Digitalmesse :
Auch Havas und Zalando sparen sich Dmexco-Stand

Nach der Group M haben auch der Agenturkonzern Havas und der Onlinehändler Zalando verkündet, in diesem Jahr auf einen Dmexco-Stand zu verzichten.

Text: Thomas Nötting

Großer Andrang auf der Dmexco 2016. In diesem Jahr verzichten Group M, Havas und Zalando auf einen Stand.
Großer Andrang auf der Dmexco 2016. In diesem Jahr verzichten Group M, Havas und Zalando auf einen Stand.

Neben der Düsseldorfer Media-Holding Group M verzichten dieses Jahr weitere Unternehmen auf einen Auftritt auf der Kölner Online-Messe Dmexco. Wie W&V erfuhr, sind der Agenturkonzern Havas,  der Online-Modehändler Zalando sowie das Vergleichsportal Billiger.de nicht mit einem Stand vertreten.

Die Group-M-Agentur Mediacom hatte vergangene Woche ihren Verzicht auf eine Dmexco-Präsenz mit harter Kritik an dem Kölner Großereignis verbunden. Das „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ sei „aus dem Gleichgewicht geraten“, kritisiert Mediacom-Digitalchef Christian Wilkens in einem Gastbeitrag für W&V. Die Standkosten hätten sich vervielfacht. „Nachhaltiger Kundendialog und potenzielles Neugeschäft“ komme „angesichts des Info-Overkills“ auf der Dmexco „viel zu kurz“.

Havas-Chef Traichel kritisiert "ausuferndes Wachstum der Messe"

Genauso argumentiert nun Havas-Media-Geschäftsführer Sven Traichel. Auch er bemängelt die „stark gestiegenen Standkosten“. Traichel weiter: „Grundsätzlich begrüßen wir eine internationale Digitalmesse am Standort Deutschland und werden unseren Mitarbeitern eine Teilnahme ermöglichen, um ihren digitalen Horizont zu erweitern. Allerdings teilen wir auch die Kritik an dem ausufernden Wachstum der Messe. Hier kollidieren kommerzielle Interessen mit dem Wunsch nach einer handelbaren Grösse. Auch die Qualität der Vorträge ist extrem schwankend, so dass wir uns hier ein strafferes Programm mit besserer Struktur, stärkerer Vorfilterung und höherer Qualität wünschen“. Havas Media und die Schwesterfirma Havas Worldwide hatten in den vergangenen Jahren gemeinsam in der so genannten Agency-Lounge der Dmexco ausgestellt.

Der Modehändler Zalando begründet die Absage mit einer geänderten „Messestrategie“. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr erstmals auf der Dmexco ausgestellt. Dieses Jahr habe man ein Konzept, welches „zielgerichteter auf unsere engen Partner und Kunden ausgerichtet ist und weniger auf das allgemeine Publikum“, sagt Andreas Antrup, Managing Director Zalando Media Solutions. Für 2018 will man sich „alle Möglichkeiten offen halten“.

Dmexco kontert: Standkosten sind nicht gestiegen

Gegen einen Stand hat sich auch der langjährige Aussteller Billiger.de entschieden. „Wir schätzen die Dmexco als Veranstaltung sehr, und werden auch dieses Jahr mit vielen Mitarbeitern vor Ort sein“, erklärt Firmensprecher Konstantin Korosides. „Für das Jahr 2017 haben wir uns jedoch entschieden das vorhandene Budget in andere Messen und Veranstaltungen zu investieren. Letztendlich war die Entscheidung gegen einen eigenen Stand das Ergebnis einer schlechten Kosten- / Nutzen-Relation.“

Trotz dieser Absagen wird die Messe auch in diesem Jahr wieder wachsen. Man sei „komplett ausgelastet“, erklärt Messe-Direktor Frank Schneider. Die Zahl der Veranstalter werde gegenüber dem Vorjahr weiter steigen und etwa bei 1050 Firmen liegen. Den Vorwurf der Preissteigerung weist er zurück. „Die Kosten für einen Stand haben wir letztmalig 2016 um zehn Euro auf 275 Euro pro Quadratmeter erhöht.“

Wie die Veranstalter auf die Kritik reagieren und was die Branche zur neuen Dmexco-Debatte sagt, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von W&V.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.