PR-Coup von Brewdog :
Wie eine Craft-Bier-Marke Trumps Mauer boykottiert

Die schottische Brauerei Brewdog will auf der Grenze zwischen den USA und Mexiko eine Bar aufstellen. Der Plan sichert der Craft-Bier-Marke Aufmerksamkeit.

Text: Susanne Herrmann

Die "Bar on the Edge" von Brewdog plädiert für Bier statt Mauern.
Die "Bar on the Edge" von Brewdog plädiert für Bier statt Mauern.

Ein paar Container, direkt auf der Grenzlinie zwischen den USA und Mexiko: So stellt sich Brewdog die perfekte Bar vor. Denn: "The Bar on the Edge" würde nicht nur den Mexikanern US-Bier und den Texanern mexikanische Sorten verkaufen, sondern auch den Mauerbau erschweren, den sich US-Präsident Donald Trump so sehr wünscht.

Immerhin: Den Grenzverlauf mitten durch die Bar-Container würde Brewdog aufzeichnen, damit ganz klar ist, wer sich wo mit seinem Bier hinsetzen darf. Eine Begegnungsstätte soll "The Bar on the Edge" trotzdem werden: für Craft-Bier-Fans von beiden Seiten der Grenze. Brewdog-Mitgründer James Watt: "Bier war immer ein einender Faktor zwischen den Kulturen." Außerdem sei Bier eine Art "universelle Sprache".

Der Verdacht liegt nahe, dass die grenzüberschreitende Bar eher ein gut gemachter PR-Gag ist als tatsächlich ein konkreter Plan. Selbst wenn Watt beteuert: "Wir werden die offizielle Genehmigung bei den lokalen Behörden beantragen." Er schiebt aber direkt nach: "Ich gehe davon aus, dass es schwieriger würde, eine Mauer zu bauen, wenn eine Brewdog-bar im Weg steht. Wir wollen die Bar aber auf jeden Fall dort irgendwo hinstellen, bis uns jemand dazu auffordert, sie zu verlegen."

Den genauen Ort gab Brewdog nicht bekannt - irgendwo an der Grenze zwischen Texas und Chihuahua - das ist mit knapp 500 Kilometern der längste Abschnitt der Grenzlinie zwischen den USA und Mexiko, die insgesamt mehr als 3100 Kilometer lang ist.

Brewdog ist bekannt dafür, sein Marketing an politischen Themen auszurichten. So versprach die Marke zum Beispiel in Großbritannien, anlässlich der Neuwahlen Freibier an die Wähler zu verteilen. Mithilfe eines Selfies, das sie bei der Stimmabgabe zeigt, konnten sie sich in einer der Brewdog-Bars ihr "Punk IPA"-Bier abholen.

Und auch Trumps Mauer zu Mexiko inspirierte schon Werber: Das mexikanische Corona widmete Trump schon im Wahlkampf einen Mauer-Spot, die Marke Tecate Light, ebenfalls eine Brauerei, schlug dem neugewählten Präsidenten eine Bier-Mauer vor. Die Jeansmarke Diesel plädierte für "Make Love, Not Wall" - ähnlich wie nun Brewdog mit "Make Beer Not Walls".


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.