Marissa Mayer :
Mehrere potenzielle Yahoo-Käufer verlieren Interesse

Der Verkauf des Internet-Pioniers Yahoo geht in die heiße Phase - allerdings sind schon einige potenzielle Bieter abgesprungen.

Text: W&V Redaktion

Ob der Zeitplan ein Zufall war? Am Montag läuft laut US-Medienberichten die Frist für erste Gebote für Yahoo ab - und erst am Tag darauf legt der mit Gegenwind kämpfende Internet-Konzern aktuelle Quartalszahlen vor. Die Schätzungen, wie viel das Web-Geschäft von Yahoo einbringen kann, reichen von vier bis acht Milliarden Dollar.

Egal, wie die neuen Geschäftszahlen im Detail ausfallen werden: Die grundsätzlichen Probleme des einstigen Web-Vorreiters, bei dem das Geschäft mit Online-Werbung trotz aller Anstrengungen nicht so recht in Gang kommt, sind hinreichend bekannt. Und viele der angeblich rund 40 Interessenten winkten nach jüngsten Informationen bereits ab.

Das "Wall Street Journal" schrieb am Montag, unter denen, die sich gegen ein Gebot entschlossen hätten, seien die Google-Mutter Alphabet, der Medienkonzern Time, die Telekom-Riesen AT&T und Comcast sowie die Internet-Firma IAC, zu der etwa die Dating-Plattform Tinder gehört. Die britische Zeitung "Daily Mail" versuche unterdessen weiterhin, Finanzinvestoren als Geldgeber zu gewinnen, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Dem Finanzdienst Bloomberg zufolge will auch Microsoft keinen neuen Versuch einer Yahoo-Übernahme wagen.

Als aussichtsreichster Anwärter gilt der Telekommunikations-Gigant Verizon. Er könnte die Medienangebote von Yahoo mit seiner Web-Sparte AOL zusammenrühren, in der die für über 300 Millionen Dollar gekaufte "Huffington Post" sowie diverse Blogs wie "TechCrunch" stecken. Analysten spekulieren, ob sie zusammen genug Gewicht hätten, um es mit Schwergewichten des Online-Werbegeschäfts wie Google oder Facebook aufzunehmen.

Bei Yahoo musste Googles einstige Vorzeige-Managerin Marissa Mayer feststellen, dass im Alleingang bei einem nur noch kleinen Player im Web-Geschäft keine großen Sprünge möglich sind. In mehr als drei Jahren gelang es ihr zwar, mehr Umsatz bei Video und anderen Medien-Inhalten zu machen - aber zugleich schwächelt das klassische Yahoo Anzeigengeschäft, so dass die Erlöse unterm Strich stagnieren. Auch bei den Zahlen für das erste Quartal erwarten Marktbeobachter keine Veränderung.

Die vergangenen Monate waren zudem von Chaos geprägt. Erst wollte Mayer die Beteiligung von 15 Prozent an der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba, die nach aktuellen Kursen fast 29 Milliarden Dollar wert ist, verkaufen und den Erlös an die Aktionäre ausschütten. Doch dann weigerten sich die US-Behörden zuzusichern, dass der Deal steuerfrei bleiben würde. Und deshalb wurde kurzerhand stattdessen der Rest zum Verkauf gestellt. Gebote abgeben konnte man den Berichten zufolge für alle möglichen Yahoo-Teile in verschiedenen Kombinationen: Web-Geschäft, Medien-Angebote, Yahoo Japan.

Der Großaktionär Starboard, der schon lange Front gegen Mayer macht, beschwerte sich öffentlich, man habe den Eindruck, Yahoo wolle gar nicht aufrichtig verkaufen. "Es war ein verdammter Witz", sagte ein ranghoher Manager bei einem Finanzinvestor, der mitbieten wolle, der Magazin "Fortune" zu dem Verkaufsprozess. Unter anderem sei es schwer gewesen, aus der Yahoo-Chefetage - inklusive Mayer - Informationen zur zukünftigen Entwicklung des Unternehmens herauszupressen. (dpa)


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