Frank Behrendt über Work-Life-Balance :
"Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst - aber nie deinen Job"

Im Magazin "Clap" gibt der Fischer-Appelt-Vorstand Frank Behrendt "zehn ernsthafte Ratschläge, wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt". Im Netz erhält der Agenturchef dafür sehr viel Zustimmung.

Text: W&V Redaktion

29. Sep. 2015 - 15 Kommentare

In der aktuellen Ausgabe des Branchen- und People-Magazins "Clap" erteilt der Fischer-Appelt-Vorstand Frank Behrendt "zehn ernsthafte Ratschläge, wie man lockerer durchs (Berufs)Leben kommt". Im Netz erhält der Agenturchef für seine Forderungen und Thesen sehr viel Zustimmung. Mit dem ausdrücklichen Einverständnis der "Clap"-Redaktion veröffentlichen wir an dieser Stelle die Tipps des völlig "tiefenentspannten Fischer-Appelt-Vorstandes" noch einmal im Wortlaut:

10 ernsthafte Ratschläge wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt

1. Mach dir jeden Morgen noch mal klar, dass wir im Job nur Monopoly für Erwachsene spielen. Egal, was wir hier machen oder nicht machen – die Welt dreht sich weiter. Deshalb sollten wir uns bei aller Ernsthaftigkeit selbst nicht zu wichtig nehmen.

2. Schaff dir Atempausen während des Arbeitstages. Audiobook im Auto hören statt rumzutelefonieren, im Flieger Bestseller auf dem Kindle lesen statt die letzte Sales-Statistik.

3. Nichts begeistert mich mehr als meine Familie. Deshalb lieber den letzten Flieger oder den Nachtzug zurück nach Hause nehmen, anstatt im Hotel zu übernachten. Das Frühstück mit denen, die wirklich wichtig sind, ist unbezahlbar und der beste Start in den neuen Tag.

4. Abendessen mit Geschäftspartnern minimieren. Es gibt abends nix zu besprechen, was man nicht auch beim Lunch erledigen kann. Statt Business-Dinner lieber ins Kino mit der Gattin, Kicker mit den Kids vorm Einschlafen spielen oder entspannt Fußball auf Sky schauen.

5. Hol dir den Happiness-Kick von früher zurück. Fast jeder hat in der Kindheit glückliche Momente erlebt. Wenn Mama die Lieblingsspielzeuge inzwischen verschenkt hat – hol sie dir auf Ebay. Das Matchboxauto von damals auf dem Schreibtisch lässt einen jede noch so langweilige Telefonkonferenz spielerisch überstehen.

6. Ruf an den eher spaßbefreiten Tagen einfach mal spontan ehemalige Lieblingskollegen an, die heute woanders sind. Das amüsante Telefonat über die besten Anekdoten von früher macht auch einen grauen Tag direkt heller.

7. Geh mal mit Leuten zum Mittagessen, die auf den ersten Blick keine Business-Relevanz haben. Der gechillte Talk mit dem Schülerpraktikanten über seine Lieblinge auf Youtube bringt oft mehr als der traditionelle Larifari-Lunch mit dem Key-Account-Manager eines Dienstleisters, der dich wieder mal zum Essen einladen möchte, um sich auszutauschen.

8. Lösch die Abwesenheitsnotiz auf deinem Mailaccount. Ich finde es stressiger, vor dem Urlaub Übergaben zu machen und nach der Rückkehr wieder alles aufzuarbeiten. Unter der Palme im Urlaub zweimal täglich Mails zu checken und die wichtigen weiterzuleiten oder kurz zu beantworten ist kein Ding, wenn man das Phone dann wieder in den Safe legt und an den Strand geht. Ab- und Umschalten kann man trainieren – und zwar im Kopf, nicht am Gerät.

9. Mein Kürzel lautet fb und nicht cc. Befrei dich vom Informationswahn. Vertrau den Mitarbeitern und lasse dich von ihnen lieber regelmäßig persönlich updaten. Das ist effizienter und gibt im Face-to-Face auch Räume für die wichtigste interne Währung: ein Lob.

10. Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job.

Um dasselbe Thema ging es - während der Urlaubszeit - übrigens auch schon im W&V-Online-Kommentar "Leute, habt ein Privatleben!", den man an dieser Stelle nachlesen kann.


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

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15 Kommentare

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Anonymous User 3. Oktober 2015

9. halte ich für den wichtigsten Punkt. Wenn jemand seiner Meinung nach nämlich "nur mit unfähigen" Mitarbeitern arbeiten muss würde ich mich fragen welcher "Idiot" diese eingestellt hat ;-) meistens wechseln dann nur die Mitarbeiter und nie die Vorgesetzten. Mit genügend Gehalt lässt es sich übrigens auch gut abschalten. Die Mittelschicht kann davon leider nur träumen. Fairness, Vertrauen, Anerkennung und Motivation sowie feste Arbeitsverhältnisse sind keine Realität! Von der fehlenden Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie mal ganz zu schweigen. Als Frau erst Recht. Leider empfehle ich deshalb der Mittelschicht daher flexibel zu bleiben, öfter mal den Arbeitgeber zu wechseln und sich nicht ausbeuten zu lassen. Überstunden werden einem nicht gedankt. Man muss eine gesunde Einstellung beibehalten. Meistens kennen die Vorgesetzten noch nicht einmal ihre Mitarbeiter.

Anonymous User 30. September 2015

Gute Statements Herr Beherend!

Stimme in allem zu. Vor allem beim Thema mehr Gelassenheit.
Und den ewigen frustrierten, Neid zerfressenen Nörglern in unserer völlig selbst-überschätzden Branche kann man es sowieso nie recht machen. Und das ist auch ok so.

Anonymous User 29. September 2015

Erst einmal Danke für das überwältigende Feedback auf allen Kanälen. Es zeigt, dass uns alle das Thema Balance in einer immer schneller werdenden digitalen Welt mit ihren Vor- und Nachteilen beschäftigt und wir nach Lösungen suchen müssen. Meine "Tipps" sind als Impuls gedacht, am Ende muss jeder seinen eigenen Weg finden - was für mich gilt muss nicht für jeden passen. Mir bescheren z.B. Anker aus meiner Kindheit tägliche Glücksmomente, die mich jeden Tag positiv beeinflussen. Andere haben andere Techniken, gut so. Und wer besser abschalten kann, wenn er im Urlaub komplett auf Mails verzichtet - wunderbar. Ich freue mich auch über kritische Kommentare, mit denen ich mich genauso auseinandersetze und mich auch jeder Diskussion stelle. Auch hier gibt es ja kritische Stimmen, fair enough. Dazu folgendes: Es ging und geht mir bei meinem Impuls um eine Haltung - und die hat nichts mit einer Hierarchiestufe zu tun. Wer mich kennt weiß, dass ich fernab davon bin im Elfenbeinturm zu sitzen und zu delegieren. Ich bin leidenschaftlich gerne mit den Kolleginnen und Kollegen an der Kundenfront und täglich im operativen daily business ganz nah dran. Nur aus der Distanz zu managen und nicht mehr im Maschinenraum dabei sein zu dürfen wäre nichts für mich. Entspannt war ich übrigens auch zu Beginn meiner Karriere und da war ich nun wirklich kein Chef. Langjährige Weggefährten werden bestätigen, dass ich auch früher nicht anders getickt habe als heute. Netto-Botschaft meines Aufschlages: Etwas mehr Gelassenheit, maximale Effizienz im Job und auch eine gesunde Distanz zwischen Job und Privat helfen weiter um die richtige Balance zu finden. Und die ist wichtiger denn je - um eben seinen Job mit Leidenschaft erfolgreich zu machen und dennoch auch den Menschen die notwendige Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken die sie verdienen. Und diese Einstellung kann man aus meiner Sicht als Berufseinsteiger genauso haben und leben wie als Top-Manager. Ich freue mich dass diese Diskussion geführt wird und bin sicher, es gibt jede Menge Menschen allen Alters und aller Hierarchiestufen, die gute Tipps und Tricks anwenden, um eine möglichst gute Balance zu finden. Lasst uns weiter darüber diskutieren und gute Ansätze teilen, denn jeder weitere, der es schafft Job&Privatleben besser in Einklang zu bringen ist ein Gewinn.
In diesem Sinne entspannte Grüße
Frank Behrendt




. Ich mache meinen Job gerne, genieße die Zeit mit den wunderbaren Menschen in unserer Agentur - Top Per- das meinte ich h

Anonymous User 29. September 2015

Bei Fischer-Appelt kann man also Überstunden abfeiern? :)

Anonymous User 29. September 2015

Das kann nur jemand sagen, der in der Geschäftsführung sitzt und eben alles nach unten weiter ablädt - mit dem Ergebnis, dass die Leute darunter von der Umsetzung dieser hier gepriesenen Work-lofe-balance nur träumen können. Das Prinzip Agentur lässt eine solche Haltung nicht zu. Es basiert auf Ausbeutung und systemstischer Überbelastung sämtlicher Angestellter. Sonst rechnet sich das ganze nicht. Alle Ebenen unterhalb der Geschäftsführung stehen unter enormen Druck und wer sich so eine entspannte Haltung auf Arbeitsebene zulegt, fliegt ganz schnell. Diese so schön klingenden Zeilen sind für alle Angestellten in Agenturen ein Schlag ins Gesicht und voller Zynismus. Schlimm, dass dieser Verlogenheit hier auch noch applaudiert wird.

Anonymous User 29. September 2015

Sehr geehrter Herr Behrendt,
vielen Dank für die Denkanstöße. Der letzte Punkt hat mich sehr gerührt.

Mit freundlichen Grüßen,
Susanna Marofke

Anonymous User 29. September 2015

Lieber Frank Behrendt,

sehr schön geschrieben.

Beim letzten Punkt muss ich dir jedoch widersprechen:
Sicherlich soll man seine Familie lieben. Die Familie sollte an erster Stelle stehen und Vorang vor der Arbeit haben.
Jedoch soll man auch seine Arbeit lieben.

Konfuzius sagte dazu passend:
"Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten."

Liebe Grüsse


Timo

Anonymous User 29. September 2015

Solche Tipps von einem Agenturchef...ich denke mal er geht bei diesem Tipps von seinen Gewohnheiten aus. Solche Punkte funktionieren nicht im täglichen Agenturgeschäft.

Würd gern mal Tipps von einem aus der MItte lesen.

Anonymous User 29. September 2015

Sehr wahr und richtig! Ausser Punkt 8. Zumindest einen Urlaub im Jahr ohne eine Anbindung an Mails lüftet den Kopf. Und hilft alle anderen Punkte besser zu berherzigen! Hut ab, Herr Behrendt. Tolles Statement!

Anonymous User 29. September 2015

Vielleicht der beste Artikel der letzten Monate.
Ich bin Werber. Es gibt nichts Langweiligeres.

Anonymous User 29. September 2015

Lieber Frank Behrendt,

einfach mal zusammen gefasst, was jeder wissen sollte und doch so oft aus den Augen verliert... Ich stimme hier zu, denn nur die Momente sind das was uns bleiben wird.

Bei einem Punkt muss ich jedoch klar widersprechen. Ich soll nie meinen Job lieben?
Dann könnte ich zumindest nicht arbeiten. Denn nur wenn ich meinen Job, meine Kollegen und Kunden liebe - nur dann, kann ich gut sein und glücklich. Enthusiasmus und Leidenschaft ist das was mich und die meisten anderen Menschen antreibt. Ich gehe jeden Tag ins Büro genau weil ich meinen Job liebe. Allerdings nicht mehr als meine Familie, meine Freunde, mich selbst und vor allem das Leben. Ich denke wir sind uns auch hier einig.

Herzlichst,
Harald

Anonymous User 29. September 2015

Lieber Frank Behrendt,

einfach mal zusammen gefasst, was jeder wissen sollte und doch so oft aus den Augen verliert... Ich stimme hier zu, denn nur die Momente sind das was uns bleiben wird.

Bei einem Punkt muss ich jedoch klar widersprechen. Ich soll nie meinen Job lieben?
Dann könnte ich zumindest nicht arbeiten. Denn nur wenn ich meinen Job, meine Kollegen und Kunden liebe - nur dann, kann ich gut sein und glücklich. Enthusiasmus und Leidenschaft ist das was mich und die meisten anderen Menschen antreibt. Ich gehe jeden Tag ins Büro genau weil ich meinen Job liebe. Allerdings nicht mehr als meine Familie, meine Freunde, mich selbst und vor allem das Leben. Ich denke wir sind uns auch hier einig.

Herzlichst,
Harald

Anonymous User 29. September 2015

Ein sehr weiser Mensch, kann man bis auf Punkt 9 alles so unterschreiben.
Leider eine absolute Ausnahme in der Branche.

Anonymous User 29. September 2015

Gott achtet dich, wenn du arbeitest
aber er liebt dich wenn du tanzt!

Jetzt hoffe ich nur, dass die Kiddies das nicht ernst nehmen.

Anonymous User 29. September 2015

Bla Blabla bla.

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