Norbert Lindhof über The Pitch People :
Pitch-Debatte: Workshops alleine helfen auch nicht weiter

Lars Kreyenhagen kritisiert die Arbeitsweise gängiger Pitchberater und gründet deshalb eine eigene. Auf die Vorwürfe reagiert Norbert Lindhof, Chef der Pitchberatung Allerbest. Und schlägt Alternativen vor.

Text: Conrad Breyer

Norbert Lindhof glaubt: Es braucht immer noch Pitches, nur selten Workshops, vor allem aber Chemistry- und Performance-Meetings
Norbert Lindhof glaubt: Es braucht immer noch Pitches, nur selten Workshops, vor allem aber Chemistry- und Performance-Meetings

Lars Kreyenhagen, Mitgründer von Karl Anders, geht im Mai mit einer neuen Pitchberatung an den Start. The Pitch People arbeitet ausschließlich mit Workshops. Kreyenhagen kritisierte im "Kontakter" und auf W&V Online die Arbeitsweise von gängigen Pitchberatern: zu viele Pitches, zu wenig Ahnung vom Markt, inbesondere von Spezialagenturen. Norbert Lindhof, Chef der Pitchberatung Allerbest, reagiert darauf. Er hält Präsentationswettbewerbe noch immer für relevant.

 "Ignorieren Sie es! Oder am besten nicht einmal das!"

'Ignorieren Sie es! Oder am besten nicht einmal das!' So ein Tipp eines damals für mich wichtigen Kunden über die eher unseriöse Ansage eines vermeintlichen Marktkenners. An diesen Satz habe ich mich jetzt erinnert, als ich das Interview von Lars Kreyenhagen gelesen habe. Für mich ein Fragezeichen, wie jemand so vollmundig die Situation und viele Jahrzehnte – immer noch – erfolgreicher Formen der Agentursuche versucht zu deklassieren.

Klar kann man zu Pitches eine kritische Meinung haben. Klar sind nicht alle Pitches draußen erfolgreich geführt – und klar gibt es auch noch Alternativen zu dieser Form der "Partnersuche" im Agenturbereich.
Aber eines muss man festhalten: Pitches gibt es, seit es Agenturen und Kunden gibt. Und ganz, ganz viele von Kunden und Agenturen ernsthaft und seriös betriebene Pitches haben auch zu langjähriger und erfolgreicher Zusammenarbeit geführt – und tun es heute noch.

Pitches sind noch immer nötig

Ja, Pitches sind vergleichsweise zeitaufwendig und teuer. Zumal dann, wenn sie professionell angegangen werden. Egal ob durch die Marketingverantwortlichen in den Unternehmen selbst oder durch Pitchberater. Letztere haben allerdings systembedingt meist eine bessere und aktuellere Übersicht über den Markt – insbesondere den Markt der vielen, vielen Spezialanbieter.

Also sind Pitches nicht per se schlecht. Sie sind es nur dann, wenn sie halbherzig und nicht ausreichend professionell gemanagt werden. Ähnlich verhält es sich auch bei Workshops. Die sind manchmal hilfreich, meist aber zu "aufgeblasen" und theoretisch.

Workshops helfen nicht unbedingt weiter

Denken sie an die vielen selbstverliebten Workshop-Moderatoren und -Moderatorinnen. Schwer, ganz schwer findet man hier Workshop-Leiter die nicht das Klischee des "lizensierten Klugscheißers", wie ich es gern nenne, erfüllen. Leute die nicht nur mit vermeintlich professioneller Didaktik Marketingphrasen bedienen.

Viel Aufwand, viel Zeit, viel Wortakrobatik und wenig Anfassbares. Von wenigen Ausnahmen abgesehen. Während man Pitches vorwirft, meist in einer realitätsfernen Situation abzulaufen, sind Workshops der künstliche Nährboden nicht annähernd realitätsorientierter Lösungen.

Eine Alternative sind Performance- und Chemistry-Meetings

Aber gibt es überhaupt einen besseren Weg als die beiden genannten Formate. Ja, vor einigen Jahren haben wir als Alternative zu teuren Pitches und zeitfressenden Workshops den von uns so genannten "Performance- und Chemistry-Prozess" eingeführt. Wesentlich schneller, wesentlich preiswerter und weniger künstlich als Pitches. Weniger theoretisch und labor-klischeehaftig als Workshops, die ja auch ordentlich Arbeitszeit verschlingen.

Bei den "Performance- und Chemistry-Meetings" erhalten Auftraggeber oder Mandanten - wie wir sie nennen - nicht nur einen sehr guten und professionellen Überblick über Arbeits- und Herangehensweise verschiedener Agenturen, sondern können sich darüber hinaus auch gleich einen Eindruck davon machen, ob man eben genau mit diesen Leuten (auf Agentur- und/oder Kundenseite) zusammenarbeiten möchte.

Ökonomisch den Pitches und Workshops meilenweit überlegen. Zirka 30 bis 60 Prozent preisgünstiger und 100 Prozent realitätsorientiert und darüber hinaus nach meist sehr kurzer Vorlaufzeit praktisch umsetzbar.
Agenturen werden anders als beim Pitch nicht gezwungen, in aufwändige Präsentationen zu investieren und Unternehmen müssen nicht Sonderhonorare zahlen oder sich Tage in und mit Workshops herumschlagen.

Fazit: Mehr Grau als Schwarz-Weiß

Pitches sind auch heute noch in vielen Fällen sinnvoll. Workshops können helfen. Performance- und Chemistry-Meetings sind eine richtig gute Alternative. Und das gilt sowohl für die Suche nach einer großen, klassischen Agentur wie auch für die handverlesene Auswahl von Spezialanbietern.

Über den Autoren: Norbert Lindhof ist Geschäftsführer der Pitchberatung Allerbest, Hamburg


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.