Agenturkultur :
So arbeitet es sich bei ... Weber Shandwick

Das internationale Netzwerk macht's möglich: Weber Shandwick schickt die Mitarbeiter gerne zum Austausch in Büros nach Shanghai oder New York. So sieht es in Deutschland aus.

Text: Anja Janotta

Stefanie Zeidler und Carla Engelhardt von Weber Shandwick.
Stefanie Zeidler und Carla Engelhardt von Weber Shandwick.

Auch vor Weber Shandwick macht das Recruitingproblem der Branche nicht halt. Über anderthalb Jahre hat die Agentur schon mal auf einen idealen Kandidaten gewartet, der alles nötige Expertenwissen mitbringt. Stefanie Zeidler (HR Manager) und Carla Engelhardt (HR Manager Healthcare Germany) sind Fans von ausgewogener Work-Life-Balance. Nummer 41 der Agenturporträts.

Was machen Sie, um genau gute Leute zu finden?
Unser größtes Wachstumspotenzial liegt im Bereich Healthcare, wo wir vor allem nach Rx-Experten suchen, die unser Team unterstützen. Der Markt an erfahrenden Kandidaten ist jedoch sehr klein und wir suchen Kollegen sowohl für unsere national als auch für unsere international tätigen Kunden. Wenn zur Healthcare-Expertise noch Englischkenntnisse auf Native-Speaker-Niveau hinzukommen sollen, sucht man schnell die Nadel im Heuhaufen. Eine weitere Herausforderung sind stark digital ausgerichtete Stellen.

Uns ist es aber viel wichtiger, dass die Leute kulturell zu uns passen, als dass wir einfach eine Stelle schnell besetzen, nur weil die Qualifikationen stimmen. So haben wir eine offene Position schon mal über 1,5 Jahre nicht besetzt und in der Zwischenzeit mit Freelancern gearbeitet, bis wir den passenden Kandidaten gefunden hatten. In der Regel können wir offene Stellen jedoch innerhalb von 3 Monaten besetzen.

Für uns ist das Human Ressource Management ein strategischer Erfolgsfaktor und daher sehen wir das Thema ganzheitlich. Beim Recruiting liegt unser Fokus auf Active Sourcing und Mitarbeiterempfehlungsprogrammen. Es gehören jedoch auch alle anderen Employer Branding Maßnahmen dazu, wie zum Beispiel Hochschulmarketing oder unser Engagement bei MentorMe.

Austausch unter Kollegen.

Haben Sie ein Patentrezept für die Bildung einer starken Arbeitgebermarke gefunden?

Das Wichtigste ist die Kultur unseres Unternehmens. Sie ist die Grundlage für unseren Erfolg und übrigens nicht kopierbar. Wir sind sehr authentisch und das spiegelt sich u.a. auch in Kununu wieder. Kickertische, Chill-out-Area etc. sind bestimmt toll, das alles hilft jedoch nicht, wenn das vermittelte Bild nicht mit dem Alltag übereinstimmt.

Wir kommunizieren klar, wer wir sind und wer zu uns passt. Das schätzen die Kandidaten. Wir sind so konkret wie möglich und benutzen keine Plattitüden á la "angenehme Arbeitsatmosphäre".

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu
a, Home-Office

Ja. In Absprache mit dem Team und Vorgesetzten kann das Arbeiten auf diese Weise individuell und flexibel gestaltet werden. Viele unserer Mitarbeiter nutzen dieses Angebot regelmäßig. Kommunikation und klare Absprachen sind hier die Basis für eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre.

b, Sabbaticals

Wer gerne eine Auszeit möchte, kann ab dem zweiten Jahr der Betriebszugehörigkeit einen längeren unbezahlten Urlaub nehmen – diese Auszeit ist mit einer Länge von bis zu 6 Monaten möglich.

c, flexible jährliche Urlaubszeiten

Die Anzahl der Urlaubstage ist für all unsere Mitarbeiter mit 28 Tagen gleich. Wir unterscheiden nicht nach Level, Fachbereich oder Dauer der Zugehörigkeit. Der Urlaub kann in der Regel nach Bedarf oder Wunsch genommen werden. Natürlich muss sich im Team abgestimmt werden, um Engpässe zu vermeiden, aber in der Regel wird kein Urlaubsantrag abgelehnt.

d, flexible Arbeitszeiten

Wir nutzen keine Stechuhren. Unsere Arbeitszeiten sind flexibel gestaltbar: Wir haben Vertrauensarbeitszeit und auch Teilzeitregelungen gehören bei uns zur Normalität. Eine gesunde Work-Life-Balance hat für uns einen hohen Stellenwert. Das wird auch durch unsere Führungskräfte vorgelebt.

e, Job-Tausch mit anderen Niederlassungen bzw. Partner-Unternehmen

Der Austausch sowohl zwischen den Standorten als auch im globalen Umfeld ist uns sehr wichtig und auch notwendig. Als internationale Netzwerkagentur sind wir auf einen engen Austausch mit den Kollegen angewiesen und fördern die Möglichkeit, an andere Standorte zu reisen und mit den Kollegen gemeinsam arbeiten zu können.

Jedes Jahr verbringen ausgewählte Mitarbeiter einige Zeit bei unseren Kollegen im Ausland, in den vergangenen Jahren beispielsweise in New York, Manchester, London, Shanghai oder auch Singapur. Natürlich kommen auch Kollegen aus dem Ausland zu uns, was uns immer sehr inspiriert.

Darüber hinaus kooperieren wir mit der NYU (New York University). In diesem Rahmen hießen wir diesen Sommer für zwei Monate ein paar amerikanische Studenten in Berlin willkommen, die normalerweise während ihres Studiums unsere Kollegen in NYC unterstützen.
Unsere Trainees verbringen im Rahmen ihrer Ausbildung eine Zeit in einer IPG Partneragentur, um hier ihr kommunikatives Know-how und den Horizont für Arbeitsgebiete zu erweitern. Netzwerken ist also ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit, den wir stets versuchen zu fördern.

f, Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?

"Engaging always." ist nicht nur unser Claim. Es ist das, was uns leitet. Das gilt auch für Herzensprojekte unserer Mitarbeiter. Die fördern wir gern. Eine Kollegin, die an einem unserer Standorte das Office Management verantwortet, hat einen eigenen Food Blog, der im Netz sehr beliebt ist. Das ist großartig.

Eine andere arbeitet neben ihrem Job bei uns auf der Intensivstation im Krankenhaus – sie ist bei uns im Healthcare Team und wollte ein besseres Gefühl dafür bekommen, was für Ärzte und Patienten wichtig ist. Das finden wir super und unterstützen sie dabei.

g, bezahlten Überstunden?

Für den Umgang mit Überstunden haben wir die Vertrauensarbeitszeit und flexible Arbeitszeiten eingeführt. Überstunden sind eigenverantwortlich und zeitnah durch einen Freizeitausgleich abzubauen oder am besten gar nicht erst groß anzusammeln. Das verdeutlicht einmal mehr unsere Einstellung zu einer gesunden Work-Life-Balance.

Wir wollen nicht dem Mythos entsprechen, ein Job in einer Agentur ließe keinen Platz für ein Privatleben.

Gemeinsame Aktivitäten.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für Mitarbeiter?

Wer das braucht, um Mitarbeiter für sich zu gewinnen, der hat schon verloren. Klar gibt es bei uns z.B. auch eine Dart-Scheibe, einen Agentur-Kiosk oder Fatboy-Chill-Ecken. Wichtig ist uns aber vor allem die Gesundheit unserer Mitarbeiter: Getränke sind frei und Obst gibt es auch, wir haben ergonomische, höhenverstellbare Schreibtische und bieten Mitarbeiterrabatte in Onlineshops an, die auch in der Freizeit genutzt werden können. Wer ein Firmenjubiläum (5-, 10-, 15-jähriges usw.) feiert, bekommt zwei zusätzliche freie Tage und 1000 Euro.

Was jedoch unsere Kultur prägt, sind gemeinsame Aktivitäten – ob zum Beispiel zur Halloween-Party mit den Kollegen im eigenen Büro oder beim standortübergreifenden All Agency Event für uns alle als ein großes Team.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Wir haben regelmäßige Mitarbeiterbefragungen und eine interne Evaluationsplattform zur Bewertung von Trainings, Seminaren oder anderen Veranstaltungen. Auch Kununu nehmen wir als Plattform für Feedback sehr ernst. Wir haben an jedem Standort "Employee Experience Botschafter", die Impulse von den Kollegen einbringen, was wir besser machen können.

Wie hoch ist bei Ihnen die Frauenquote?

70 Prozent unserer Mitarbeiter sind weiblich und mit Christiane Schulz (CEO) haben wir in Deutschland eine Frau an der Spitze. Wir haben das interne "Women in Charge" Programm, um weibliche Führungskräfte zu fördern. Gleichzeitig engagieren wir uns bei der NGO MentorMe, um in Deutschland einen Beitrag zur Förderung von jungen Frauen in ihrer Karriere zu leisten.

Wie hoch die Quote der Mitarbeiter über 45? Und unter 25?

10,33 Prozent unserer Mitarbeiter sind unter 25 Jahre alt. Die Quote der über 45-Jährigen liegt bei 17,3 Prozent. Absoluter Schwerpunkt liegt bei den 25-45-Jährigen mit 72,28 Prozent.

Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt?

Im Schnitt sind unsere Mitarbeiter sechs Jahre bei uns. Das liegt nach unseren Informationen über dem Durchschnitt in Deutschland und bestätigt uns, dass wir eine tolle Arbeitsatmosphäre bieten. Dieses Jahr hatte eine Mitarbeiterin sogar ihr 30-jähriges Firmenjubiläum! Eine unvorstellbar lange Zeit für manche unserer jüngeren Kollegen.

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie steht Ihre Agentur zu dem Thema?

Wir befürworten, dass unsere Mitarbeiter ihre Schreibtische individuell gestalten, um ihrem Arbeitsplatz eine persönliche Note zu verleihen. Nichtsdestotrotz ist eine Clean Desk Policy ein Muss, da wir mit vertraulichen Dokumenten arbeiten. Das eine schließt jedoch das andere nicht aus.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?

Unsere Trainee- und Praktikantengehälter sind transparent und allen bekannt, ebenso verhält es sich mit dem Startgehalt der Mitarbeiter bei einer Übernahme nach dem Traineeship. Darüber hinaus geben wir eine Orientierung entsprechend der GPRA-Gehaltsbandbreiten, weitere Details werden jedoch nicht offengelegt.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?

Das Einstiegsgehalt für Junioren bzw. auch im Anschluss an ein absolviertes Traineeprogramm liegt bei 2800 Euro brutto monatlich.

Mehr Agenturporträts, u.a. von Jung von Matt, Scholz & Friends und Serviceplan finden Sie in unserem Dossier Arbeitswelt Agenturen.

Mehr zum Thema Gehalt in Agenturen in unserem Dossier Gehalts-Check

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Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.