Produzentenallianz :
Werbefilmer gehen in die Offensive:"Es muss eine andere Wertschätzung her"

Aufwind bei der Sektion Werbung in der Produzentenallianz: acht Werbefilmproduktionen treten neu dem Verband bei. Mit Workshops für Kunden wie Kreative, einem neu installierten Projektmanager und einem runderneuerten Deutschen Werbefilmpreis geht die Sektion in die Offensive.

Text: Peter Hammer

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"Werbefilmer werden von den Kunden wie den Agenturen nicht mehr wie Partner, sondern wie austauschbare Dienstleister behandelt", sagt Tony Petersen, Inhaber der gleichnamigen Hamburger Produktion. Mehr denn je entscheide der Preis. Qualität spiele nicht mehr die entscheidende Rolle. Ein Einschätzung, die viele von Petersens Kollegen teilen. Folgen: Werbefilmproduktionen kämpfen mit der Rentabilität ihres Geschäfts und sehen sich gezwungen zu diversifizieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Mit mal mehr, mal weniger großem Erfolg. Und: die Qualität der Filme leidet, was sich nicht nur bei in den Ergebnissen deutscher Arbeiten bei internationalen Wettbewerben zeigt. Kurz: Die Stimmung in der Branche ist mies.

"Es muss eine andere Wahrnehmung und Wertschätzung bei allen Beteiligten her", fordert daher Petersen, der seit zwei Monaten für die Sektion Werbung spricht. Und stößt damit auf offene Ohren. Gleich acht neue Mitglieder holte er an Bord: Radical Media Berlin, Czar Film Hamburg/Berlin, Stink Berlin, Cobblestone Hamburg, e + p Hamburg, Gehrisch + Krack in Frankfurt, Zeitsprung in Köln und die neu aufgestellte Vogelsänger Film aus Düsseldorf.

So gestärkt geht die Sektion 2013 in die Offensive:mit Workshops für Kunden wie Kreative aus den Agenturen und einem runderneuerten Deutschen Werbefilmpreis (DWP). 2012 setzt der Wettbewerb aus. Viele dachten damals, der im vergangenen Jahr erstmalig inszenierte Reklamefilmpreis sei die Nachfolgeveranstaltung. Doch hat der eine mit dem anderen nichts zu tun.

Dieses Jahr wird es den Deutschen Werbefilmpreis auf jeden Fall wieder geben. Im Spätherbst. Der Ort ist noch offen, doch die Konzeption scheint klar zu sein. Laut Petersen wird es eine "qualtiative Neuausrichtung" geben. Man denkt daran, das Academy-Modell einzuführen. Dann würde eine etwa 25-köpfig Jury die besten Bewegtbildarbeiten im Markt beurteilen und auszeichnen - bezogen auf alle involvierten Gewerke. Auf Einsendegebühren soll verzichtet werden. Denkbar, dass die Arbeiten auf eine offene Webplattform gestellt werden können. 

Welche Folgen das auf die für 2014 angekündigte Fusion des Deutschen Werbefilmpreises mit dem Spotlight-Festival hat, ist derzeit nicht absehbar. Aber der avisierte Zeitpunkt dürfte damit erst mal vom Tisch sein.

Ebenfalls auf der Agenda: Gespräche mit anderen Fachverbänden wie GWA, OWM und ZAW - um das Standing von Bewegtbildkommunikation zu verbessern. Schließlich, so Petersen, müssten alle an einem Strang ziehen, um die gewünschte Qualitität zu ermöglichen. Um die vielen Aufgaben überhaupt wuppen zu können, holt sich die Sektion personelle Verstärkung in Haus. Ab Mai wird es einen "Projektleiter" geben, der als Schnittstelle zwischen Mitgliedern, Vorstand und Geschäftsführung der Produzentenallianz fungiert und die Themen vorantreibt.

Eines der wichtigen Themen dürfte hier die Verwertungsgesellschaft für den Bereich Bewegtbild sein. Die TWF (Treuhandgesellschft Werbefilm) spült mittlerweile nicht nur den Produktionen sondern auch der Sektion Geld in die Kassen.

Im Frühsommer 2010 hatte sich der Verband Deutscher Werbefilmproduktionen (VDW) in die Produzentenallianz integriert. Vorausgegangen waren Austritte etlicher teils großer Werbefilmhäuser. In den Folgemonaten verbesserte sich die Situation nicht. Vielmehr kehrten weitere Mitglieder der jetzigen Sektion den Rücken. Auch weil die Beitragsstrukturen der Produzentenallianz die Werbefilmer finanziell über Gebühr belasteten und die dafür gewährten Leistungen  eher übersichtlich waren. Jetzt sollen die Sätze neu diskutiert werden.


7 Kommentare

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Anonymous User 1. April 2013

Super Ansatz!! Ganz toll!!! Endlich!! Und denkt auch bitte daran das ihr eure Regisseure ebenfalls nach der Qualität ihrer Arbeiten aussucht und nicht nur nach neu und egal wie aber Hauptsache billig und unbekannt und kurzfristig hipp. Wenn man mit denen nämlich richtig eng zusammen arbeitet und ein Vertrauensverhältnis aufbaut kann man das Productionvalue nämlich auch enorm erhöhen und extrem coole Filme ohne schwitzen und Kohle aus dem Fenster werfen produzieren. Liebe Grüße und wirklich cool. tomwom

Anonymous User 28. März 2013

Und schon jammern sie wieder alle. Das haben zuletzt die Fotografen und davor die Tonstudios getan. Genützt hat es nichts. Fakt ist nun mal, dass man mit heutiger Technik zu vollkommen anderen Konditionen produzieren kann. Einen AVID für 80.000 Euro gibt es nicht mehr - die Software läuft auf jedem Standardrechner. Digitale Kameras auf Hollywood-Niveau kosten ein 10tel von dem, was Kameras vor ein paar Jahren gekostet haben. Statt sich an alte Preisniveaus zu klammern und damit unterzugehen, kann man ja auch positiv damit umgehen und das Beste daraus machen. Immerhin ermöglicht die neue Technik auch, Ideen umzusetzen, die man vorher nicht nicht umgesetzt hätte. Da müssen allerdings die Agenturen auch noch umlernen. Als Produktion, die ständig bemüht ist, diese Trends positiv zu nutzen, hören wir von Agenturen immer wieder "wir würden ja gerne, aber das scheint uns zu billig" oder werden darum gebeten mal 20.000 Euro on top zu kalkulieren "weil der Kunde das sonst nicht glaubt". Schon jetzt zeigt sich aber, dass der entsprechende Druck oft von den Kunden kommt. Die scheinen oft besser informiert zu sein, als die Agenturen und nicht selten fragen diese mittlerweile die Produktionen direkt an.

Anonymous User 28. März 2013

Liebe Werbefilmproduktionen,
warum geht IHR nicht mit gutem Beispiel voran und behandelt Eure Freelancer und Dienstleister besser und menschlicher?? Ich finde den direkten Umgang mit fast jeder Werbeagentur angenehmer!

Anonymous User 28. März 2013

Das Problem ist auch in meiner Branche unerträglich geworden. Ich arbeite seit über 20 Jahren als Fotoproduzentin und verdiene, wenn ich mal alle Sparmaßnahmen einkalkuliere (keine Assistenten mehr, höhere Aufnahmezahlen pro Tag, Honorar-Dumping, längere Arbeitstage etc etc) gerade mal noch ein Viertel!!!!!! Den "Machern", wie ich sie ironisch nennen möchte, geht es schon lange nicht mehr um die Qualität und schon gar nicht mehr darum, ob erfahrene Fachkräfte gute Qualität abliefern! Es geht nur noch um Schnäppchen! Billig billig billig.....keine Wertschätzung mehr...und es steht jeden Morgen irgendwo einer/einer auf der Matte, der/die es noch günstiger macht und die Honorare ins Bodenlose drückt, das Niveau gleich mit! Schade nur, dass "meine" Branche nicht einmal fähig ist, eine IG zu gründen. Dafür beneide ich euch und eure Initiative nach außen!

Anonymous User 28. März 2013

Man kann es nicht oft genug sagen: Gibt es bei euch in der Online-Redaktionen keinen, der sich seinen Artikel ein zweites Mal durchliest? Es ist beschämend, dass so viele Rechtschreibfehler IN NAHEZU JEDEM Artikel zu finden sind...
"Dielstleister", "dmaals", etc...

Anonymous User 27. März 2013

Willkommen im Club! Austauschbare Dienstleister...sind wir Werbeagenturen schon lange. Da die Werbetreibenden jetzt auch Kameras bedienen können, kommt der Zustand ja nicht von ungefähr. Die Vielzahl an Freelancer werden diesen Prozess noch weiter treiben. Die Filmproduktionsfirmen sollten sich sich schon mal warm anziehen. Mit oder ohne Verband oder Verbund.

Anonymous User 27. März 2013

Willkommen im Club! Austauschbare Dienstleister...sind wir Werbeagenturen schon lange. Da die Werbetreibenden jetzt auch Kameras bedienen können, kommt der Zustand ja nicht von ungefähr. Die Vielzahl an Freelancer werden diesen Prozess noch weiter treiben. Die Filmproduktionsfirmen sollten sich sich schon mal warm anziehen. Mit oder ohne Verband oder Verbund.

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