Alison Moore :
Soundcloud führt Werbung ein

Parallel zum Launch seines neuen Abo-Services führt der Streaming-Dienst Soundcloud Werbung in Deutschland ein. Chief Revenue Officer Alison Moore verrät im W&V-Interview, warum Soundcloud für Marketer interessant ist.

Text: Nadine Wenzlick

Alison Moore, Chief Revenue Officer von Soundcloud.
Alison Moore, Chief Revenue Officer von Soundcloud.

Parallel zum Launch seines neuen Abo-Services führt der Streaming-Dienst Soundcloud Werbung in Deutschland ein. Chief Revenue Officer Alison Moore verrät im W&V-Interview, warum Soundcloud für Marketer interessant ist.

Frau Moore, Werbung gibt es auf Soundcloud nun also auch hierzulande. Wollen Sie Spotify Konkurrenz machen?

Alison Moore: Ich hätte definitiv nichts gegen die Einnahmen von Spotify (lacht). Spotify hat bewiesen, dass Audio-Streaming großartige Möglichkeiten bietet, um junge Millennials und die Generation Z zu erreichen. Von daher – ja, wir machen ihnen Konkurrenz!

Warum sollen Marketer in Zukunft lieber bei Soundcloud werben?

Das Nutzenversprechen von Soundcloud ist in meinen Augen deutlich besser, da wir nicht nur die Menschen anlocken, die Musik hören wollen, sondern auch die Kreativen, die ihre Songs bei uns Hochladen und als Influencer und Tastemaker fungieren. Diese Kombination ist einzigartig, damit heben wir uns von anderen Streaminganbietern ab. Zudem sind Marken immer bestrebt, mit etwas Neuem und Einzigartigem assoziiert zu werden, und wir bringen sie auf authentische Weise mit neuen Talenten zusammen.

Welche Werbeformate bietet Soundcloud?

Unser Angebot ist sehr vielfältig, wir bieten Audio-Anzeigen, horizontale und vertikale Video-Werbung, aber auch Native In-Stream-Advertising, promotete Profile und Tracks oder Creator-Partnerschaften. So können Marken ganz nah an Talente herankommen. Mein Lieblingsbeispiel ist unsere Kampagne mit Heineken und dem niederländischen DJ Sam Feldt.

Was hat es damit auf sich?

Die Musik von Sam Feldt passt gut zu dem Vibe, den Heineken für seine Kampagne suchte, also brachten wir die beiden zusammen. Sam Feldt schrieb einen Track, der exklusiv auf der Heineken Soundcloud-Seite verfügbar war und seine Follower deshalb dorthin holte. Außerdem trat er beim Ultra Music Festival in Miami im Heineken House auf – und machte sich auf der Bühne ein Heineken auf. Das klingt schon fast kitschig, aber es war wunderbar zu sehen, wie die Marke erlebbar wurde. Soundcloud bietet also nicht nur Reichweite und Aufmerksamkeit, sondern auch die Möglichkeit, etwas völlig Einzigartiges zu schaffen.

Wollen Musiker und Kreative so sehr eins werden mit einer Marke?

Das ist eine berechtigte Frage – allerdings sind auch Musiker Geschäftsleute und auf der Suche nach Einnahmequellen. Sie haben eine Vision für ihr Business und sagen natürlich nicht blind ja, aber wir arbeiten mit Marken, die besonders sind und zu Soundcloud passen. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass sie auch zu den Künstlern passen. Das ist für beide Seiten eine tolle Möglichkeit.

In Amerika begann Soundcloud sein Werbeprogramm schon im August 2014. Warum hat es in Deutschland so lange gedauert?

Wir mussten zunächst ein Team aufbauen und Konzepte für unsere Markenkunden entwickeln. Indem wir in den USA angefangen haben, konnten wir uns ausprobieren und herausfinden, was am Besten funktioniert. 2015 war für uns in Sachen Werbung das Jahr Zero, 2016 folgten Markteinführungen in Großbritannien, Irland, Frankreich, Australien, Neuseeland, Kanada und nun eben auch Deutschland. Wir sind jetzt viel besser aufgestellt und können den Marken mehr bieten als zu Beginn.

Wie schlägt sich das in den Werbeeinnahmen in den genannten Ländern nieder?

Wir nennen keine konkreten Zahlen, aber ich kann sagen, dass wir zuletzt Wachstum im zweistelligen prozentualen Bereich verzeichnen konnten. Ich bin sehr zufrieden mit der Geschwindigkeit, in der unsere Werbeeinnahmen steigen, vor allem im Bereich Native Advertising. Denn genau darin unterscheiden wir uns von anderen.

Was versprechen Sie sich von dem deutschen Markt?

Unsere Launch-Partner geben eine Idee, wo es hingehen kann: SkullCandy, Foodora, Tunecore und Zalando schalten bereits Display- und Audio-Anzeigen in Deutschland. In den kommenden Monaten wollen wir so viele Beziehungen wie nur möglich aufbauen um Soundcloud den Werbern, Marketern und Agenturen vorzustellen und spannende Kampagnen zusammen zu entwickeln. Es gibt so viele Marken, die genau unsere Zielgruppe haben, nämlich die Gen Z und Gen Y, dass uns die Tür weit offen steht.

Zeitgleich zu den Werbeformaten wurde auch der kostenpflichtige Abo-Service Soundcloud Go eingeführt, der werbefreies Hören sowie Musik im Offline-Modus bietet. Bisher war Soundcloud eine Plattform für neue Talente - anders als Spotify, iTunes und Co. Nun scheint sich das Angebot anzugleichen. Könnte das die alten Soundcloud-Nutzer nicht vergraulen?

Auf den ersten Blick könnte man das denken, aber wir legen viel Wert darauf zu kommunizieren, dass Soundcloud Go lediglich eine Ergänzung ist. Nichts von dem, was unser Angebot ausmacht, verschwindet. Im Gegenteil – die Möglichkeiten werden nur größer. Soundcloud umfasst nun 135 Millionen Tracks, der größte Musikkatalog überhaupt. Unsere Nutzer können ihren Lieblingskünstlern weiterhin auf Soundcloud folgen, haben über Soundcloud Go aber auch Zugang zu deren Backkatalog. Vorher brauchte man dafür verschiedene Dienste, nun kriegt man alles bei einem.

Damit hat Soundcloud nun drei Einnahmequellen: Die Pro-Accounts der Musiker, den Abo-Service und die Werbung.

Ich komme vom Fernsehen, da hieß es immer zwei Einnahmequellen sind gut: Kabelgebühren und Werbung. Dass wir nun drei haben, ist eine tolle Situation.

Welche Pläne haben Sie mit Soundcloud für das kommende Jahr?

2017 wollen wir sowohl auf Soundcloud als auch auf Soundcloud Go weitere Features einführen und einmalige Nutzererlebnisse schaffen. Außerdem wird es hoffentlich noch mehr Marketingmöglichkeiten geben. Und höchstwahrscheinlich werden wir weitere Märkte angehen. Ich denke wir haben dieses Jahr im wahrsten Sinne des Wortes den Go-Knopf gedrückt.

Sind 135 Millionen Songs nicht viel zu viele für ein Leben?

(Lacht) Es können nie zu viele Songs sein! Und die Konsumenten haben eben gerne die Wahl.

Über Soundcloud:

Soundcloud wurde im Jahr 2008 von Alexander Ljung und Eric Wahlforss gegründet und entwickelte sich zu einer Werbeplattform für Musiker, die ihre Audiodateien über das Netzwerk teilen können. Im November 2016 schloss das Unternehmen eine Vereinbarung mit dem Lizenz- und Verarbeitungsdienst International Copyright Enterprise (ICE) und erweiterte den Katalog um alle gängigen Labels und etablierten Künstler. Der Abo-Service Soundcloud Go bietet rund 135 Millionen Tracks. Weltweit hat Soundcloud aktuell laut eigenen Angaben rund 175 Millionen monatliche Nutzer.