Ein weiteres Beispiel sind viele Tasten, Knöpfe und Bedien-Elemente, die durch Smart-Building-Funktionen oder in Fahrzeugen per Sprachsteuerung wegfallen können und damit Viren-Übertragungswege reduzieren. "Sprechen statt anfassen" wird sicherlich an vielen Stellen ein neuer UI-Grundsatz in Entwicklungsabteilungen sein. So zeigt die Deutsche Telekom gerade in einer aktuellen Design-Ausstellung, wie sich neue Technologien auf die Interaktion mit Geräten und Funktionen auswirken. Monica Dalla Riva, Vice President Customer Experience & Design, Deutsche Telekom, ist überzeugt, dass 'voice-enabled services das Leben der Kunden deutlich verbessern können'.

Hilfe bei der Covid19-Indentifikation

Ebenso wird sich die Frage stellen, ob nach Touch-ID und Gesichtserkennung, die mit Maske kaum mehr funktioniert, die Stimmerkennung nicht stärker an Bedeutung gewinnt. Hier wird ohnehin engagiert geforscht und gerade Erkältungskrankheiten lassen sich über ein Stimmprofil oft schon verblüffend gut erkennen. Ein Projekt der Carnegie Mellon Universität sucht aktuell "Stimm-Spenden", um auf Basis von Sprachmustern Covid19-Infektionen erkennen zu können. Ein ähnliches Projekt der Universität von Cambridge sammelt schon Stimmproben via App.

Aber auch beim Einkaufen gewinnt das Thema neue Relevanz. So hat sich Walmart mit Apples Siri über Walmart Voice Order verknüpft, um den Kunden leichter und per Stimmbefehl Lebensmittel in virtuelle Einkaufswagen legen zu lassen, die dann ausgeliefert werden können. Die Option wurde noch im Dezember vor der Pandemie gestartet, hat sich aber in den letzten Monaten bewährt. Das erklärt, warum man eine vergleichbare Voice-Technologie nun mit Flipkart auch bei der indischen Walmart-Tochter in großem Stil eingesetzt wird. Indien ist nicht nur stark von der Pandemie betroffen, sondern auf Grund von Bildungsgraden und Infrastruktur auch einer der spannendsten Voice-Technologie-Länder der Erde. 

Wie mächtig der Einfluss des Voice-Trends insbesondere auf jüngere User ist, zeigt der ganz aktuelle Schritt von Snapchat. Das wahrscheinlich visuellste soziale Medium hat gerade die Sprachsteuerung für eine seiner Killer-Funktionen "Lenses" announced. Jetzt kann man seine Haare auf Sprachbefehl pink färben.

Corona könnte also auch ein Tipping-Point-Ereignis für Sprachtechnologien geworden sein, ohne dass wir es bisher so deutlich vernommen haben. Noch sprechen sie offenbar nicht laut genug für sich selbst.



Autor: W&V Gastautor

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