören Sie auf, zu verkaufen und fangen Sie an, zu helfen. Wer jetzt noch business as usual macht oder Kampagnen im Gegenteil allzu konstruiert und opportunistisch auf die neue Situation münzt, wird verlieren. Vielmehr geht es darum, die Kundenbindung durch Vertrauen zu stärken: Die Aufgabe von Marketingverantwortlichen ist es, gesellschaftliche Lagen mit einer gehörigen Portion Empathie einzuschätzen und daraus Vorteile für das eigene Unternehmen zu generieren.

Dabei helfen folgende Überlegungen: Wie kann Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung aktuell konkret unterstützen? Was können Sie tun, damit Ihre Kunden besser durch diese Krise kommen? Wer eignet sich kurzfristig als Sparringspartner, um Ihren Kunden genau den Service zu bieten, den sie gerade benötigen? Und das Wichtigste: Was davon passt zu Ihrer Marke? Wie es richtig geht, zeigen Aldi und McDonald’s in einem Personal- und Marketing-Coup, der seinesgleichen sucht: Mitarbeiter, die von Schließungen oder dem eingeschränkten Betrieb der Fastfood-Kette betroffen sind, können ab sofort unbürokratisch bei Aldi in Verkauf und Logistik eingesetzt werden. Auch die französische Warenhauskette Auchan, die jedem Mitarbeiter eine Prämie auszahlt, die Dankesbotschaft von Edeka oder der Schwenk des Textilherstellers Trigema, der sich in der Krise kurzerhand auf die Produktion von Atemschutzmasken konzentriert, zeigt: Wer den Fokus verlagert, gewinnt.

Verändertes Kundenverhalten berücksichtigen

Ein Großteil der Unternehmen arbeitet in den letzten Tagen und Wochen im Homeoffice. Das führt dazu, dass wir nicht mehr über neues Arbeiten reden – es findet real statt. In diesem Paradigmenwechsel gilt es, transparent, schnell und authentisch zu kommunizieren. Waren Sie beim digitalen #WirVsVirus-Hackathon der Bundesregierung dabei? Über 40.000 (!) Menschen entwickelten in Rekordzeit Ideen, aus denen helfende Initiativen und Produkte für Unternehmen in der Krise entstehen.

All das zeigt: Digitale Kanäle gewinnen in der Krise massiv an Relevanz. Also: Treten Sie in den Sozialen Netzwerken, via Newsletter, Videokonferenz, Podcasts, auf Ihrer Website oder einer Microsite mit Ihren Kunden in Kontakt. Punkten Sie darüber hinaus mit Content Marketing, das Ihren Kunden konkrete Hilfestellung und Unterstützung gibt. Gleichzeitig setzt die haptische Kommunikation am Point of Sale nicht aus, sofern Ihr Arbeitgeber zu den wenigen stationären Händlern gehört, die noch geöffnet haben.

In unerwarteten Situationen liegt die Chance, die Kundenbindung enorm zu stärken oder eine neue aufzubauen. Ein kommunikativer Dreh, eine Spendenmaßnahme oder die Kooperation mit anderen Unternehmen: Potenzial für Geschichten und Anknüpfungspunkte gibt es aktuell zuhauf. Ich glaube: Wer jetzt auf ein klares und der Situation angemessenes Marketing setzt, wird zu den Ersten gehören, die nach der Krise ohne allzu große Verluste durchstarten. 


Zum Autor: Simon Stark ist Leiter Konzeption und Kreation bei mgo360. Die Full-Service-Agentur, die zur Mediengruppe Oberfranken gehört und an vier Standorten mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt, bietet ganzheitliche Konzepte aus den Bereichen Kommunikation & Kampagnen, Digitale Plattformen, Medien- und Contentproduktion sowie Druck. Simon Stark beschäftigt sich in seiner Funktion verstärkt mit den Zukunftsthemen Augmented Reality, Virtual Reality und Sprachassistenten im Smart Home. Er begleitete als Marketingberater zahlreiche Unternehmen erfolgreich durch die Finanzkrise.

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Autor: W&V Leserautor

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