Wie vorbereitet sind die deutschen Führungskräfte auf den Digitalen Wandel?

Bei unserer Arbeit mit Unternehmen, die digital transformieren wollen, haben wir immer wieder festgestellt, dass die Digitalisierung außer mit rationalen Zahlen und Technik ganz viel mit völlig irrationalen Menschen zu tun hat. Und dass diejenigen, die für diese irrationalen Menschen zuständig sind, also die Chefs, wiederum keine Ahnung vom Digitalen und wie der Mensch damit funktioniert haben. Der Grund, warum eine digitale Transformation scheitert, schleicht oder gar nicht erst startet, liegt immer beim Chef.

Was sollten sie tun, um Schritt zu halten?

Alle Führungskräfte – insbesondere Unternehmensführung und Aufsichtsrat – müssen sich persönlich ganz konkret und inhaltlich mit digitalen Themen auseinandersetzen. Hier gilt es, nichts mehr einfach so den vorhandenen digitalen Wirtschafts- und Wissensmächten zu überlassen. Stattdessen ein wesentlicher Mitspieler und Mitgestalter zu werden.

Was die digitale Transformation betrifft, muss eine Führungskraft steuerungsfähig sein, Ahnung von ihr und Spaß daran haben. In der alltäglichen Arbeit ist Netzwerkfähigkeit gefragt, Kooperationsfähigkeit. Mit anderen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Akzeptieren, dass man nicht alles weiß, und dass das Wissen des anderen jederzeit das Wertvollere sein kann. Jede Menge Soft Skills eigentlich. Fundamental für eine erfolgreiche digitale Transformation ist nicht nur deswegen auch die Rolle von HR.

Das heißt?

Die Veränderung, die wir mit der Digitalisierung gerade erleben, wird vielleicht technisch ermöglicht, getrieben wird sie aber vor allem von Menschen. Und darum ist HR so wichtig: Es muss die Auswirkung der stattfindenden Disruptionen auf die Menschen, auf deren Arbeitsplätze, ihre Jobprofile, die Strukturen, Prozesse und die Kultur managen. Aber vor allem und zuallererst muss HR dafür sorgen, dass sich die Digitalisierung überhaupt in einem Unternehmen auswirken kann! Damit HR für den digitalen Wandel wirksam sein kann.

In der Realität vieler Unternehmen fungiert HR allerdings als Befehlsempfänger, nicht als strategischer Businesspartner. Für die wesentliche Rolle, die HR für den digitalen Wandel spielt, ist aber zum einen Augenhöhe die Voraussetzung. Zum anderen Qualifikation: strategisch-digitale Denke, kreatives und innovatives Handeln ist durch die angestammte Rolle der "verlängerten Werkbank" nicht eingeübt – für die neue Rolle jedoch Voraussetzung. Das ist knifflig!

6 Thesen zur Führung in Zeiten der Digitalisierung

1. Digitalisierung ist Chefsache.

2. Egal ob CEO, HR-Manager, Agenturkreativer oder Mutter: Jeder muss sich von seinem Scheinwissen verabschieden.

3. Digitale Kompetenz ist keine standardisierbare, sondern eine individuelle, je nach Job und Anspruch der Umgebung zu definierende Angelegenheit.

4. Digitale Kompetenz für einen CMO bedeutet, dass er die Digitalisierung und die Implikationen für sein Unternehmen verstanden hat, er strategische Ableitungen daraus zieht und diese umsetzt. Indem er zum Beispiel digitale Innovationen fördert und neue digitale Geschäftsmodelle und -bereiche aufbaut.

5. Digitale Kompetenz ist im Wesentlichen die Kompetenz zu wissen, was man nicht weiß. Und für all das, was man nicht weiß, mit den richtigen Leuten zu kooperieren.

6. Führung heute heißt: mit anderen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Akzeptieren, dass das Wissen des anderen jederzeit das Wertvollere sein kann.


Autor:

Ralph Pfister
Ralph-Bernhard Pfister

Ralph Pfister ist Koordinator am Desk der W&V. Wenn er nicht gerade koordiniert, schreibt er hauptsächlich über digitales Marketing, digitale Themen und Branchen wie Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Sein Kaffeekonsum lässt sich nur in industriellen Mengen fassen. Für seine Bücher- und Comicbestände gilt das noch nicht ganz – aber er arbeitet dran.