Interview mit Johannes Milla :
Wie Milla & Partner die Endlosgeschichte Einheitsdenkmal erlebt

2011 gewann die Stuttgarter Agentur Milla & Partner den Wettbewerb für das Einheitsdenkmal. Jetzt, sechs Jahre später, kann es endlich losgehen. Gespräch mit Agenturchef Johannes Milla über Hoffnung und Politik.

Text: Peter Hammer

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Sebastian Letz und Johannes Milla hatten die Idee für die "Waage" (v.l.)
Sebastian Letz und Johannes Milla hatten die Idee für die "Waage" (v.l.)

Im November 2008 beschloss das Plenum des Deutschen Bundestags, in Gedenken an die Ereignisse von 1989 ein "Nationales Denkmal der Freiheit und Einheit Deutschlands" zu errichten. In Berlin. Genauer gesagt gegenüber dem Humboldtforum, der Rekonstruktion des Berliner Schlosses. Es folgten zwei Wettbewerbe mit insgesamt etwa 900 Teilnehmern.

Gewonnen hat 2011 der Entwurf des Stuttgarter Büros für Kommunikation im Raum Milla & Partner. Die Idee stammt von Johannes Milla (Creative Direction) und Sebastian Letz (Architektur). Doch dann passierte viele Jahre lang nichts. Bis es vor drei Tagen endlich grünes Licht für "Bürger in Bewegung" gab, so der Titel der "Waage". Gespräch mit Johannes Milla über Hoffnung und Politik. 

Copyright: Milla & Partner

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Herr Milla, haben Sie überhaupt noch daran geglaubt, dass das Denkmal realisiert wird?

Es war eine schwierige Situation. Im April 2016 wurden dem Haushaltausschuss des Deutschen Bundestages tendenziös frisierte Zahlen vorgelegt, die diesem eine Kostensteigerung von 10 auf 14,5 Millionen Euro suggerierten. Daraufhin stoppte der Haushaltsausschuss den Etat. Es waren die ehemaligen Bürgerrechtler Günter Nooke, Günther Jeschonnek und  Wolfgang Thierse (Bundestagspräsident a.D.), die sich nicht mit dieser Entscheidung abfanden und dagegen vorgingen.

Weshalb die lange Verzögerung?

Das ist eine lange Geschichte. Daher nur ein Satz: So ist das in der Politik.

Erfuhren Sie es aus der Presse oder waren Sie früher informiert?

Der Zeitpunkt des Beschlusses hat uns und die Presse gleichmaßen überrascht. Eine positive Tendenz war allerdings schon deutlich: Nach einem Expertengespräch im Kulturausschuss am 25. Janaur, bei dem alle anwesenden Historiker und Kunstexperten sich für ein Denkmal und unseren Entwurf aussprachen, war ein positiver Trend deutlich. Ausschlaggebend war sicherlich das Plädoyer des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert im Rahmen seiner großen Rede vergangenen Sonntag vor der Bundesversammlung, die sich zur Wahl des Bundespräsidenten trafen: Er setzte sich sehr klar für das Denkmal ein.

Nach der langen Zeit: Ist die Planung noch aktuell? Was heißt das für Sie?

Die Planung meines Partners Sebastian Letz ist so detailliert wie weiterhin aktuell: Wir haben seit Herbst 2015 eine Baugenehmigung. Damit ist das Projekt baureif, und wir können und wollen es genau so realisieren.

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Wie sieht es von der finanziellen Seite aus? Muss nachkalkuliert werden?

Nein.
 
Bis wann, denken Sie, wird die Waage nun tatsächlich realisiert?

Wenn die Behörden und Institutionen von Bund und Land Berlin zügig mitmachen, steht einer Fertigstellung zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2019 nichts mehr im Wege.

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