Die Agentur North hatte sich im Pitch mit der Aussage durchgesetzt, dass es für einen Grafiker schlicht unmöglich sei, die Wortmarke von damals besser machen zu können.

Comeback: Das britische Coop-Logo aus den 60ern ist wieder da.

Natürlich unterliegt die Beurteilung von Markendesign der Zeit, aber gibt es grafische Symbole, die zeitlos sind und es wert sind, erhalten oder wiederentdeckt zu werden. Eine Attitüde der Designer ist häufig, etwas nur um der Veränderung willen ändern zu wollen. Tatsächlich sieht das neue alte Coop-Logo aus, als stammte es aus unserer Zeit. Das nennt man dann zeitlos.

Und was haben beide Themen nun miteinander zu tun? Tatsächlich gestaltete Kurt Weidemann ebenfalls in den 60er Jahren das Logo der deutschen Coop-Supermärkte:

Deutsches Coop-Logo von Kurt Weidemann.

Ich war immer schon irritiert, dass es in verschiedenen Ländern Supermärkte gibt, die Coop heißen, aber unterschiedlich aussehen. Die Coop-Märkte in Großbritannien und in Deutschland haben – außer ihrer genossenschaftlichen Eigentümerstruktur – nichts miteinander zu tun. Außer eben, dass sie als Logo die gleiche Anordnung nahezu identischer Buchstaben zu einem Kleeblatt verwenden. Während für die Gestaltung des "deutschen" Logos also Kurt Weidemann verantwortlich war, wird die Urheberschaft des "englischen" Logos einer Designstudentin zugeschrieben, die für ihre Arbeit leider keine Vergütung erhalten hat.

Ich versuche mir vorzustellen, wie das damals war: Wie konnte gleichzeitig ein derart ähnliches Design entstehen? Vielleicht war es einfach naheliegend, die vier Buchstaben als Kleeblatt-Form anzuordnen. Und vielleicht ist es tatsächlich einfach parallel entstanden. Heute würde man sofort ein Plagiat unterstellen: Die Veröffentlichung im Internet macht es uns vermeintlich leicht nachzuverfolgen, wer mit seinem Entwurf "früher dran" war. Alles ist sofort verfügbar und prüfbar und entsprechend schnell kann behauptet werden, dass eine Arbeit nicht originär sei. Es wird immer schwieriger, eigenständiges Design zu entwickeln – und auch wenn man weiß, dass man es selbst entwickelt hat, kann man trotzdem nicht sicher sein, dass es nicht schon irgendwo existiert. Bei den hier zitierten Coop-Logos hat es anscheinend fünfzig Jahre gedauert, bis es aufgefallen ist.

Amüsant ist übrigens ein kleiner Filmschnipsel, man auf Youtube findet: Kurt Weidemann erklärt hier, dass die vier Buchstaben im Wort Coop eigentlich asozial sind, weil die Buchstabenformen rund und in sich geschlossen seien. Er behauptet, dass sie damit für sich genommen Egoisten seien – ganz entgegen der eigentlichen Bedeutung des Wortes. Buchstabenzeichen wegen ihrer Geschlossenheit als asozial zu bezeichnen, lässt mich als Gestalter natürlich schmunzeln und bringt zugleich die Unangepasstheit von Kurt Weidemann auf den Punkt.

Der Autor: Norbert Möller ist seit 2003 Executive Creative Director der Peter Schmidt Group und leitet deren Corporate Design Team am Standort Hamburg. Zu den von ihm betreuten Marken und Unternehmen zählen unter anderem Linde, Henkel, Kühne+Nagel, die Postbank, REWE, die Stadt Hamburg und das Goethe Institut. Möller studierte Visuelle Kommunikation an der HfBK Braunschweig und arbeitet seit 1992 bei der Peter Schmidt Group, darunter von 1999 bis 2003 als Geschäftsführer.



Autor: Norbert Möller

Unser Design-Kolumnist Norbert Möller ist seit 2003 Executive Creative Director der Peter Schmidt Group und leitet deren Corporate Design Team am Standort Hamburg. Er studierte Visuelle Kommunikation an der HfBK Braunschweig und arbeitet seit 1992 bei der Peter Schmidt Group, darunter von 1999 bis 2003 als Geschäftsführer.