"Moment", mag nun jemand einwerfen, "die Farben sind doch gelernt! Jeder erkennt die sofort als Aldi wieder." Das mag sein. Aber ist das nicht auch etwas entlarvend, wenn man die Wiedererkennbarkeit einer Marke an fünf Farben festmacht? Immerhin sollte es hier ja um das Logo gehen. Das typografische Bildzeichen – der Ausschnitt eines „A“ – wurde weiterentwickelt; es besitzt keinen Rahmen mehr, wurde dafür etwas kompakter. Aber woher in aller Welt kommt diese Ästhetik eines Wollsiegels? Ich erkenne Bänder und Schleifen – aber Aldi hat nichts zu verschenken. Und obendrein: Ein kaum zu erkennender Verlauf in den dunkelblauen Flächen erhöht die Probleme in der Umsetzung, vor allem im Druckbereich, erheblich. Auf die Produktion der ersten Angebotsbeilagen im neuen Design darf man daher gespannt sein.

"Mit diesem Prinzip der Einfachheit hat die Aldi Süd Gruppe in allen Märkten, in denen sie weltweit tätig ist, stetig an Attraktivität gewonnen. Diese Linie ist auch beim Relaunch des neuen Logos wiedererkennbar." –das behauptet die offizielle Pressemitteilung. Das neue Logo jedoch ist das Gegenteil von Einfachheit. Was hat sich der Gestalter nur dabei gedacht?

Angst vor dominanten Schleifen

Gelungen finde ich immerhin den Schriftzug: Er ist offener, lesbarer, fließender. Das „L“ ist meist ein Problembuchstabe bei einer Wortmarke, hier bekommt er jedoch einen richtigen Schwung und geht gut mit den anderen Buchstaben zusammen. Außerdem muss man natürlich relativieren und darf ein neues Corporate Design nicht alleine am Logo festmachen. Die weiteren Anwendungen sind ja noch nicht zu sehen. Dennoch bekomme ich etwas Angst bei der Vorstellung, dass vielleicht die Schleifen eine dominante Rolle erhalten und sozusagen der Rahmen der weiteren Gestaltung werden könnten.

Bleibt abschließend die Frage: „Wie hätte man es denn besser machen können?“ Hier fällt mir immer wieder die „Target Corporation“ ein, der zweitgrößter Discounter in den USA. Ich bin kein Kunde, aber von der Branding-Seite gibt es nicht Besseres, Plakativeres, Einprägsameres auf dem Markt. Der Name ist Programm, das Bildzeichen ein Ikone. Und das alles hat nur eine Farbe. Das nenne ich Einfachheit!

Das Logo des US-Discounters Target.

Der Autor: Norbert Möller ist seit 2003 Executive Creative Director der Peter Schmidt Group und leitet deren Corporate Design Team am Standort Hamburg. Zu den von ihm betreuten Marken und Unternehmen zählen unter anderem Linde, Henkel, Kühne+Nagel, die Postbank, REWE, die Stadt Hamburg und das Goethe Institut. Möller studierte Visuelle Kommunikation an der HfBK Braunschweig und arbeitet seit 1992 bei der Peter Schmidt Group, darunter von 1999 bis 2003 als Geschäftsführer.


Autor:

Norbert Möller

Unser Design-Kolumnist Norbert Möller ist seit 2003 Executive Creative Director der Peter Schmidt Group und leitet deren Corporate Design Team am Standort Hamburg. Er studierte Visuelle Kommunikation an der HfBK Braunschweig und arbeitet seit 1992 bei der Peter Schmidt Group, darunter von 1999 bis 2003 als Geschäftsführer.