Second-Hand-Plattform :
Kleiderkreisel erntet Shitstorm für kostenpflichtiges Bezahlsystem

Die Second-Hand-Plattfom Kleiderkreisel steht vor der Herausforderung, sich von einem Studenten-Start-up zu einem profitablen Unternehmen zu entwickeln. Der nächste Schritt dazu ist die Einführung eines kostenpflichtigen Bezahlsystems, das allerdings bei der Community für massiven Widerstand sorgt. Es gab bereits einen "Warnstreik", eine Online-Petition sammelt Stimmen "gegen die Kommerzialisierung". 

Text: Franziska Mozart

- 9 Kommentare

Die Second-Hand-Plattfom Kleiderkreisel steht vor der Herausforderung, sich von einem Studenten-Start-up zu einem profitablen Unternehmen zu entwickeln. Der nächste Schritt dazu ist die Einführung eines kostenpflichtigen Bezahlsystems, das allerdings bei der Community für massiven Widerstand sorgt. Es gab bereits einen "Warnstreik", bei dem sich Mitglieder einen Tag lang nicht anmeldeten und eine Online-Petition sammelt Stimmen "gegen die Kommerzialisierung". Auf Facebook drohen die Mitglieder mit ihrem Austritt und in den Kleiderkreisel-Foren macht die sehr aktive Community ihrem Ärger Luft. Die Diskussion zu dem Thema hat beim ältesten offizielle Thread nach elf Tagen bereits über 800 Seiten. Hier zeigt sich, dass eine Community, die sich sehr stark mit einem Unternehmen identifiziert, sehr heftig auf Änderungen reagieren kann. 

Anlass des Ärgers ist das neue Bezahlsystem, das die Transaktionen auf der Plattform sicherer machen soll. Dieser neue Kauf-Button steht den Käufern neben dem bisherigen, auf Vertrauen basierenden System zur Verfügung und soll für mehr Sicherheit sorgen. Denn das bezahlte Geld wird erst für den Verkäufer freigegeben, wenn der Käufer die Ware erhalten hat und die Transaktion für gelungen erklärt. Dazu kommt noch die Möglichkeit, versicherten Versand zu wählen und den Sendungsverlauf über Kleiderkreisel zu verfolgen. Für diese Bezahlart verlangt Kleiderkreisel zehn Prozent des Kaufpreises plus 50 Cent.

Was für die Käufer mehr Sicherheit vor Betrügern und dem Verlust von Päckchen in der Post bringt, bedeutet für die Verkäufer Mehrkosten und sorgt daher für Ärger. Der Gegenwind kommt für Kleiderkreisel allerdings nicht überraschend. In anderen Ländern ist das System bereits eingeführt. Basierend darauf wusste das Unternehmen, "dass ein Teil der Mitglieder stark auf diese große Veränderung reagieren wird", sagt Geschäftsführer Justas Janauskas auf Anfrage von W&V Online. Er ist der Gründer von Vinted, der Mutter von Kleiderkreisel. Sophie Utikal, Susanne Richter und Martin Huber, die Kleiderkreisel in Deutschland gegründet haben, sind kürzlich ausgestiegen.

In den USA und in Großbritannien habe sich das System durchgesetzt und werde bei 90 Prozent aller Transaktionen eingesetzt, so Janauskas. "Wir werden weiterhin mit unseren Mitgliedern über ihre Bedenken sprechen und das neue System und seine Vorteile ausführlich erklären", verspricht er. Tatsächlich bemüht sich das Team, auf seine Nutzer einzugehen, und beantwortet beispielsweise fleißig Facebook-Kommentare. In einem offenen Brief kritisieren Nutzer allerdings, dass Antworten auf vielfach gestellte Fragen fehlen würden und es keinen Dialog auf Augenhöhe gebe. An der Einführung des Bezahlsystems lässt die Plattform auch keinen Zweifel, verspricht aber, den Mitgliedern zuzuhören und das neue System ständig weiterzuentwickeln und nötigenfalls auch anzupassen.

Einer der Kritikpunkte lautet, dass die Kommunikation über das neue System und die Gebühren unprofessionell gewesen sei und nicht alle Mitglieder auf dem gleichen Informationsstand seien. Zu unterschiedlichen Zeiten gab es Mails, Facebook-Posts und Diskussionen im Forum. "Bei dem Datenvolumen von 2,6 Millionen Kreislern kommt die Info nicht immer bei allen Mitgliedern zeitgleich an, aber wir haben hier so schnell wie möglich alle Kanäle bedient", so Janauskas.

Die inzwischen sehr hohe Mitgliederzahl ist auch einer der Gründe für das neue System. "Die Fälle, in denen unser Support-Team eingreifen musste, sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen", so Janauskas. Es soll Betrug, verlorenen Sendungen und dem Gefühl, nicht sicher einkaufen zu können, vorbeugen. Noch im Sommer 2012 hatte die Second-Hand-Plattform 270.000 User, doch mit dem Start der App explodierten die Mitgliederzahlen. Kleiderkreisel gibt es seit 2009 in Deutschland. Anfang Januar 2010 hatte der Second-Hand-Markt die ersten 1.000 Mitglieder.

Massenhafte Abmeldungen, wie sie User auf Facebook androhen oder wie dieses Youtube-Video mit dem Titel "Kleiderkreisel verliert seine Community" vermuten lässt, will das Unternehmen nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil. "Die Zahl unserer Mitglieder wächst jeden Tag und die Zahl der aktiven Mitglieder war letzte Woche um 1,6 Prozent höher als die Woche davor. Auch diese Woche können wir eine höhere Prozentzahl aktiver Nutzer feststellen", sagt Janauskas.

Doch diejenigen, die sich über die Änderungen empören sind gut vernetzte Mitglieder mit Einfluss in der Community und sorgen daher dafür, dass der Shitstorm weiter tobt. Die eigene Philosophie des Unternehmens scheint dafür noch Futter zu geben. Denn das Start-up positionierte sich von Anfang an als Teil der Share-Econnomy (man kann Klamotten auch mit anderen Mitglidern tauschen statt zu kaufen) und pflegte das Image als Anti-Kommerz-Unternehmen, das an Nachhaltigkeit orientiert ist. Dieses Image scheint dem Unternehmen jetzt in dem Bemühen, selbst profitabel zu werden, zu schaden. "Die Einführung von Gebühren ist natürlich eine große Umstellung und wir verstehen die Reaktionen und Bedenken unserer Mitglieder", gibt Janauskas zu. Doch die Mission sei es noch immer, Second-Hand zur ersten Wahl zu machen. Allerdings müsse Kleiderkreisel unternehmerisch denken: "Wenn wir uns nicht selbst finanzieren können, können wir diese Plattform nicht weiter anbieten", so der Gründer.

Finanziert wird Kleiderkreisel teilweise über Werbung, aber auch durch Investoren. So konnte die Mutterfirma Vinted Anfang 2014 eine Finanzierung von 27 Millionen Euro einsammeln.


9 Kommentare

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Anonymous User 31. August 2015

Ich bin sehr enttäuscht von Kleiderkreisel. Werde mich löschen, sobald die Gebühren Pflicht sind. Danach bin ich nur noch bei www.miralia.de die für mich einzige Alternative.

Anonymous User 29. Januar 2015

Der größte Dreck, den es im Internet gibt! Man wird mehr oder weniger gezwungen, dass Bezahsystem zu nutzen, tut man dies nicht, wird man gesperrt. Ist mir jetzt nun schon zum zweiten Mal passiert, da ich Mitgliedern, die mich privat gefragt haben, deutlich gesagr habe, dass ich gegen das Bezahlsystem bin. KK ist reine Abzocke. Die machen was sie wollen.

Anonymous User 8. Dezember 2014

Ich habe soeben eine Unterschriftenaktion gegen das neue Bezahlsystem von KK entdeckt:
http://www.avaaz.org/de/petition/Kleiderkreisel_Bei_den_Wurzeln_bleiben_gegen_die_Kommerzialisierung/?cPTzLdb

Denkt ihr, dass das was bringt?
Es fehlen nur noch wenige Zustimmungen... Von daher: Verbreitet diesen Link und geht BITTE unterschreiben!!!

Anonymous User 12. November 2014

Auch ich bin "Kreislerin" und fleißige Leserin der W&V. Die Einführung einer Gebühr finde ich legitim, allerdings empfinde ich 10% + 50ct als sehr hoch. Vor allem bei jungen Nutzerinnen, denen es um das Ergattern neuer Teile für wenig Geld geht, kann ich verstehen, dass sie "abwandern". Der Verkäufer wird die anfallenden Gebühren durch einen Preisaufschlag wieder "reinholen" wollen.

Die Kommunikation ist wirklich dürftig und die Zensur in Foren groß. Das finde ich schade! Eher sollte man versuchen, die Problematik verständlich zu erklären. Ich bin mir sicher, der ein oder andere hätte Verständnis und die Nutzer, denen es um den nachhaltigen Aspekt geht, blieben eher bei Kleiderkreisel.

Anonymous User 7. November 2014

Das Plus an Mitgliedern ist einzig der hohen Zahl an Doppelaccounts von durch den Protest gesperrten Usern, von bekannten Usern für die Nacktfoto-Femenprotestthreads und Aufrufe zur Anteilnahme am Shitstorm auf Imageboards und sozialen Netzwerken zu verdanken. Dass Kleiderkreisel glaubt, dass es sich hierbei um künftig zahlende Kundschaft zeigt einfach nur ihr absolut realitätsfernes Denken auf.

Anonymous User 6. November 2014

Selbst als Teile der Community schon informiert waren (und verständlicherweise verärgert über die zunächst nichtvorhandene Kommunikation mit den Mitgliedern) schickten die Verantwortlichen KEINE Rundmail. Das sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen; Aufklärungsarbeit ist leider etwas anderes.
Stattdessen wurden einzelne "einflussreiche" Mitglieder angeschrieben, wie toll doch das System sei und wieso nur so tolle Mitglieder sich so einem Aufrur anschließen.
Dann sei hierbei noch erwähnt dass Privatnachrichten die das Wort "Kleiderkorb" in Betreff oder Nachricht enthielten gelöscht wurden - wer will schon zulassen dass sich die Community über die Konkurrenz informiert?
Dies soll keine Hetze darstellen. Community-Mitgleider können diese Aussagen bestätigen; sie dienen der Richtigstellung von Tatsachen und der Erweiterung eines Bildes um seine Schatten.

Anonymous User 5. November 2014

KK-User haben Verständnis, dass für eine gute Dienstleistung ein angemessener Betrag geleistet werden könnte. Aber:
hier geht es um satte Profite für den Kleiderkreisel
Zehn Prozent des Artikelpreises und 50 Cent Transaktionsgebühr? "Das ist hoch", sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale NRW. Eigentlich habe Kleiderkreisel einen sozialen und keinen gewerblichen Hintergrund. "Das ist eine Geschäftsentscheidung. Kleiderkreisel läuft aber Gefahr, dass sich die Leute abwenden." Den Vorwurf der Kommerzialisierung müsse sich das Team gefallen lassen.
Kritisiert wird in den Foren die Vorgehensweise und Argumentation seitens der derzeitigen Eigentümer , alles diene nur der Sicherheit, das Bezahlsystem werde deshalb eingeführt. "Heute glauben wir, den nächsten Schritt wagen zu können. Darum führen wir das Kleiderkreisel Bezahlsystem bald ein. Das heißt, wir legen den Fokus auf sichere Transaktionen und Zuverlässigkeit." http://www.kleiderkreisel.de/foren/neues-auf-kleiderkreisel/2670848-sicheres-bezahlsystem-auf-kk-warum
O.K. das ist marketing, allerdings sehr schlecht gemacht, zu durchschaubar.
Vor allen Dingen gibt es eine große Skepsis bis Ablehnung gegenüber Mangopay, die unser Geld sicher "verwahren" wollen. monika 60

Anonymous User 5. November 2014

Dass KK ein Plus von 1,6% an aktiven Nutzern verzeichnet kommt nicht von ungefähr: seit 2 Wochen wütet nun der Shitstorm auf Kleiderkreisel und das zu Recht, das Forum ist gefüllt mit Theras rund um die Neueinführung, die langsam zu den Mitgliedern durchsickerte, ohne das man dies von Anfang an auf Augenhöhe kommuniziert hätte - ein Kardinalfehler intelligenten Social Media Managements. Das Management von Kleiderkreisel hat hier in der Tat sehr umprofessionell gehandelt und die Rechnung leider ohne die Community gemacht. Auch ob sich eine System immer auf eine andere Zielgruppe, hier: die deutsche Community, übertragen lässt und dass noch ohne vorherige sorgfältige Marktanalyse, bleibt fraglich. Sicher ist: ohne Authentizität, Transparenz und Ehrlichkeit ist im Web 2.0 ist kein Blumentopf zu gewinnen.

Anonymous User 5. November 2014

...auch ich bin (entschuldigung: war) ein Mitglied bei Kleiderkreisel und fleissige W&V-Leserin, deshalb interessiert mich das ganz besonders. Der Shitstorm wütet schon sehr lange, etwa seit 2 Wochen und es wundert mich, erst jetzt hier davon zu lesen.

Den facebook-Likes nach zu urteilen hat KK hier sehr viel verloren, den auch "ent-liken" gehört zur Protestaktion. Der Konkurrent Kleiderkorb verdient sich hier gerade zig neue User, musste sogar einen weiteren Server freischalten. Es wurde hier auch eine Methode angelegt, um die bei Kleiderkreisel existierenden Bewertungen zu Kleiderkorb mitzunehmen. Ob Kleiderkreisel den Sprung in den "Kommerz" schafft, ist mir unter diesen Umständen fraglich...

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