Thomas Wagner :
"Perfide konstruierte Angriffe": Wagner sieht Verschwörung gegen Unister

Bei Unister ist die Öffentlichkeitsarbeit immer ein bisschen barocker als anderswo. Noch-Geschäftsführer Thomas Wagner orakelt jetzt öffentlich über "Sauereien", illegale Aktivitäten und "perfide konstruierte Angriffe" auf sein Unternehmen.

Text: W&V Redaktion

14. Jan. 2013 - 1 Kommentar

Unmittelbar vor seinem Rückzug in die zweite Reihe teilt Unister-Chef Thomas Wagner (u.a. fluege.de, ab-in-den-urlaub.de) noch einmal kräftig aus. In einer offiziellen Pressemitteilung seines Digital-Konzerns erklärt er die "Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate" (staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, Haftbefehle und Untersuchungshaft für mehrere Top-Manager) mit dem "erheblichen Wachstum von Unister" und dem dadurch entstandenen "großen Druck auf die Branche....der sich nun aus Teilen des Wettbewerbs mit erheblicher Energie gegen unser Unternehmen entlädt". Unister arbeite mit den meisten Marktteilnehmern zwar gut zusammen. Ein Teil der Branche werde "die Grenzen des Rechts" aber "ehrheblich überschreiten", so die Andeutungen aus der Leipziger Firmenzentrale. O-Ton Wagner: "Wir wissen, dass schwere Sauereien in Arbeit sind und richten uns darauf ein". Genaueres will er aber nicht mitteilen. "Mit schweren Sauereien meint Unister perfide konstruierte Angriffe", erklärt sein Sprecher Konstantin Korosides auf W&V-Anfrage.

Nach der Affäre um zweifelhafte Versicherungsdienstleistungen und Datenschutzmängel hatte Wagner seinen Rückzug aus der Geschäftsführung angekündigt. Die Suche nach seinem Nachfolger sei "so gut wie beendet", heißt es in Leipzig. Um seine Kritiker zu besänftigen will das Unternehmen außerdem einen unabhängigen Datenschutzverantwortlichen engagieren und seine Innenrevision ausbauen. Unister werde dadurch "transparenzfähiger", verspricht Wagner. Das abgelaufene Jahr war nach Darstellung des Unternehmens das erfolgreichste seiner Geschichte. Die vermittelten Reiseumsätze seien um mehr als 40 Prozent gestiegen, teilte Unister mit. Detailierte Zahlen nennen die Leipziger aber nicht. Unister beschäftigt nach eigener Darstellung rund 1.900 Menschen, "davon mehr als 1.700 im Freistaat Sachsen".

Der Hinweis auf die Arbeitsplätze bei Unister zeigt in der sächsischen Politik immer wieder Wirkung. Anfang Januar hatte sich die Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla im Fall der umstrittenen Versicherungspolicen die Unister-Darstellung offiziell zu eigen gemacht ("Ursache der Probleme bei Unister ist folgende:...") und mit Hinweis auf "die üblichen Herausforderungen eines extrem stark wachsenden Unternehmens" um Verständnis für Wagner geworben. Kudla forderte in einer Pressemitteilung vom 9. Januar "alle beteiligten Behörden und Banken, die gegenwärtig mit Unister befasst sind, auf, mit Besonnenheit im Interesse des Erhalts des Unternehmens Unister zu handeln". Finanz- und Strafrechtsbehörden müssten "die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren".

Noch emotionaler warf sich der Leipziger Landtagsabgeordnete Ronald Pohle für Unister in die Bresche. Der CDU-Mann war laut "Leipziger Volkszeitung"  "so erschüttert über die Justiz und ihren Umgang mit Untersuchungsgefangenen", dass er sein Amt als Anstaltsbeirat der Justizvollzugsanstalt Leipzig niederlegte. Pohle war nach LVZ-Informationen der Besuch bei einem inhaftierten Unister-Manager verwehrt worden. "Letztlich ging es mir aber nur darum, mich über den Zustand des Häftlings kurz vor Heiligabend zu erkundigen", zitierte ihn die Zeitung. "Als Abgeordneter sehe ich darin meine Pflicht."


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1 Kommentar

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Anonymous User 15. Januar 2013

Es ist mir eine grosse Genugtuung solche Nachrichten zu lesen. Wer geschäftlich mit Unsiter, und damit T. Wagner (ausser ihm trifft dort Niemand Entscheidungen), zu tun hatte. wird mich verstehen.

Ich kann mich leider nicht so ausdrücken, wie es die Netiquette erfordert, daher komme ich auch schon zum Ende:

"Perfide konstruierte Angriffe", ganz nach dem Sprichwort: "Was ich selber denk' und tu', das trau' ich auch den Andern zu".

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