Twitter-Bilanz :
Selbst Präsident Trump kann Twitter nicht helfen

Donald Trump ist nicht nur US-Präsident, sondern auch Twitter-König: Fünf bis zehn Tweets am Tag setzt @realDonaldTrump täglich ab, bestritt seinen Wahlkampf offensiv auf der Plattform. Die Twitter-Bilanz sieht trotzdem düster aus.

Text: W&V Redaktion

Für ihn ist Twitter unverzichtbar, um seine Sicht der Dinge zu verbreiten: Donald Trump (Twitterprofil @realDonaldTrump).
Für ihn ist Twitter unverzichtbar, um seine Sicht der Dinge zu verbreiten: Donald Trump (Twitterprofil @realDonaldTrump).

Donald Trump ist nicht nur US-Präsident, sondern auch Twitter-König: Fünf bis zehn Tweets am Tag setzt @realDonaldTrump täglich ab, bestritt seinen Wahlkampf offensiv auf der Plattform. Seit seinem Beitritt vor fast genau acht Jahren verbreitete er via Twitter rund 34.500 Kurznachrichten, er hat mittlerweile 24,3 Millionen Follower.

Die Twitter-Bilanz sieht trotzdem düster aus. Der Kurznachrichtendienst hat im vergangenen Quartal nicht von der Aufmerksamkeit für Donald Trump profitieren können. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer legte nur um 2 Millionen auf 319 Millionen zu. Vielleicht am überraschendsten: In den USA gab es gar keinen Zuwachs, es blieben unverändert 67 Millionen Nutzer. Im dritten Quartal hatte Twitter noch vier Millionen Nutzer dazugewonnen, davon eine Million in den USA.

Dabei hatte Trump sowohl auf der Zielgeraden des Wahlkampfs bis November und auch in seinen ersten Wochen als Präsident für viel Aufsehen mit seinen umstrittenen Twitter-Nachrichten gesorgt.

"Wenn der Trump-Effekt kein Wachstum der Nutzerzahlen bringt, was kann es dann?", kommentierte Analyst Michael Pachter von Wedbush Securities die Zahlen am Donnerstag. Sein Kollege Richard Kramer von Arete Research vermutet sogar, dass Trump schlecht für das Twitter-Geschäft sein könnte. Seine Tweets sorgten möglicherweise für so viele Konflikte, dass sie Werbekunden abschreckten, sagte er im US-Sender CNBC.

Die Werbeeinnahmen - Twitters wichtigste Geldquelle - sanken im Jahresvergleich leicht von 641 auf 638 Millionen Dollar. Dabei ist das Weihnachtsgeschäft traditionell ein gutes Quartal für Onlinewerbung. Der Quartalsverlust wuchs unterdessen auf 167 Millionen Dollar von 90 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Im gesamten vergangenen Jahr verlor Twitter damit knapp 457 Millionen Dollar nach bereits 521 Millionen Dollar 2015.

Mit einem Umsatzplus von 0,9 Prozent auf 717,2 Millionen Dollar verfehlte der Kurznachrichtendienst die Erwartungen der Analysten. Die Aktie verlor in einer ersten Reaktion am Donnerstag vorbörslich rund acht Prozent.

Im Herbst 2016 hatte Gründer Jack Dorsey angekündigt, mehr auf aktuelle Videos zu setzen. Zuletzt seien rund 600 Stunden Live-Video über den Dienst übertragen worden, hieß es. Allerdings sah sich mit 31 Millionen Nutzern nur rund jeder Zehnte etwas davon an. Im Oktober gab Dorsey bekannt, neun Prozent der weltweiten Stellen abbauen zu wollen. Der Kurznachrichtendienst kämpft schon seit längerem mit verlangsamtem Wachstum und roten Zahlen.  (W&V Online/dpa)


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