Ausgeliefert-Doku :
Amazon-Skandal: Wie sozial ist eigentlich die Konkurrenz?

Alle reden über Amazon. Aber wie arbeitet eigentlich die Konkurrenz? W&V Online hat sich bei Thalia und Weltbild umgehört.

Text: Uli Busch

15. Feb. 2013 - 4 Kommentare

"In der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Mitarbeiter saisonal befristet ein" - immerhin diese Aussage rang sich Amazon nach fast einem Tag Schweigens ab. Die ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" hatte aneprangert, dass der Versandhändler Leiharbeiter aus dem EU-Ausland ausbeutet.

Aber ist Amazon ein Einzelfall in der Branche? Oder greifen auch andere Versandhändler im hektischen Weihnachtsgeschäft auf Leiharbeiter und Zeitarbeitsfirmen zurück und muten ihren Mitarbeitern unzählige Überstunden zu? W&V Online hat sich im bei den Buch-Onlinehändler Thalia.de (Douglas-Tochter) und der Verlagsgruppe Weltbild (betreibt neben Weltbild.de auch Bücher.de und Jokers.de) nach ihren Sozialstandards erkundigt.

Bei dem Augsburger Verlag heißt es: "Weltbild beschäftigt nur Mitarbeiter aus der Region Augsburg in Versand und Logistik...Insgesamt waren über das Jahr 2012 verteilt nur 13 Prozent aller Arbeitskräfte Zeitarbeitnehmer. Diese werden schwerpunktmäßig im Weihnachtsgeschäft, das heißt in der Zeit von Mitte Oktober bis Ende Dezember eingesetzt." Den Zeitarbeitnehmern komme aber in dieser Zeit eine "sehr wichtige Rolle" zu, deshalb wurde laut Weltbild "bereits 2011 mit der Mitarbeitervertretung eine Betriebsvereinbarung für den Einsatz von Zeitarbeitskräften abgeschlossen." Diese regle unter anderem die Vergütung der Zeitarbeitnehmer, die in der in der Saison mindestens zehn Prozent über dem Tarifvertrag der BZA (Bundesverband Zeitarbeit) liegt. Ein weiterer Punkt sei etwa die "Integration in die Stamm-Belegschaft" (Vertretung durch den Betriebsrat, Vorschläge zur Gestaltung des Arbeitsplatzes etc.). Außerdem weist Weltbild darauf hin, dass sich die Weltbild Logistik grundsätzlich von der von Amazon unterscheide: "Während dort die Abläufe manuell geprägt sind und große Wegstrecken beinhalten, ist die Abwicklung bei Weltbild weitgehend automatisiert."

Anders als Weltbild lässt der Konkurrent Thalia auch Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben "wenn der Bedarf am deutschen Arbeitsmarkt nicht gedeckt werden kann". Das teilte der Buchversender auf W&V-Anfrage mit. Das operative Versandgeschäft hat Thalia an den Logistikdienstleister Rhenus ausgelagert. Er betreibt die Thalia-Versandcenter. Für alle Mitarbeiter sind laut Thalia aber "die hierzulande geltenden Sozialstandards" verbindlich. Es werde ohne Ausnahme nach Tarif bezahlt.


4 Kommentare

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Anonymous User 18. Februar 2013

Schon Ihre Überschrift und reisserische Schlagzeile ist frech und auf BILD-Niveau.

Wie schlecht und kriminell amazon ist, ist aufgedeckt, aber sollte mit einem Beitrag wie diesen nicht verglichen und zur bagatele abgeschwächt werden!

gruss

Anonymous User 17. Februar 2013

Zunächst einmal finde ich es sehr gut, dass ein Magazin nicht nur über Amazon berichtet, sondern den Kreis um branchenähnliche Unternehmen erweitert. Wie ich dem Artikel jedoch entnehme, basieren die Informationen nur auf Aussagen offizieller Organe der Firmen Weltbild und Thalia.

Daraus schließe ich, dass sich die Autorin bei ihren Recherchen lediglich an Pressesprecher gewandt hat. Dass Pressesprecher nur die halbe Wahrheit herausgeben bzw. die Wahrheit verschönern ist kein Geheimnis. Daher sind die getroffenen Aussagen wenig überraschend und unspektakulär. Hätte die ARD bei ihren Recherchen zu Amazon den offiziellen Weg genommen, würde die Sendung ein anderes Bild vermitteln.

Die wahren Zustände bei diesen Unternehmen können nur durch investigative Recherche aufgedeckt werden. Als ich mich entschied, diesen Artikel zu lesen, erhoffte ich mir Insiderinformationen von Mitarbeitern und firmeninternen Akten. Stattdessen erhielt ich Informationen, die nicht über die Aussagekräftigkeit einer Pressemitteilung hinausgehen. Leider hat mich dieser Artikel und die dafür getätigte Rechercheleistung enttäuscht.

Anonymous User 16. Februar 2013

Amazon könnte bald politische Unterstützung bekommen: https://neuemodelle.wordpress.com/2013/02/16/wahrsager-sklavenhalterpartei-eilt-bald-amazon-de-zu-hilfe/

Anonymous User 15. Februar 2013

Einmal googlen und schon ist man schlauer:

"Der Stundensatz bei Weltbild beträgt 8,95 Euro plus Nebenleistungen."

Wohlgemerkt für Werkstudenten. Was dann wohl die Leiharbeiter bekommen?
Aber schön über amazon schimpfen...

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