New York Times :
Studie und Reportage: Facebook fördert Fremdenhass in Deutschland

Eine Reportage der New York Times untermauert alarmierende Studienergebnisse: Demzufolge fördert Facebook den Fremdenhass. Ein Ort der Recherche war Altena in Nordrhein-Westfalen

Text: Belinda Duvinage

Ein Ergebnis der Studie: "Die Plattform macht Gemeinschaften anfälliger für rassistische Gewalt."
Ein Ergebnis der Studie: "Die Plattform macht Gemeinschaften anfälliger für rassistische Gewalt."

Anlass für die Reportage der New York Times waren die Ergebnisse der im Mai diesen Jahres aktualisieren Studie der Universität Warwick: Demnach finden Angriffe auf Flüchtlinge vor allem in Orten statt, in denen Facebook besonders intensiv genutzt wird. Die Wissenschaftler Karsten Müller und Carlo Schwarz untersuchten ortsbezogene Nutzungsdaten des sozialen Netzwerks aus den Jahren 2016 und 2017 und kamen zu dem Ergebnis, dass "Social Media als Verbreitungsmechanismus zwischen Online-Hassreden und realer Gewaltkriminalität fungieren kann." 

Reportage in Altena und Traunstein

Für die New York Times reisten die beiden Reporter Amanda Taub und Max Fisher unter anderem exemplarisch in das nordrhein-westfälische Altona und das bayerische Traunstein, um die Resultate aus Warwick zu überprüfen. In Altena hatte ein junger Feuerwehrmann den Dachstuhl eines Hauses, in dem Flüchtlinge wohnten, in Brand gesteckt. In Traunstein sind, wie in Altena, Facebook-Nutzung und Anti-Flüchtlingsgewalt ungewöhnlich hoch.

Die Journalisten kamen zu demselben Ergebnis wie die Studienleiter aus Warwick: "Altena ist ein Beispiel für ein Phänomen, das von Forschern, die sich mit Facebook auseinandersetzen, seit langem vermutet wird: Die Plattform macht Gemeinschaften anfälliger für rassistische Gewalt." Demnach habe der Täter aus Altena vor seiner Attacke auf Facebook immer wieder Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. "In der Offline-Welt entscheiden die Menschen gemeinsam, wem sie zuhören und wen sie ignorieren. Professionelle Pförtner wie Redakteure oder Parteiführer entscheiden, welche Stimmen zu erheben sind. Facebook überschreibt diese Praktiken."


Autor:

Belinda Duvinage

legt ein besonderes Augenmerk auf alle Marketing-Themen. Bevor die gebürtige Münchnerin zur W&V kam, legte sie unter anderem Stationen bei burdaforward und dem Münchner Merkur ein, leitete ein regionales Magazin in Göttingen und volontierte bei der HNA in Kassel. Den Feierabend verbringt sie am liebsten mit ihren drei Jungs in der Natur, auf der Yogamatte, beim perfekten Dinner mit Freunden oder, viel zu selten, einem guten Buch.