Google-Gründer: Facebook und Apple gefährden das freie Internet

Kleinkrieg der Großen: Google-Gründer Sergey Brin ätzt gegen Facebook und Apple. Die Konkurrenten würden die Freiheit des Netzes extrem einschränken. Hätte Facebook damals dominiert, hätte er niemals Groogle gründen können.

Text: Anja Janotta

16. Apr. 2012

Die Freiheit des Internets ist heute stärker denn je gefährdet. Zum einen würden einige Staaten die Netzinhalte reglementieren wollen, zum anderen mache sich die Unterhaltungsindustrie wegen der Piraterie stark, sagt Google-Gründer Sergey Brin in einem Interview mit "The Guardian". Noch stärker kritisiert er aber die Macht von Facebook und Apple. Würde Facebook das Internet dominieren, wären er und sein Mitgründer Larry Page niemals in der Lage gewesen, Google zu gründen. Facebook würde seinen Nutzern zu viele Regeln aufdrücken. Nur in einem freien Internet ohne Beschränkungen habe man eine Suchmaschine wie Google etablieren können. "Sobald Du zu viele Regeln hast, wird die Innovation erstrickt," sagte Brin gegenüber der britischen Zeitung.

Auch Apple steht im Fokus seiner Kritik. Die Informationen, die in Apps enthalten seien, seien von Web-Crawlern nicht erfassbar. "Man kann sie nicht durchsuchen".

Hauptsächtlich wendet sich Brin gegen China, Saudi-Arabien und den Iran, die Netz von Staatsseite zu konktrollieren versuchten. Aber auch die US-Regierung ging er an. Sollte diese Gesetzesentwürfe wie SOPA und PIPA durchsetzen, wie sie von der Musik- und Filmbranche befürwortet werden, bediene sich die Regierung demgleichen Prinzip, wie China und Iran ihre Zensur rechtfertigten. Die Entertainment-Industrie bemühe sich in ihrer Lobby-Arbeit darum, Gesetze durchzusetzen, die Block-Mechanismen für Piraterie-Angebote vorsähen. Solange es nicht einfacher sei, sich rechtmäßig Inhalte zu beschaffen, würden die Nutzer weiterhin Piraterie-Inhalte herunterladen. Die zahlreichen Beschränkungen und Bezahl-Mechanismen seien "Dis-Incentives" für den Kauf.

Die Äußerungen bleiben im Web nicht unkommentiert. In den Kommentaren zu dem "Guardian"-Beitrag wird vielfach herausgestellt, dass Google selbst die Suchergebnisse zur Monetarisierung nutze und deswegen direkt vom "freien Internet" profitiere. "Wenn Google Freiheit sagt, höre ich Profit," schreibt beispielsweise ein Kommentator. "Die Google-Version des Open Web scheint sehr einfach: Lasst uns an alles rankommen", kommentierte zudem Chris Matyszczyk im Portal CNET. "Egal ob es sich um Bücher, Straßen, Häuser, Facebook-Konten, iPhoto-Sammlungen oder um die Überreste von Ihrer Spaghetti Bolognese handelt." (mit dpa-Material)


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



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