Anna Schroth und Lavinia Haane :
Young Lions in Cannes: "Wer schläft, verliert"

Die Young Lions Anna Schroth und Lavinia Haane von Hotwire PR waren zum ersten Mal in Cannes. Für W&V berichten sie über ihre Eindrücke. Eine Erkenntnis: Twitter ist tot. 

Text: W&V Redaktion

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Lavinia Haane (links) und Anna Schroth von Hotwire PR genießen ihr Abenteuer in Cannes.
Lavinia Haane (links) und Anna Schroth von Hotwire PR genießen ihr Abenteuer in Cannes.

Die Cannes Lions umweht eine Aura von gekühltem Rosé, die man nur riechen kann, wenn man die Nase hoch genug trägt. Die meiste Zeit sitzt man in pompösen Strandclubs und feiert sich selbst. Soweit jedenfalls die Vorurteile über das wohl wichtigste Event der Werbebranche, die natürlich auch vor uns Cannes-Neulinge nicht Halt gemacht haben. Die ersten Tage als Young Lions in Cannes räumten allerdings direkt damit auf: Es herrschte Schlafmangel – und das nicht etwa wegen durchfeierter Nächte, sondern aus Zeitdruck. Denn im Young Lions-Wettbewerb geht es darum, innerhalb von gut 24 Stunden eine Kampagne zu erarbeiten, mit der man den goldenen Löwen holt. Wer schläft, verliert.

Im deutschen Vorentscheid in Hamburg hatten wir uns gegen vier andere Teams durchgesetzt. Jetzt waren es 24 Teams der besten jungen PR-Talente ihrer Länder, allesamt auf Löwenjagd. Die Rahmenbedingungen sind in allen Disziplinen gleich: ein Briefing, der Kunde immer eine Charity-Organisation und 24 Stunden Zeit für die Ausarbeitung mit anschließender Präsentation. Das Briefing in unsere Kategorie (PR) kam vom Britischen Roten Kreuz und verlangte eine Awareness-Kampagne für sogenannte "Silent Emergencies" am Beispiel der Region um den Tschad-See. Gold ging am Ende an das Team Ungarn, die mit einer sehr starken Kampagne, viel lokalem Bezug und Virtual Reality überzeugen konnten. 

Mehr als Rosé-Brille: Echte Inspiration im Palais

Nach zwei Tagen in der "Competition Area" im Keller des Palais krabbelten wir endlich doch an die Sonne und an den Strand. Für manchen Festivalbesucher steht der Strand vielleicht an erster Stelle, doch so entgehen einem die eigentlichen Perlen von Cannes: die Sessions und Vorträge im Palais. Inspiration ist hier keine leere Worthülse, wie wir immer wieder erleben durften.

Ein paar Auszüge:

Diversity ist eines der großen Themen in Cannes – natürlich verbunden mit Markenpositionierung. Adrien Koskas (L’Oréal Paris, UK und Irland) fordert noch mehr Engagement von Marken. Er sieht sie in der Pflicht, in ihrer Kommunikation auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen und dabei zu helfen, die Welt besser zu machen. L’Oréal selbst geht mit der „All Worth-it“-Kampagne mit gutem Beispiel voran: Sie macht auf Selbstzweifel aufmerksam, die oft insbesondere Mädchen quälen. Bei der Session mit L’Oréal war auch Dame Helen Mirren als eines der Gesichter der Kampagne mit auf der Bühne und sprach sehr emotional über ihre Motivation, die Kampagne zu unterstützen.

Dame Helen Mirren auf der Bühne in Cannes.

Dame Helen Mirren auf der Bühne in Cannes.

Kreativität braucht Raum, zu strenge Brand Guidelines sind da fehl am Platz. Dieser Meinung ist Paul Gaudio von Adidas. Er ist überzeugt davon, dass Marken sich mit strengen Guidelines oft selbst im Weg stehen und Adidas in der Kommunikation nicht so kreativ sein könnte. Dass an seinen Worten etwas Wahres dran sein muss, zeigt der Preis, den es für den Spot "Original is never finished" gab.

In der Session mit dem Titel "Building Community Through Creativity on Mobile" zeigten Sheryl Sandberg (Facebook) und Jonathan Mildenhall (AirBnB), dass nutzergenerierte Videos bis zu sechsmal mehr Engagement schaffen als Video Ads. Sechsmal besser. Das hat uns noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig die Nutzerinteraktion ist. 

Twitter ist tot und Jacke ist Pflicht

Neben den vielen spannenden Speakern und Themen haben wir einige überraschende Dinge festgestellt: Twitter war eine Wüstenlandschaft – obwohl der Großteil der Teilnehmer das Smartphone stets in der Hand hatte. Bei Branchen-Veranstaltungen in Deutschland kann man dagegen zu Hause und trotzdem über Twitter informiert bleiben.

Die nächste Lektion: Hitze und Kälte. In unseren Breitengraden friert man draußen, hier friert man, sobald man ein Gebäude betritt. Alle Hotels und das Palais gleichen einem Kühlschrank. Gelernt: unbedingt eine Jacke einpacken. Und am Ende erfüllen sich dann doch noch die Klischees. Wer um 16 Uhr noch einen Kaffee trinken möchte, hat meist Pech gehabt. Ab diesem Zeitpunkt sind Rosé, Bier und Cocktails angesagt.

Unsere Insider-Tipps für Cannes: Unbedingt hinfahren, dabei die Jacke und die inspirierenden Sessions mitnehmen! Wir können allen "Youngester" nur empfehlen, Chancen wie die Young Lions zu nutzen, um das Event selbst hautnah zu erleben sich ein eigenes Bild zu machen.


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W&V Redaktion
W&V Redaktion

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