E-Commerce :
BVDW: Aufklärung gegen Affiliate-Mythen

Der Digitalverband BVDW startet eine Aufklärungsoffensive zum Affiliate Marketing. Ein Leitfaden soll "Mythen widerlegen" und mit "Halbwissen aufräumen".

Text: Thomas Nötting

BVDW-Expertin Piol: "Falsches Bild zurechtrücken"
BVDW-Expertin Piol: "Falsches Bild zurechtrücken"

Affiliate Marketing gibt es seit mehr als 21 Jahren. Der Legende nach ist die Idee 1996 auf einer Party entstanden. Eine Besucherin soll Amazon-Gründer Jeff Bezos vorgeschlagen haben, Bücher auf ihrer Webseite vorzustellen und dann auf den Amazon-Shop zu verlinken. Die bis heute gültige Grundidee war damit geboren: Webseitenbetreiber binden Links oder Werbemittel von Händlern auf ihren Seiten ein - und erhalten Provisionen, wenn diese Links zu Verkäufen führen. Im selben Jahr startete Amazon sein erstes Affiliate-Programm.

Doch die digitalen Provisions-Programme haben ein Imageproblem. Affiliate Marketing spielt im öffentlichen Bewusstsein der Werbebranche nur eine Nebenrolle. Und wenn über das Thema gesprochen wird, dann häufig nicht gut.

Dies möchte der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) ändern. Der Digital-Verband veröffentlicht deshalb einen umfangreichen Leitfaden, um über Vorteile und Funktionsweisen des zeitgenössischen Affiliate-Marketings aufzuklären. In dem 25-seitigen Papier, das ab sofort online verfügbar ist, wollen die Verbands-Experten unter anderem die fünf größten Affiliate-Marketing-Mythen widerlegen.

Wider das Halbwissen

"Über Affiliate Marketing kursieren viele Gerüchte und viel Halbwissen", sagt Valentina Piol. "Das ist ein falsches Bild entstanden, das wir zurechtrücken wollen." Die Affiliate-Spezialistin von der Duisburger Digital-Agentur Metapeople ist stellvertretende Vorsitzende der Affiliate-Fokusgruppe des BVDW. Sie hat als Autorin außerdem an dem Aufklärungspapier mitgeschrieben. Selbstkritisch sagt sie: "In den letzten Jahren haben wir es verpasst, mehr Werbung für dieses Format zu machen."

Den wohl größten Mythos hatte der Digitalverband bereits letztes Jahr widerlegt. Er lautet: "Affiliate Marketing ist tot." Dass dem mitnichten so ist, zeigen die im August erstmals veröffentlichen Marktdaten. Demnach wurden im deutschen Online-Handel 2016 allein 7,6 Milliarden Euro durch Affiliate-Marketing umgesetzt – ein Plus von mehr als einer Milliarde Euro gegenüber 2014.

Ein anderes Vorurteil sei die vermeintliche größere Anfälligkeit für Fraud und Klickbetrug. Mit diesem Thema kam Affiliate Marketing vor einigen Jahren in Verruf. Betrügerische Seitenanbieter versuchten unter anderem, mit Fake-Bestellungen ihre Umsätze zu steigern. "Tatsächlich ist Affiliate nicht Fraud-anfälliger als andere Kanäle", sagt Piol. Man müsse allerdings Vorkehrungen treffen. "Wer die Hände in den Schoß legt, öffnet die Tore für Betrüger."

Damoklesschwert E-Privacy-Verordnung

Affiliate Marketing stehe zudem in dem Ruf, verhältnismäßig teuer zu sein. Zu Unrecht, sagt Piol. "Advertiser haben es selbst in der Hand, Kosten zu minimieren. Außerdem ist Affiliate-Marketing hoch effektiv – es fallen nur Kosten an, wenn Umsätze oder wertvolle Leads generiert werden."

Über der aktuellen Image-Initiative hängt indes ein Damoklesschwert. Würde das neue EU-Datenschutzgesetz E-Privacy-Verordnung spätestens 2019 so umgesetzt wie derzeit geplant, wäre Affiliate Marketing stark betroffen. Es basiert wesentlich auf dem Platzieren so genannter Cookies. Dies würde durch die neuen Vorschriften aber stark eingeschränkt oder gar de fakto unmöglich gemacht.

Das E-Privacy-Problem wird in der BVDW-Schrift kaum behandelt – "weil eben noch nicht genau feststeht, inwiefern und mit welcher Konsequenz der aktuelle Diskussionsentwurf letztendlich in einer Verordnung umgesetzt werden wird", sagt Piol. "Deshalb ist es umso wichtiger, gerade jetzt auf die Möglichkeiten hinzuweisen, die Affiliate Marketing bietet."


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.


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