Blockchain :
Mediaagentur Pilot gründet ein Technik-Startup

Die Software-Plattform Mercury organisiert alle Media-Tools - künftig auch Künstliche Intelligenz und Blockchain-Vertragsmechaniken.

Text: Leif Pellikan

Kristian Meinken ist Geschäftsführer von Mercury, Pilot und der Agenturtochter Twentyfive.
Kristian Meinken ist Geschäftsführer von Mercury, Pilot und der Agenturtochter Twentyfive.

Die Hamburger Mediaagentur Pilot macht aus ihrer Tochter Mercury ein Startup. Die Firma liefert Kunden und Agenturen eine technische Basis, damit sich alle Mediaprozesse unter einem Dach bündeln lassen. Das klingt zunächst wie eine Konkurrenz zu Firmen, die Software-Tools für die Marketing-Automatisierung anbieten. Doch Mercury löst ein ganz grundsätzliches Problem. 

Programmatic Advertising, der Real-Time-Mediaeinkauf und die automatische Optimierung gibt es längst haufenweise Tools. Und mit dem Einzug von künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technik steht die nächste Revolution im Mediabusiness schon vor der Tür. Doch im Alltag gehört in Mediaagenturen ein erschreckend hoher Anteils an manueller Arbeit dazu. Mails, Excel-Tabellen und zuweilen auch Faxe gehören nach wie vor zum täglichen Business, denn all die hyperintelligenten Systeme sprechen nicht miteinander - und mit der Buchhaltung erst recht nicht.  

Diese Alltagsprobleme bändigt Pilot seit gut vier Jahren mit dem eigenen Tool Mercury. Die Plattform steuert die Einkaufsprozesse, wirft Ergebnisse aus, koordiniert den Datenfluss und regelt, wer wann etwas ändern darf (Mediapläne werden ständig geändert). Kampagnen lassen sich so auch vom Kunden in Echtzeit beobachten.

Unabhängigkeit für die Tochter

Das klappt inzwischen gut, heißt es bei Pilot. Die Firma Mercury Media ist jetzt so groß, dass Geschäftsführer Kristian Meinken den Service auch Unternehmen und anderen Agenturen anbietet. "Wir reduzieren den manuellen Aufwand um 40 bis 50 Prozent", verspricht der Chef-Pilot, der auch Geschäftsführer der Agentur Twentyfive ist. Sie wurde 2017 für den Kunden P&G gegründet. Zudem, so Meinken, würde sich die Anzahl der fehlerhaften Eingaben um 60 Prozent reduzieren.

Bei Mercury stehen 15 Mitarbeiter auf der Lohnliste. Doch die Zahl soll steigen, Meinken will kräftig investieren. Hierfür wären auch externe Partnerschaften eine Möglichkeit. Zum einen soll Geld in das Produkt, zum anderen auch in den Vertrieb fließen, um weiter wachsen zu können. Gleichzeitig sollen die Investments dafür sorgen, dass die Firma auf eigenen Beinen stehen kann. "Denn Mercury muss im Markt unabhängig von Pilot agieren", betont Meinken.

Zwei Kunden hat er bereits in Deutschland, hinzu kommt eine Networkagentur, die in Asien den Hamburger Himmelsboten im Alltag quer über alle Mediengattungen testet. Es sei das System von einer Mediaagentur für Mediaagenturen gebaut, sagt Meinken. Allerdings schielt er auch in Richtung der Unternehmen, die zunehmend Mediaaufgaben ins eigenen Haus holen. 

Künstliche Intelligenz und Blockchain

Warum Meinken gerade jetzt an sein offenes System glaubt, hat zwei handfeste Gründe: Künstliche Intelligenz und Blockchain. Lernende Systeme werden von vielen Firmen wie IBM und Amazon entwickelt. Welche sich durchsetzen, ist offen. Sicher ist sich Meinken nur in einer Hinsicht: "Agenturen werden sich künftig über die Fähigkeiten ihrer künstlichen Intelligenz differenzieren."

Deshalb will er selbst keine lernende Mercury-Maschine entwickeln, aber die Möglichkeiten schaffen, dass solche Systeme steuernd in Prozesse eingreifen können. Etwas anders verhält es sich mit der Logik, die auch hinter Kryptowährungen wie Bitcoin steckt: Blockchain. Sie wird viele Industrien verändern, auch die Werbeindustrie. Zwar ist auch hier noch nicht absehbar, welches System sich mit so genannten Smart Contracts etablieren wird - aber Mercury wird schon jetzt auf die neue Marktmechanik getrimmt. 

Kontakter 8. Februar 2018

Mehr zu Mercury und wie die Blockchain-Technik das Mediabusiness über den Haufen krempeln wird, lesen Sie im aktuellen Kontakter (Ausgabe 3/2018)


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach.