Kaan Karaca zu Technologietrends :
Auf diese 10 Technologietrends müssen Marken achten

Marketer müssen sich mit datengetriebenen Technologietrends befassen, sagt W&V-Gastautor Kaan Karaca von der Agentur DigitasLBi. Die Unternehmen sollten sich früh genug zehn zentralen Kompetenzfeldern stellen. Denn nur wer diese Trends frühzeitig berücksichtigt, kann seine Organisation und insbesondere das Marketing für die Zukunft rüsten.

Text: W&V Leserautor

Kaan Karaca ist Chief Technical Officer der Agentur DigitasLBi
Kaan Karaca ist Chief Technical Officer der Agentur DigitasLBi

Egal, ob wir die Serien "Jetsons" oder "Star Trek" als kreative Inspirationsquelle verwenden - endlich können wir einst futuristische Konzepte in unserem täglichen Leben verwirklichen. Dieses Jahr stehen datengetriebene Technologietrends an vorderster Front und diese digitalen Wandlungsprozesse werden dank einer Fülle von Daten und zielgruppengenauer Anwendungszenarien noch stärker an Fahrt gewinnen, glaubt W&V-Gastautor Kaan Karaca* von der Agentur DigitasLBi. Kleine und große Marken sollten sich früh genug zehn zentralen Kompetenzfeldern stellen. Denn nur wer digitale Technologietrends frühzeitig in der Unternehmensstrategie berücksichtigt, kann seine Organisation und insbesondere das Marketing für Serviceangebote und Produktwelten für die Zukunft rüsten.

10 Technologietrends: Darauf müssen Marken in 2017 achten!

1. Intelligentes Leben: Vernetzte Systeme erzeugen ein persönliches Markenerlebnis.

Die Verbreitung digitaler Assistenzsysteme, wie Amazons Alexa, Siri, Google oder Microsofts Cortana, und die zunehmende Integration dieser Systeme mit einer Vielzahl von Dienstleistungen und Produkten ebnen den Weg für eine wirklich intelligente Plattform. Künftig werden künstliche Intelligenzen über unsere Vorlieben und Verhaltensweisen bestens informiert sein und uns durch die zunehmende Konvergenz der Systeme als intelligente Alltagshelfer unterstützen. Für das Marketing bietet sich hierdurch in den nächsten fünf Jahren die logische Verknüpfung des Nutzerverhaltens mit bestehenden Kundendaten an, um ein noch persönlicheres Markenerlebnis zu generieren und gleichzeitig die Streuverluste bei digitalen Werbemaßnahmen auf ein Minimum zu reduzieren.

2. Roboter: Alltagshelfer mit Markenpotenzial

Angefangen von Services bis zu Unterhaltung - es wird dafür immer einen Roboter geben. Zwar springen die Konsumenten heute noch nicht sofort auf den Zug auf, aber die technische Entwicklung macht gewaltige Sprünge und liefert bereits heute viele Indikatoren für nützliche und herausfordernde Anwendungen. Neben den ersten Haushalts- und Gartenhilfen wie Mähroboter, Versorgungsroboter an Flughäfen und Informationssystemen an öffentlichen Orten, ebnet die technisch-digitale Evolution den Einzug von Robotertechnologie für pädagogische Zwecke, in Pflegeeinrichtungen oder zur Unterhaltung im Gaming-Bereich.

Die Rollen von humanoiden Robotern, wie aus "Ex Machina" oder wie aus der TV-Show "Humans" bekannt, bleiben vorerst noch Zukunftsmusik. Doch in absehbarer Zukunft werden überzeugende Anwendungen in Kombination mit Robotern das Leben der Verbraucher immer einfacher und angenehmer gestalten. Für Marken ein klares Zeichen, jetzt diese Entwicklung mitzugestalten und Roboter als Servicekanal für ihre Kunden zu berücksichtigen. Was heute im Bereich Social Media den digitalen Dialog ausmacht, kann künftig über diese Alltagshelfer stattfinden - und naturgemäß Endgeräte im Segment des Internets der Dinge einbeziehen.

3. Gesundheit, Wellness & Fitness: Markenerlebnisse durch datengetriebenes Business schaffen

Neben der Vielzahl von gehypten Trends müssen Marken auf langfristige und überzeugende Anwendungsfälle bei ihren technischen Gadgets achten. Insbesondere im Gesundheitssektor werden künftig reale physische Probleme durch frühzeitigen Einsatz von intelligenten, datengesteuerten Systemen erkannt, behandelt oder optimiert werden. Wenn sich Sensoren und Technologien sehr stark auf die Bereitstellung relevanter und umsetzbarer Informationen konzentrieren, können Marken den Endkonsumenten durch die gezielte und datenschutzkonforme Überwachung ihres täglichen Verhaltens helfen.

Der Sportbekleidungshersteller Under Armour entwickelt Schlafanzüge für Athleten, um ihren Schlafrhythmus zu optimieren. Die passenden Laufschuhe messen den Ermüdungsgrad beim Training und passen die Intensität der Trainings- und Schlafzyklen gemäß aktueller Daten an. Ein tragbares BAC-Monitoringsystem überprüft die Verdauung und hilft dabei zu identifizieren, welche Ernährungsgewohnheiten möglicherweise digestive Probleme verursachen, welche Zahnbürsten verwendet werden sollten oder welche Putztechniken anzuwenden sind, um die Zahn- und Mundhygiene zu verbessern. Marken aus dem Gesundheits-, Wellness- und Fitnessbereich sollten in Zukunft die Möglichkeiten dieser neuen sensorischen Produktwelt nutzen, um das Markenerlebnis mit signifikant nutzbaren Daten zu stärken.

4. Mütter und Babys: Emotionale, digital-affine Zielgruppen aktivieren

Die Produktsparte Baby-Tech besteht seit geraumer Zeit und hat in immer wieder neuen Endprodukten die Haushalte erobert. Mittlerweile gibt es kaum ein spannenderes Produktsegment, als die kindgerechte Entwicklung von Babys und Kleinkindern zielgerichtet durch die Eltern überwachen zu lassen und ihnen dabei mit Rat und Tat digital zur Seite zu stehen. Speziell für Mütter sollen Technologieprodukte ein Plus an Entlastung leisten. Die Willow Brustpumpe soll ein komfortableres Tragefühl erzeugen und intelligente Daten über die Milchproduktion beim Stillen sammeln. Daraus lassen sich insbesondere bei Ernährungs- und Stillproblemen die Trinkgewohnheiten von Babys anpassen. Diese hochpersönliche, sehr emotionale Produktwelt bietet für Marken ein gewaltiges Entfaltungspotenzial, um die Kernzielgruppe der Mütter, der Eltern und ihrer Kinder langfristig an sich zu binden.

5. Autonome Fahrzeuge: Connected Cars gelten als neue Lifestylemarken

Zwar kein Neuling, aber auch keine Modeerscheinung mehr: Jeder Automobilhersteller zeigt neben klassischen Nachrüstoptionen diverser Drittanbieter seine eigenen autonomen Fahrzeuge. Durch die intensive Erforschung dieser vernetzten, intelligenten Autos verändern sich die Fahrzeuge von einst reinen Transportsystemen noch stärker zu individuellen Lebensräumen. Uber, Tesla, Google, Daimler und viele weitere Dienstleister und Hersteller werden dafür sorgen, dass die autonome Fahrzeuganwendung bei Personen- und Gütertransporten noch intensiver mit komplexen Daten in Echtzeitszenarien auf Hochleistung funktionieren. Künftig werden autonome Connected Cars zu sichereren Fahrern als Menschen und übernehmen ihre Aufgaben nahezu vollends. Bald werden Marken auf den Fahrten die Menschen mit zusätzlichen Informationen und Unterhaltungsanreizen beschäftigen müssen, wenn die Insassen wie in I-Robot oder Minority Report in den Fahrzeugen passiv befördert werden.

6. VR & AR: Ultimativer Wachstumsmarkt nach dem Smartphone-Boom

Nach den bekannten Headliner-Produkten wie HTC Vive, Oculus, Samsung Gear und Microsoft Hololens scheint sich die weitere Entwicklung mit konkreten Anwendungsszenarien zu kristallisieren. Immer häufiger wird Virtual Reality (VR) in Gaming- und Marketing-Bereichen eingesetzt. In Kombination mit unterstützender Ausrüstung wie Handschuhen, Bekleidung und Schuhen wird der haptische Feedbackkanal zum Benutzer verstärkt. Immersive Rigs wie die Hypersuit VR sollen das Gefühl des Fliegens unterstützen, während Gaming Rigs von Samsung die Einzel- und Mehrspielererfahrungen steigern soll.

Im Umkehrschluss wird Augmented Reality (AR) deutlich seriöser und zeigt sich als wichtige Unterstützung in der industriellen Fertigung und bei medizinischen Untersuchungen. Der robuste Helm von Daqri soll Analysefunktionen übernehmen und mit Daten die Optimierung der Industrieprozesse und im Bauwesen unterstützen. Insbesondere für B2B-Marken öffnet sich hier neues Geschäftspotenzial, um abseits der auf Verbraucher fokussierten VR-Anwendungen bei AR-Szenarien die richtigen Anwendungen und Technologie - und somit Präsenz in den Köpfen der Anwender zu erzeugen.

7. Environmental Tech: Umweltfreundlichkeit von innovativen Produkten rückt in den Mittelpunkt

In den kommenden Monaten wird sich dieses Trendthema verstärken: umweltfreundliche Technologien, Werkzeuge zur Überwachung der Umwelt für die persönliche Gesundheit und zwecks Sicherheitsgründen. Auf der Messe CES 2017 präsentierten Unternehmen ihre Luftqualitätsmonitore, UV-Licht messende Kleidungsstücke, Wasserfiltersysteme mit der immer optimalen Filtrationstechnik, Fensterfolie mit Solarzellentechnologie oder Jalousien als Sonnenkollektoren. Die Technologie bewegt sich zwar noch zwischen Prototyp und Serienreife, aber je früher Marken umweltbezogene Produkte für sich entdecken, desto schneller werden diese Endgeräte zur Selbstoptimierung des persönlichen Lebensraums ihnen zusätzliche Erlöspotenziale liefern.

Natürlich werden Marken vom aktiven Umweltbewusstsein profitieren. Für den Erfolg der Produktreihen wirkt sich dabei entscheidend aus, ob die Marken ein passendes Lebensgefühl und persönliche Mehrwerte in ihren Markenwerten und Produktwelten kommunizieren können oder ob es nur eine Spielerei für Enthusiasten bleibt.

8. Connected Everything: Das Internet of Things führt zur omnipräsenten Vernetzung

Egal, welche Produktsparte betrachtet wird, die Wahrscheinlichkeit steigt in diesem Jahr, dass vernetzte Produktversionen den Endkonsumenten angeboten werden. Angefangen von Betten und Kissen über Beleuchtungssysteme und Medikamentenspendern bis hin zu Instrumenten und Bekleidung, viele Marken werden relevante und nützliche Funktionen in ihre Produkte integrieren müssen, um die Kunden glücklich zu machen und sich von den Wettbewerbern positiv abzusetzen. Die gesamte Sensorik lädt förmlich dazu ein, ein Teil einer intelligenten Welt zu werden, in der ein neues Erlebnis und Lebensgefühl der Marken durch das enge Zusammenspiel zwischen Produkten, Services und Kunden dominieren wird.

9. Nachfolger der Pixel: Neue Nutzerinteraktionen für digitale Anwendungen

Unsere Welt wurde in den letzten Jahrzehnten durch Bildschirmpixel dominiert. Von traditionellen Desktop-Computing bis zu Smartphones und Tablets haben wir an verschiedenen Formen von Bildschirmen gehangen, während für die Displays selbst eigene Gerätefähigkeiten entwickelt wurden. Seitdem das Mobiltelefon fast den Mittelpunkt eines jeden Lebens bildet, tauschen wir unsere Erfahrungen weniger über Pixel auf dem Bildschirm aus, sondern interagieren über Sprache, Gesten, Handlungen oder einfach durch unsere Präsenz. In allen Produktunternehmen wird es im Marketing entscheidend sein, für diese neuen Nutzererlebnisse und Interaktionsmodalitäten zielgenaue Anwendungen zu entwickeln, um den Bedürfnissen, Erwartungen und Vorlieben der Verbraucher gerecht zu werden.

10. Emotionen: Datengetriebenes Marketing wird auf die Kunden direkt reagieren 

Menschliche Emotionen zu erkennen und darauf zu reagieren, ist seit zwei Jahrzehnten als "Affektives Computing" eine akademische Disziplin. In den letzten Jahren wurde dafür das Marketing als Datenquelle genutzt und vornehmlich die Reaktionen von Menschen auf verschiedene Inhalte zur Optimierung geprüft. In einem ersten Schritt hilft das "Feel Armband" die Emotionen wie traditionelle Fitness Wearables aufzuzeichnen. Digital Strom bedient sich einer Emotionsanalyse, um das eigene Zuhause auf die Stimmungen der Bewohner optimal reagieren zu lassen. Roboter verwenden anthropomorphe Tricks, um emotionale Reaktionen wie die Linderung der Einsamkeit oder Beruhigung in Angstzuständen zu erzeugen. Am ehrgeizigsten stellt Toyota sein Auto als aktives Mitglied der Familie dar, um andere Familienmitglieder kennenzulernen und im Laufe der Zeit Beziehungen mit ihnen zu entwickeln. Wer die direkten Interaktionen mit Verbrauchern auf Emotionen analysiert, wird künftig sein Marketing durch eine Vielzahl an datengetriebenen Faktoren bewusst auf diese emotionalen Reaktionen antworten lassen müssen.

*Über den Autor: Kaan Karaca ist Chief Technical Officer der Marketing- und Technologieagentur DigitasLBi.


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