In zehn Ländern gab es zeitgleich Durchsuchungen, Festnehmen, Beschlagnahmungen von Servern und Domains. Die Tatverdächtigen sollen aus zehn verschiedenen Ländern kommen. "Das war ein wichtiger und erfolgreicher Schlag gegen die internationale Cybermafia", sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius. Die Aktion sei unter niedersächsischer Federführung gemeinsam mit zahlreichen Sicherheitsbehörden, darunter dem FBI und Europol koordiniert worden.

Wöchentlich seien seit mindestens 2009 mehr als eine Million Spam- oder Phishing-Mails mit schädigendem Anhang oder Link verschickt worden. Durch Anklicken wurde der Computer infiziert und Teil von "Avalanche". So konnten die Angreifer zeitgleich mehr als 50.000 Rechner kontrollieren und ausspionieren sowie für Attacken nutzen.

Allein das Abschalten eines einzelnen Botnetzes reiche nicht aus, um die kriminellen Angriffe zu unterbinden, sagte Oberstaatsanwalt Frank Lange. "Die Aufgaben der entdeckten und unschädlich gemachten Server werden schlagartig von Servern der anderen Botnetze übernommen, bis ein neues, weiteres Botnetz aufgebaut wird."

Rund zwanzig verschiedene Typen schädlicher Software wurden verwendet, sagte Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden. Es sei wie der Kampf gegen eine elektronische Hydra gewesen. Die meisten infizierten Rechner stünden in Russland und den USA, am drittstärksten sei Deutschland betroffen. "Allein bei der Staatsanwaltschaft Verden sind mehr als 27 000 Strafanzeigen eingegangen", sagte er.

Um so wichtiger war eine konzertierte Aktion, um das Netz auszuheben. Die Ermittler haben demnach die Strukturen analysiert und einzelne Server auf Führungsebene ermittelt. Damit sei der Grundstein für die gestrige Zerschlagung der Infrastruktur gelegt gewesen, hieß es. Die Zerschlagung der Infrastruktur wird aktuell vom BSI mit dem nationalen Cyber-Abwehrzentrum koordiniert.

Damit sei aber erst ein erster Schritt getan. Denn die Schadprogramme können nicht von den infizierten Rechnern gelöscht werden. Mehr als vier Millionen Betroffene seien vom BSI in den vergangenen Jahren bereits informiert worden, sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm. Weitere würden nun von ihren Internet-Anbietern kontaktiert. Auf einer Bürger-Seite des BSI (www.bsi-fuer-buerger.de/botnetz) können Nutzer prüfen, ob ihr Rechner bereits Teil eines Botnetzes war. Für Betroffene hat das BSI außerdem eine Telefon-Hotline eingerichtet: 0800 2741000. (dpa)


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W&V Redaktion
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