Aber: Die Grundsatzdiskussion hat bewirkt, dass sich bei den Protagonisten und ihren Zuschauern ein stärkeres Verständnis für die Problematik eingestellt hat. So viel zur Vorgeschichte.

Heute geht es um Prominente, die vor allem auf Facebook deutlich größere Reichweiten haben als die Youtuber und mit Kooperationen auf diesen Plattformen auch meistens deutlich mehr verdienen: Schauspieler, Fußballer, Comedians, Models. Mit Millionen Likes und enorm großer Bekanntheit in der breiten Masse der Internetnutzer sind sie auch als reichweitenstarke Influencer unterwegs, und es unterscheidet sie in diesem Punkt nichts (mehr) von Youtubern. Bis auf einen Fakt: Es scheint bisher niemanden zu interessieren, ob auch sie wohl Schleichwerbung machen. Und davon ebenfalls nicht wenig.

Ob ein bekannter Fußballer Schuhe promotet oder ein Sänger ganze Werbespots von großen deutschen Firmen auf seiner Seite veröffentlicht – die Liste ist endlos lang.

Viele dieser Beiträge sind sicher Teil größerer Kooperationen, die im Zusammenhang mit langfristigen Testimonialverträgen stehen.

Oder glaubt jemand, dass jener Sänger aus Spaß mehrmals in zwei Wochen Werbespots von Marken auf Facebook gepostet und Gewinnspiele verlinkt hat, ohne einen Cent dafür gesehen zu haben?

Vielen ist bestimmt klar, dass diese Beiträge Werbung sind. Dennoch muss eine Kennzeichnung erfolgen, da es für jeden zweifelsfrei erkennbar sein muss. Ob "Werbung", "Anzeige" oder "in Kooperation mit" darüber steht, ist egal. Jedoch ist das immer noch enorm selten zu finden – und das, obwohl die Platt formen sogar automatisch Hilfe bei der Kennzeichnung anbieten.

Wieso interessiert das anscheinend niemanden? Den "Tagesthemen" war es zu meiner Zeit bei Y-Titty eine Meldung wert, dass Youtuber angeblich Schleichwerbung betreiben. Aber der gleiche Sachverhalt fällt bei teilweise weltweit bekannter A-Prominenz nicht auf?

Wenn Manager, Agenturen und auch die Verantwortlichen der Marken, die sich um diese Deals kümmern, so etwas Wichtiges nicht wissen, sollten sie sich informieren. Man kann im Falle von Unsicherheit die Medienanstalten einfach fragen. Unwissenheit ist keine Schande, es bewusst zu ignorieren jedoch schon.

Als Ex-Youtuber kann man mir schlecht vorwerfen, ich würde hier nur "meine Plattform" schützen wollen. Mit mehr Abstand wurde auch ich kritischer und finde nicht jede Entwicklung der Influencer-Welt toll. Aber: Wenn etwas grundlegend nicht fair ist, muss man das auch ansprechen. Auch wenn das ehrlicherweise schon früher hätte passieren müssen.

Zweierlei Maß ist nie gut, deswegen muss bitte auch jeder Influencer gleich behandelt werden. Schließlich verdienen alle Geld damit, einige sogar ganz gutes.

Der Autor: 

Oguz Yilmaz war Mitglied des Comedy-Trios Y-Titty. Nach seinem Ausstieg hat er gemeinsam mit Lukas Schneider die Agentur Whylder gegründet.

Der Text stammt aus der aktuellen W&V 50/2016.


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