10 Fragen an die Recruiting-Chefs :
Personalführung bei Track: "Wir haben eine Überstundenregelung geschaffen"

Meike Scharnhorst ist Personalchefin der Agentur Track. Ihr Job ist es, Mitarbeiter- und Unternehmensinteressen unter einen Hut zu bekommen - und zu wissen, dass das nicht immer funktioniert. 10 Fragen und 10 Antworten über Recruiting und Unternehmenskultur.

Text: Markus Weber

Im Rahmen einer W&V-Online-Serie stellen wir die Recruiting-Chefs der Agenturen vor: Worauf achten sie beim Persönlichkeitsprofil von Bewerbern besonders? Wie lockt man die besten Leute? Was sind die häufigsten Fehler der Bewerber? Heute mit Meike Scharnhorst, HR Senior bei der Hamburger Agentur Track, die bis vor einem Jahr unter dem Namen Rapp Germany bekannt war.

Wie wird man Human Resource Manager bei Track?

Ganz ehrlich: Indem man bei einer großartigen Chance beherzt mit beiden Händen zugreift. Als Quereinsteiger mit internationalem Agenturbackground war diese Stelle für mich eine willkommene Möglichkeit, meine bisherigen Erfahrungen noch einmal auf ganz andere Weise einzubringen und meinen Horizont zu erweitern. - Generell: Mit Leidenschaft, Empathie und einer gehörigen Portion gesundem Menschenverstand.

Wie lockt man die besten Leute? Mit einem attraktiven Kundenportfolio oder mit Top-Gehältern?

Beide Seiten spielen ihre ganz eigene und wichtige Rolle. Auf 'entweder/oder' kann und will ich mich hier nicht festlegen. Das Gesamtpaket muss stimmen. Und dazu gehören neben tollen Kunden und einer fairen Bezahlung unter anderem auch agenturinternes Miteinander und die so gern gehypte Work-Life-Balance. Das wird in Bewerbungsgesprächen immer deutlicher.

Spielt Geld heute eine wichtigere Rolle als früher?

Nein. Das Gehalt muss schon angemessen sein, das ist richtig. Es kommen aber viel mehr andere Faktoren ins Spiel, die immer wichtiger werden: Arbeitsinhalte, Entwicklungsmöglichkeiten, Vereinbarkeit von Familie/Freizeit und Beruf etc.

Worauf schauen Sie besonders beim Persönlichkeitsprofil von Bewerbern?

Auch wir schauen auf das Gesamtpaket. Dabei gilt es nicht, eine Checkliste abzuarbeiten und nur 'perfekte' Bewerber auszuwählen, die all unsere Anforderungen erfüllen. Wichtig ist vor allem, dass es menschlich passt. Dass der Kandidat er selbst bleibt und Lust darauf hat, Teil unseres Teams zu sein.

Was sind die häufigsten Fehler von Bewerbern?

Sich nicht vorher mit Track auseinandergesetzt zu haben. Dabei muss nicht jedes Detail unserer Agentur präsent sein. Die aktuellen Cases, die wir auf unserer Website präsentieren, sollten dem Kandidaten im Gespräch aber schon ein Begriff sein.

Das Image der Agenturen als Arbeitgeber hat zuletzt gelitten. Zu Recht?

Es stimmt, das Image der Agenturen ist nicht wirklich das Beste. Es hat sich in den letzten Jahren aber auch einiges getan, das wird von vielen nicht gesehen. Wir haben bei Track zum Beispiel eine Überstundenregelung geschaffen, die es unseren Mitarbeitern ermöglicht, geleistete Überstunden abzubummeln und so für ihre harte Arbeit ein Stück zurück zu bekommen. - Natürlich hat man in der Agenturwelt nun mal keinen 9-to-5-Job mit Weihnachtsgeld und jährlichen, tariflichen Gehaltserhöhungen. Das weiß man aber, bevor man sich für diese Branche entscheidet.

Wie sieht es in Ihrer Agentur mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

Das bekommen wir schon ganz gut hin. Wir haben auch auf Führungsebene Mütter in Teilzeit und Väter in Elternzeit bzw. teilweise im Home Office. Das Verständnis hierfür ist in den letzten Jahren auf jeden Fall gewachsen. Wir versuchen unser Möglichstes – auch wenn es manchmal ehrlicherweise nicht gelingt, alle Wünsche der Mitarbeiter und die Agenturinteressen zusammenzubringen.

Welche Rolle spielt bei Ihnen Diversity Management?

Wir sind vor allem beim Alter und der Betriebszugehörigkeit sehr divers. Das reicht vom jungen, frisch ins Berufsleben gestarteten Mitarbeiter bis hin zum Kollegen mit einer 25-jährigen Betriebszugehörigkeit. Darauf legen wir großen Wert und das macht auch unsere gute Mischung aus.

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Fehler, den ein Personalverantwortlicher oder Headhunter machen kann?

Bewerber nicht als Menschen zu sehen. Unehrlichkeit.

Warum sollte jemand bei Ihnen anfangen? Was macht Ihre Agenturmarke einzigartig?

Bei Track arbeiten Experten für Markenführung, CRM und digitale Touchpoints Hand in Hand. Vor allem im CRM-Bereich sind wir weit vorn und haben in diesem Jahr unseren ersten Cannes-Löwen gewonnen sowie beim Effie Gold und Silber abgeholt. Wir arbeiten transparent mit der Plattform PODIO und nutzen Design-Thinking-Prozesse. Außerdem sitzen wir in einer coolen Location auf St. Pauli. Das hat schon was, wenn man auf einem der Agenturfahrräder mal die Reeperbahn runterfährt oder im Sommer in der Mittagspause zum Beach-Club am Hafen radelt. - Neben all den Schlagworten sind wir aber vor allem eine Agentur, in der wir uns trotz einer Größe von 200 Mitarbeitern noch eine gewisse familiäre Atmosphäre bewahrt haben.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.