Blockchain :
"Das Hammer-Feature der Blockchain ist noch gar nicht da"

Das Startup Unibright entwickelt Blockchains für Unternehmen. Die Gründer und Geschäftsführer erklären im Gespräch mit W&V, wobei es darauf ankommt.

Text: W&V Redaktion

Stefan Schmidt (links) und Marten Jung gründeten 2017 zusammen Unibright.
Stefan Schmidt (links) und Marten Jung gründeten 2017 zusammen Unibright.

Das Startup Unibright entwickelt Blockchains für Unternehmen. Der Technologiedienstleister bietet an, sämtliche Geschäftsprozesse in die Blockchain-Technologie zu überführen. Gründer und Geschäftsführer Marten Jung und Stefan Schmidt erklären im Gespräch mit W&V, wobei es darauf ankommt.

Wie startet ein Unternehmen eine eigene Blockchain?

Jung: Es gibt einige Felder, in denen Blockchains sinnvoll sind und andere, bei denen sie es nicht sind. Für Unternehmen geht es zunächst darum, bestehende Systeme weiter zu nutzen und erst einmal Ideen für Blockchain-Lösungen zu entwickeln.

Welche Geschäftsfelder eigenen sich besonders?

Jung: Bei Genehmigungs- und Abstimmungsprozessen lässt sich über die Blockchain sehr viel vereinfachen. Wir haben für ein Unternehmen, das in der Schmuckherstellung tätig ist, dafür eine Lösung entwickelt. Der Schmuck wird in China produziert und wenn ein neues Produkt entworfen wird, ist sehr viel Abstimmungsarbeit nötig. Das lief bisher überwiegend per Post und E-Mail.
Jetzt findet das über eine Blockchain mit SmartContracts statt. Der Genehmigungsstatus ist nun jederzeit für alle Beteiligten sichtbar und spart 1 bis 2 Tage gegenüber der bisherigen Abstimmung.

Schmidt: Eine andere Einsatzmöglichkeit ergibt sich, wenn Unternehmen sich der Öffentlichkeit gegenüber öffnen wollen, etwa beim Thema Chargenrückverfolgung. Lebensmittelhersteller sind gesetzlich verpflichtet, die Rückverfolgbarkeit ihrer Produkte sicherzustellen und Auskunft geben zu können. Bisher war diese Information zentralisiert und lag beim Unternehmen.
Es wäre aber auch möglich, die Information öffentlich über eine Blockchain zur Verfügung zu stellen. Dann könnte diese Transparenz als Argument gegenüber den Verbrauchen eingesetzt und zum Wettbewerbsvorteil werden.

Wie weit sind Sie beim Entwickeln solcher Lösungen, wie sehr sind Unternehmen bereit, das einzusetzen?

Schmidt: Im Moment sind wir in Gesprächen mit Brauereien. Ich gehe davon aus, dass einige davon das auch machen werden. Wenn Sie vor zehn oder 15 Jahren gefragt hätten, ob Unternehmen ihre Daten in eine Cloud auslagern würden, dann hätte man sich das auch nicht in dem Maße vorstellen können, wie es jetzt angenommen wird. Blockchain ist noch in einem sehr frühen Stadium und stark behaftet mit den Kryptowährungen.
Die technologische Grundlage ist gelegt, aber wir glauben, dass das Hammer-Feature der Blockchain noch gar nicht da ist. Schon jetzt zeigt sich allerdings, dass die Anwendungsmöglichkeiten in jeden Industriezweig hineinreichen.

Bisher fehlen aber noch übergreifende Standards und die Kompatibilität zu anderen Systemen.

Jung: Ja, alles ist noch so schnelllebig, dass Unternehmen, die teilnehmen wollen, Zukunftssicherheit brauchen. Ein Vorteil ist, dass man jetzt noch als Early Adopter auftreten kann, allerdings mit der Gefahr, dass die Blockchain, die man jetzt nutzt, später von anderen Standards überholt wird.

Wie kann man das verhindern?

Schmidt: Wer sich jetzt mit der Blockchain beschäftigen will, kann sich vorbereiten und sich um den Rahmen kümmern. Also Prozesse definieren, in bestehenden Systemen die Daten sammeln, die man später für die Blockchain braucht und festlegen, welche Daten wann in die Blockchain wandern sollen. Wir abstrahieren dabei von der technischen Fragestellung.
Ob die Lösung dann beispielsweise auf Etherum oder Ripple läuft, ist dann erst der zweite Schritt. Wenn man andersherum vorgeht und sich zunächst für eine bestimmte Blockchain festlegt, Entwicklerstunden bezahlt und dann feststellt, dass man eigentlich doch eine andere Blockchain braucht, dann kann es unnötig teuer werden. Das sind die großen Kostentreiber bei der Entwicklung.

Wie wird das Hammer-Feature aussehen, das noch kommt? Spielen Normierungsansätze, die jetzt entstehen dabei eine Rolle?

Jung: Der technische Wettbewerb läuft, und wird dafür sorgen, dass sich einzelne Systeme durchsetzen. Bürokratische Normen können das nicht ersetzen. Zwei Hammer-Features gibt es bereits: Bitcoin und die ICOs, mit denen Crowdfunding per Kryptowährungen möglich gemacht wurde. Was als nächstes kommt, lässt sich nicht voraussagen.

Sicher ist aber, dass Blockchain viele Features bietet, die es vorher nicht gab. Das Ersetzen einer zentralen Instanz ist wesentlich. Darauf kann man verschiedene andere Features aufsetzen, die eine gesellschaftliche Entwicklung hin zu mehr Transparenz in Gang bringen können.

Warum Blockchains zugetraut wird, das Wirtschaftssystem umzukrempeln, wie sie funktionieren und welche Ansätze es bereits gibt, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der W&V.

Wie Blockchains die Kommunikationsbranche verändern können und welche ersten Ansätze es bereits gibt, lesen Sie im Teil 2, in der kommenden Woche in W&V 9/2018.

Mehr zum Thema auch bei der W&V Convention "Data Marketing Day" am 17. April in München.


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autors. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.