UDG :
UX-Check: Muss Sixt zur Inspektion?

UDG testet für W&V die User Experience bekannter Webseiten. In diesem Check sieht sich die Agentur die Webseite des Fahrzeugvermieters Sixt an.

Text: W&V Redaktion

UDG hat sich sixt.de vorngenommen.
UDG hat sich sixt.de vorngenommen.

Auf den ersten Blick machen viele Webseiten einen gelungenen Eindruck. Doch wie sieht es bei der User Experience aus, die nur Experten beurteilen können? Um das zu herauszufinden, analysiert Markus Lucht*, Managing Partner der UDG United Digital Group, die UX bekannter Webseiten.

So steht es um die Sixt-Seite

Als Nummer eins der Autovermieter in Deutschland bietet Sixt an fast 500 Stationen in allen größeren Städten Pkw-Modelle führender Hersteller. Zusätzlich verfügt das Unternehmen an immer mehr Stationen über LKWs und Transporter in verschiedenen Größen. Doch Sixt ist nicht nur für die Flotte, sondern auch für die provokanten Werbe-Slogans bekannt. Im Jahr 2015 wurde die Familie Sixt deshalb mit dem Deutschen Mediapreis als "Mediapersönlichkeit des Jahres" ausgezeichnet. Ob die Webseite sixt.de in Sachen User Experience überzeugen kann, zeigt unser Check.

Im Bereich Usability befindet sich sixt.de mit 2,0 von maximal fünf Punkten im unteren Mittelfeld. Die Buchung eines PKWs, eines LKWs und die Flottenübersicht sind unterschiedlich aufgemacht, dadurch geht die Konsistenz der Webpräsenz verloren. Auch sind die Primärseiten zum Reservieren eines Fahrzeuges und die sekundären Seiten für tiefergreifende Informationen unterschiedlich strukturiert.

So findet sich im Bereich "mySixt", wo der Nutzer seine Buchungen und Daten einsehen kann, zusätzlich zur Hauptnavigation eine weitere Navigation für die einzelnen Unterseiten; Elemente wie Dropdowns und Buttons werden nicht einheitlich dargestellt. Es besteht viel Optimierungspotenzial – zwar existiert die Möglichkeit, über viele Elemente auf der Startseite die entsprechenden Seiten in der Navigation anzusteuern, eine zusätzliche Suchfunktion ist jedoch nur für die Standorte gegeben und eine Sitemap wird ausschließlich auf der Sixt Leasing Partnerseite geboten. Zudem sind verwendete Bilder auf dem Smartphone betrachtet deutlich zu klein und nur schwer erkennbar.

Wo es hakt

Auch die Barrierefreiheit lässt deutlich zu wünschen übrig: Nicht alle Elemente lassen sich per Tastatur ansteuern und viele Texte sind innerhalb von Bildern verbaut, was die Möglichkeit zur Vergrößerung oder Ausgabe via Screenreader deutlich einschränkt. Die Farbe Orange weist mit einem Verhältnis von 2,6:1 zum hellem Hintergrund nicht genug Kontrast auf.

Bezüglich der Fehlertoleranz bietet sixt.de ein gut funktionierendes Autocomplete-Feature der Standortsuche. Auf Fehler in Formularfeldern wird jedoch nicht direkt beim Ausfüllen hingewiesen und das nachträgliche Ändern von Daten im Checkout-Prozess ist nicht möglich – die Option, einen Schritt zurückzugehen, existiert nicht. Auch wird hier jegliche Eingabe ohne Nachfrage verworfen, falls der Nutzer einen Link versehentlich anwählt.

Informationsgehalt variiert stark

Ein etwas besseres Ergebnis erzielt Sixt bei der Content Quality mit 2,7 Punkten. Die Textlänge auf den Startseiten ist im grünen Bereich, der Inhalt könnte jedoch übersichtlicher dargestellt sein. Denn obwohl mit Trennlinien und Zwischenüberschriften gearbeitet wird, ist die Auflistung der einzelnen Standorte jedoch aufgrund der Masse schwer zu erfassen. Die einzelnen Vorstellungsseiten der verschiedenen Stationen haben jedoch eine optimale Textlänge und Angebotsseiten sind durch Stichpunkte gut strukturiert, enthalten dennoch wenig Informationen.

Allgemein variiert der Informationsgehalt bei Sixt je nach Bereich stark. Positiv ist die Anzeige von grundlegenden Informationen in Form von Icons und entsprechendem Text bei der Auswahl von Fahrzeugen. Negativ fällt ins Gewicht, dass sich Fahrzeugdetails von Pkws nicht anzeigen lassen. Möchte der Nutzer beispielsweise wissen, wie viel PS ein Wagen hat, ist dies nur bei Lkws möglich.

In Bezug auf die multimediale Vielfalt bewegt sich SIXT ebenfalls auf dem Niveau der Wettbewerber. Das eingesetzte Bildmaterial auf den Primärseiten zur Buchung passt zur Zielgruppe und ist – im Gegensatz zu jenem auf diversen Sekundärseiten – qualitativ hochwertig. Auf der Hauptpräsenz existieren leider keine Videos, hier wird ausschließlich mit Fotos gearbeitet. Die Corporate-Partnerseite enthält zwar Bewegtbild im Headerbereich, Ton wird hier jedoch nicht eingesetzt.

Reservierung funktioniert effizient

Im Bereich Utility erreicht Sixt 3,0 Punkte. Der Inhalt ist nützlich und einfach zu verstehen. Das Ziel, auf sixt.de ein Fahrzeug zu reservieren, lässt sich im Großen und Ganzen effizient erledigen. Zur Navigation zwischen den einzelnen Unterseiten existiert eine Navigationsleiste, die den Nutzer direkt zwischen Autovermietung und Lkw-Vermietung wählen lässt. Zusätzlich ist dies in der Hauptnavigation "Menü" möglich.

Lkw- und Autovermietung besitzen jeweils eine eigene Startseite, von der aus Fahrzeuge, Stationen und Tarife eingesehen werden können. Hilfreich ist auch die Anmeldefunktion, die den Nutzer im Bereich "mySixt" seine Fahrzeugreservierungen einsehen und Rechnungen sowie persönliche Daten, Strafzettel und Schadensmeldungen verwalten lässt. Außerdem besteht die Option, mehrere Buchungsprofile anzulegen, sodass ein Account mit Freunden oder Familie geteilt werden kann.

Hinsichtlich der Dialogfähigkeit bietet sixt.de zwar stets Hilfestellungen, außer bei der Standortsuche existieren jedoch keine Automatismen. Während der Fahrzeugsuche wird der Nutzer durch Hinweise auf weitere verfügbare Angebote gelenkt. Wird eine Kontaktmöglichkeit gesucht, so findet der Nutzer einen Link im Footer. Wird ein Fehler auf der Seite entdeckt, kann mittels eines Feedback-Icons eine Bewertung hinterlassen werden. Das funktioniert, ohne die Seite zu verlassen – das Icon hierzu ähnelt jedoch dem eines Live-Chats, was eine Verwechslungsgefahr mit sich bringt.

Außerdem werden nach der Reservierung unerwartet weitere Daten wie Adresse und Telefonnummer erfragt, was auch von vornherein bereits gefordert hätte werden können. Dabei fällt negativ auf, dass sich die Checkbox zum Erhalt von Werbemails hinter einem Dropdown befindet und nicht deaktiviert werden kann. Sonst verhält sich die Sixt Webseite und die meisten ihrer Elemente den Erwartungen entsprechend.

Marke wird hervorragend dargestellt

Bei der Brand Perception erreicht Sixt mit 3,7 Punkten die höchste Punktzahl in diesem Check. Beim ersten Aufruf der Seite wird durch den Claim "rent a car" beziehungsweise "rent a truck" und das verwendete Bildmaterial direkt klar, dass es sich um eine Fahrzeugvermietung handelt. Zudem stellt sich das Unternehmen nach kurzem Scrolling vor. Durch das stets präsente Logo – auch auf allen mietbaren Trucks und im Lade-Icon – und die durchgängige Verwendung der Firmenfarbe Orange wird die Marke gut repräsentiert.

Die Marke wird trotz fehlender Videos auf der Startseite emotional präsentiert. Beim Aufruf der Seite mit dem Smartphone wird zudem auf die App hingewiesen, in der die Marke auch ohne Browsernutzung erlebt werden kann. Diese funktioniert gut und ist sogar konsistenter als die Webseite.

Leider hebt sich Sixt nur in geringem Ausmaß positiv von der Konkurrenz ab. Das Autocomplete-Feature der Standortsuche wird auf den Seiten der Wettbewerber ebenfalls eingesetzt, ebenso die Optionen, online oder bei Abholung/Rückgabe zu bezahlen. Ein Log-in-Bereich wird zum Beispiel auch von Europcar geboten. Enterprise glänzt durch eine Kartenansicht, auf welcher der gewünschte Standort ausgewählt werden kann, und Avis bietet unter anderem eine Livechat-Funktion. Zudem lässt sich bei Avis die Auswahl von Buchungsdetails im gesamten Checkout-Prozess ändern. Auch ist bei nahezu allen Konkurrenten die Option zum Ändern des Rückgabeortes prominenter, während diese bei SIXT leicht übersehen werden kann.

Der Spaß ist nur durchschnittlich

Beim Joy of Use schneidet Sixt mit 3,3 Punkten durchschnittlich ab. Der Nutzer wird passend zur Zielgruppe gesiezt, eine direkte Ansprache wird jedoch eher selten verwendet. Positiv fällt hingegen auf, dass SIXT versucht, mit Texten wie "Wir haben drei Angebote gefunden" Persönlichkeit einzubringen. Der Webauftritt des Unternehmens überzeugt vor allem auf den Primärseiten durch eine moderne Aufmachung mit großen Kacheln und einer übersichtlichen Aufmachung und zieht hier mit Konkurrenten wie Avis und Enterprise gleich.

Dennoch besteht wenig Innovationsgehalt, beispielsweise stellt Enterprise neben der oben genannten Standortauswahl auf einer Karte noch die Fahrzeugflotte als Cards dar, die bei Anwahl von "Details" umklappen, dies fühlt sich sehr intuitiv an. Dabei handelt es sich auch um eine gute Möglichkeit, wie die aktive Interaktion des Nutzers optimiert werden kann. Mit der Suche nach diversen Standorten und Fahrzeugen, (wenigen) Filterfunktionen – unter anderem in Form von einer Silhouetten-Auswahl – und der Auswahl von Extras mittels Checkboxen und Dropdowns bietet sixt.de zwar einige Interaktionen, Potenzial besteht dennoch.

Sixt macht bei dessen Webauftritt eine Menge richtig – aber auch vieles falsch. Zwar wirkt die Internetpräsenz des Unternehmens mit deren Markendarstellung auf den ersten Blick professionell und modern gestaltet, offenbart jedoch bei tieferem Einblick einige Schwächen. Gerade in Hinsicht der Usability und Konsistenz besteht viel Luft nach oben - eine einheitlichere Struktur würde dem Nutzererlebnis guttun. Zusätzlich bietet sixt.de aktuell nur eine geringe Differenzierbarkeit. Durch eine höhere multimediale Vielfalt und detailliertere Fahrzeugbeschreibungen könnte sich das Unternehmen vom Wettbewerb abheben.

*Zum Autor: Markus Lucht ist Managing Partner bei UDG United Digital Group und verantwortet den Bereich (User) Experience. Der 42-Jährige ist als ehemaliger Geschäftsführer einer der Gründungsagenturen (BB&K) ein "Eigengewächs" der UDG und seit Gründung der Agentur an Bord.

Zur Methodik: Untersucht wurde im Februar 2018 die User Experience anhand der fünf Hauptkriterien Usability, Content Quality, Utility, Brand Perception und Joy of Use in jeweils drei Unterkriterien. In den Unterkriterien werden jeweils bis zu fünf Punkte vergeben, deren Mittel dann die Punktzahl des Hauptkriteriums bildet. Deren Durchschnitt wiederum ergibt das Gesamtergebnis von maximal fünf Punkten.


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