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#Neknomination: Wie ein Trinkspiel uminterpretiert wird

Bei dem Facebook-Spiel #Neknomination schüttet sich die Jugend der Welt vor laufender Kamera literweise Alkohol in die Kehle und postet das Ergebnis dann bei Facebook. Inzwischen versuchen Nutzer aber, das Spiel zu verändern, um die Welt zu verändern.

Text: Franziska Mozart

Bei dem Facebook-Spiel #Neknomination schüttet sich die Jugend der Welt vor laufender Kamera literweise Alkohol in die Kehle und postet das Ergebnis dann bei Facebook. Wer diese Selbsterniedrigung mitgemacht hat, nominiert drei Freunde, die 24 Stunden Zeit haben, ebenfalls ein solches Video zu drehen und zu veröffentlichen. Suchtberater warnen bereits vor dem großen sozialen Druck warnen, der dadurch aufgebaut wird. Auch erste Todesfälle soll es angeblich schon geben haben. Die Jugend selbst aber zeigt sich kreativ dabei, dieses Schneeball-System zu durchbrechen. Inzwischen gibt es die ersten Videos, bei denen "Nominierte" sich der Trinkerei entziehen und stattdessen ihr Video einem guten Zweck widmen.

Brent Lindeque etwa gab in Südafrika einem Obdachlosen ein Sandwich, einen Schokoriegel und eine Flasche Cola, filmte sich dabei und nominierte drei Freunde, es ihm gleichzutun. Nachahmer hat er schon, die ihre Aktion unter dem Motto "South African Neknomination" veröffentlichen. So wurden bereits weitere Essenspakete verteilt und ein Mädchen spendete Bücher an ein Kinderheim. Das große Ziel dahinter: Das Spiel Neknomination soll sich verändern, um die Welt zu verändern.

Aufgrund der verwendeten Musik sind die meisten Videos in Deutschland leider gesperrt, hier aber eine verfügbare Version der wohltätigen Neknomination:

Das ursprüngliche Trinkspiel stammt laut "Abendzeitung München" aus Australien, verbreitete sich aber schnell über die ganze Welt. Die Facebook-Seite zu dem Hype hat seit 19. Januar über 33.000 Fans animiert, auf den "gefällt-mir"-Button zu klicken, die meisten sind laut Statistik zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Auch wenn das Trinkspiel an sich völlig sinnentleert und angesichts der öffentlich zugänglichen Videos auch für die Reputation der User miserable ist – als Kommunikationsphänomen ist es spannend. Denn der Mechanismus ist so einfach, dass die rasante Verbreitung kein Zufall ist. Wenn ein User jeweils drei weitere animiert mitzumachen, dann wächst die Zahl der Beteiligten exponentiell.