Ex-Youtuber Oguz Yilmaz und seine "200 Zeilen Zorn" :
Stell dir vor, es ist Schleichwerbung und keiner regt sich auf

Der frühere Erfolgs-Youtuber Oguz Yilmaz ist genervt, weil für Promis in Sachen Schleichwerbung verschiedene Maßstäbe gelten. Das Ex-Y-Titty-Mitglied rechnet in der W&V-Rubrik "200 Zeilen Zorn" mit dieser Heuchelei ab.

 

Text: W&V Leserautor

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Der frühere Erfolgs-Youtuber Oguz Yilmaz ist genervt, weil für Promis verschiedene Maßstäbe gelten.
Der frühere Erfolgs-Youtuber Oguz Yilmaz ist genervt, weil für Promis verschiedene Maßstäbe gelten.

Der frühere Erfolgs-Youtuber Oguz Yilmaz ist genervt, weil für Promis in Sachen Schleichwerbung verschiedene Maßstäbe gelten. Das Ex-Y-Titty-Mitglied, heute Geschäftsführer der digitalen Kreativagentur Whylder, rechnet in der W&V-Rubrik "200 Zeilen Zorn" mit dieser Heuchelei ab.

 

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es einen riesigen Aufschrei über Schleichwerbung auf Youtube. Jeder, der irgendetwas mit Medien macht, gab seinen Senf dazu: Youtuber machen Schleichwerbung! Das ist illegal! Sie verdienen viel Geld damit! Das muss gestoppt werden!

Für die betroffenen Youtuber war das eine harte Zeit. Aber: Die Diskussion war natürlich berechtigt und wichtig, um die Regeln zur Kennzeichnung von bezahlten Inhalten im Social Web klarer zu definieren.

Es gab ja nur den Rundfunkstaatsvertrag, und als Laie konnte man daraus auf den ersten Blick nicht erkennen, wie man korrekt bezahlte Kooperationen auf Plattformen wie Youtube oder Facebook richtig kennzeichnen soll. Im vergangenen Jahr haben die Medienanstalten dann ein FAQ-Papier veröffentlicht und beschreiben darin anhand einiger Beispiele, wie die Kennzeichnung aussehen könnte und wann sie zwingend erforderlich ist.

Dass Kooperationen vor dieser Zusammenfassung kaum bis gar nicht gekennzeichnet waren, sollte man nicht entschuldigen. Die fehlende Kennzeichnung ist aber vielleicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass es sich häufig um Teenager handelte, die ihre Videos in ihren Jugendzimmern gedreht haben. Die meisten Youtuber waren eben keine Profis mit einem Dutzend Medienanwälten im Rücken und sind es auch heute nur selten.

Aber: Die Grundsatzdiskussion hat bewirkt, dass sich bei den Protagonisten und ihren Zuschauern ein stärkeres Verständnis für die Problematik eingestellt hat. So viel zur Vorgeschichte.

Heute geht es um Prominente, die vor allem auf Facebook deutlich größere Reichweiten haben als die Youtuber und mit Kooperationen auf diesen Plattformen auch meistens deutlich mehr verdienen: Schauspieler, Fußballer, Comedians, Models. Mit Millionen Likes und enorm großer Bekanntheit in der breiten Masse der Internetnutzer sind sie auch als reichweitenstarke Influencer unterwegs, und es unterscheidet sie in diesem Punkt nichts (mehr) von Youtubern. Bis auf einen Fakt: Es scheint bisher niemanden zu interessieren, ob auch sie wohl Schleichwerbung machen. Und davon ebenfalls nicht wenig.

Ob ein bekannter Fußballer Schuhe promotet oder ein Sänger ganze Werbespots von großen deutschen Firmen auf seiner Seite veröffentlicht – die Liste ist endlos lang.

Viele dieser Beiträge sind sicher Teil größerer Kooperationen, die im Zusammenhang mit langfristigen Testimonialverträgen stehen.

Oder glaubt jemand, dass jener Sänger aus Spaß mehrmals in zwei Wochen Werbespots von Marken auf Facebook gepostet und Gewinnspiele verlinkt hat, ohne einen Cent dafür gesehen zu haben?

Vielen ist bestimmt klar, dass diese Beiträge Werbung sind. Dennoch muss eine Kennzeichnung erfolgen, da es für jeden zweifelsfrei erkennbar sein muss. Ob "Werbung", "Anzeige" oder "in Kooperation mit" darüber steht, ist egal. Jedoch ist das immer noch enorm selten zu finden – und das, obwohl die Platt formen sogar automatisch Hilfe bei der Kennzeichnung anbieten.

Wieso interessiert das anscheinend niemanden? Den "Tagesthemen" war es zu meiner Zeit bei Y-Titty eine Meldung wert, dass Youtuber angeblich Schleichwerbung betreiben. Aber der gleiche Sachverhalt fällt bei teilweise weltweit bekannter A-Prominenz nicht auf?

Wenn Manager, Agenturen und auch die Verantwortlichen der Marken, die sich um diese Deals kümmern, so etwas Wichtiges nicht wissen, sollten sie sich informieren. Man kann im Falle von Unsicherheit die Medienanstalten einfach fragen. Unwissenheit ist keine Schande, es bewusst zu ignorieren jedoch schon.

Als Ex-Youtuber kann man mir schlecht vorwerfen, ich würde hier nur "meine Plattform" schützen wollen. Mit mehr Abstand wurde auch ich kritischer und finde nicht jede Entwicklung der Influencer-Welt toll. Aber: Wenn etwas grundlegend nicht fair ist, muss man das auch ansprechen. Auch wenn das ehrlicherweise schon früher hätte passieren müssen.

Zweierlei Maß ist nie gut, deswegen muss bitte auch jeder Influencer gleich behandelt werden. Schließlich verdienen alle Geld damit, einige sogar ganz gutes.

Der Autor: 

Oguz Yilmaz war Mitglied des Comedy-Trios Y-Titty. Nach seinem Ausstieg hat er gemeinsam mit Lukas Schneider die Agentur Whylder gegründet.

Der Text stammt aus der aktuellen W&V 50/2016.


Autor:

W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.



2 Kommentare

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Anonymous User 18. Dezember 2016

Hey Oguz,

ich sehe es genauso wie du. Zweierlei Maß ist niemals gut.
Die Landesmedienanstalten bieten jedem, der einmal googelt, eine ausführliche Erklärung, wie gesponsorte Beiträge in sozialen Netzwerken gekennzeichnet werden sollten.
Viele klassische Social Influencer, Influencer-Agenturen, YouTube-Netzwerke etc. (also die klassischen "Onliner") halten sich bereits daran. Gut so!

Schade nur, dass klassische "Offline-Influenzer" (z.B. Fußballer, Schauspieler, Musiker und Co.) diese Guidelines noch immer nicht anwenden. Ist es denn so schwer ehrlich mit seiner Followerschaft zu sein - egal welcher Kaste man angehört?

Beste Grüße
Jen^^

Anonymous User 16. Dezember 2016

Lieber Oguz,

du hast vollkommen recht. Ich befürchte jedoch, das wir diese ungerechtigkeiten in der Welt nicht beseitigen werden können. Ich erinnere nur an das Beispiel "Tv Total" wo im Bildschirm später "Dauerfernsehsendung" eingeblendet wurde, damit man bei den anderen Sendungen "Turmspringen" ect. sich nicht weiter an "DauerWERBEsendung" stört. Es findet eine Konditionierung statt. Umso bedauerlicher das es schon frühzeitig Kinder und Jugendliche trifft. Es wird dort etwas rangezüchtet was sich später nicht mehr kontrollieren lässt. In gewisser weise auch eine Verwahrlosung. (u.a. Clickbait und co). Der Impuls muss von den Zuschauern ausgehen, oder aus innerer Motivation der Protagonisten, diese haben -verständlicherweise- kein Interesse daran "Werbung" zu kennzeichnen. Das kommt nicht gut an.

Caro

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