Diskriminierung von Frauen :
Google will Gehälter nicht offenlegen

Bezahlt Google Frauen weniger als Männern? Das soll das Internetunternehmen mit einer Offenlegung klären. Aber das wehrt sich gegen Transparenz.

Text: Anja Janotta

Dinosaurier Google? Kritik wegen Frauendiskriminierung.
Dinosaurier Google? Kritik wegen Frauendiskriminierung.

Anfang April musste sich Google mit massiven Vorwürfen auseinandersetzen: Das Internetunternehmen würde Frauen bei der Bezahlung diskriminieren. Eine Untersuchung von Gehaltsdaten durch Glassdoor hatte eine deutliche Diskerepanz aufgezeigt. 16 Prozent Unterschied meldete Glassdoor. Andere Quellen sprachen sogar von 40 Prozent Gehaltsunterschied.

Das US-Arbeitsministerium hatte deswegen die Offenlegung der Gehälter gefordert. Das aber will Google nicht leisten. Anwältin Lisa Barnett Sween hat in einer Stellungnahme vorgerechnet, dass eine solche Transparenz den Konzern zu teuer zu stehen käme, berichtet der "Guardian". Schließlich müsse man für die Zusammenstellung intern mindestens 500 Arbeitsstunden aufwenden und das koste das Unternehmen hochgerechnet 100.000 Dollar. Schon jetzt habe man enormen Aufwand betrieben, um den instituonellen Anforderungen zu genügen. Von einer halben Million Dollar interner Kosten war die Sprache.

Google hatte sich zu den Vorwürfen schon im April gerechtfertigt und seine Einstellungsstandards offengelegt. Einem Bericht von GoogleWatchBlog zufolge sehen diese für jede Neuanstellung je nach Position zwingend einen gender-neutralen Gehaltsvergleich vor. Die Standards schreiben eine Angleichung vor, falls es einen Unterschied geben sollte.

Trotzdem kann diese Praxis eine Bevorzugung männlicher Angestellter nicht unbedingt verhindern, wurde Google kritisiert. Schließlich entscheidet immer noch der Vorgesetzte, wie er die Leistungen seiner Leute bewertet - und damit könnten beispielsweise Bonuszahlungen immer noch unfair verteilt werden.

Bei Google arbeiten 70.000 Angestellte, der Frauenanteil liegt bei etwa einem Drittel.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.