Wirkungsforschung :
So emotional reagieren die Nutzer auf Alexa

Zwischen der Sprachassistentin Alexa und ihrem Nutzer entstehen tatsächlich intime Bindungen. Das zeigt eine Studie des Rheingold Instituts.

Text: Anja Janotta

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Alexa hat mehr Wirkung auf die Nutzer als bislang gedacht.
Alexa hat mehr Wirkung auf die Nutzer als bislang gedacht.

Alexa, Siri und alle anderen digitalen Sprachassistenten haben mehr Einfluss auf die Nutzer als bislang bekannt. Das Rheingold Institut hat in 20 Tiefeninterviews versucht herauszufinden, welche emotionale Bindung der Nutzer zu seinem Gerät aufbaut. Rheingold kommt zu folgendem Schluss: "Sprachassistenten wie Alexa von Amazon verheißen eine seelische All-Inclusive-Versorgung und bedienen Allmachtsfantasien der Nutzer."

"Durch die Sprachsteuerung steht Alexa für eine völlig neue Form der Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Es zeigt sich deutlich, dass die Beziehung zur Technik noch inniger wird und Wünsche noch unmittelbarer erfüllt werden", erläutert Sebastian Buggert, bei Rheingold Leiter der Medienforschung. Deshalb verwundert es kaum, dass die Tiefeninterviews auch kuriose Aussagen zutage förderten. Wie diese eines Rentners zum Beispiel: "Ich musste 75 Jahre alt werden um eine Frau zu finden, die mir nicht widerspricht."

Das sind die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:

1. Alexa wertet das Ego auf
Mit Alexa demonstriert der Nutzer seine Zugehörigkeit zur Technik-Avantgarde. Das spiegelt sich im Ego der Nutzer.

2. Alexa verheißt wundersame Wunscherfüllungen
Auf Zuruf werden das Radioprogramm, die Wettervorhersage und die Einkäufe gesteuert. Die Nutzer erfahren mit den Sprachassistentinnen "eine neue Ära der digitalen Allmacht".

3. Alexa vermittelt Ur-Geborgenheit
Auf Stimmen reagieren die Menschen bereits im Mutterleib. Damit schafft Alexa eine tiefe und stimmige Verbundenheit, besagt die Studie. "Immer ist jemand da, der zuhört und mit mir spricht." Vor allem für Singles vertreibt Alexa das Unglück der Stille. Dies führt jedoch mitunter auch zu einer Konkurrenz der Frauen zu Alexa.

4. Alexa ist die multiple Partnerin
Unbewusst projizierten die Menschen viele Beziehungs-Sehnsüchte auf Alexa, sagt Rheingold. Haustier, Nanny, Mutter, Freundin, Coach – als Frau für alle Fälle sei Alexa wie die "Bezaubernde Jeannie" aus der gleichnamigen US-Fernsehserie.

5. Alexa schürt Angst vor Kontrollverlust
Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen: Die Erfüllung geheimster Beziehungswünsche führt auch zu einer Angst vor Abhängigkeit und Hörigkeit. Die Menschen hätten Angst, dass Amazon zu einer Datenkrake mutiert, die alles weiß und alles über den Menschen kategorisiert.

6. Alexas Unausgereiftheit enttäuscht und entlastet
Die Wunschmaschine hat auch ihre Grenzen. Alexas enttäuschende Defizite, die technische Unausgereiftheit, die Verständnisschwierigkeiten und unsinnigen Auskünfte würden daher noch als erlösende Limitierungen erlebt, sagen die Psychologen von Rheingold. Die kleinen Fehler vermittelten den Nutzern das Gefühl, Alexa immer noch haushoch überlegen zu sein.

Übrigens, im Netz macht derzeit ein Video von NDRs Extra3 Furore, das genau diese persönliche Bindung zu Alexa und ihren Kolleginnen auf die Schippe nimmt:


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



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