Studie :
Was Nerds von Normalos unterscheidet

Wie groß sind die Mentalitäts-Unterschiede zwischen dauer-surfenden Nerds und Internetnutzern mit einer durchschnittlichen Online-Dauer? Dieser Frage ging das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) in der Studie "Digitale Mentalität II"

Text: Franziska Mozart

Wie groß sind die Mentalitäts-Unterschiede zwischen dauer-surfenden Nerds und Internetnutzern mit einer durchschnittlichen Online-Dauer? Dieser Frage ging das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) in der Studie "Digitale Mentalität II" nach und vergleicht dazu eine Umfrage unter den sogenannten Webaktiven  mit einer repräsentativen Umfrage unter allen deutschen Internetnutzern zwischen 14 und 69 Jahren.

Ein erster großer Unterschied zwischen den untersuchten Gruppen fällt bei der Alters- und Geschlechter-Struktur auf. Zwar sind auch unter den Internetnutzern mit 53 Prozent etwas mehr Männer als Frauen. Bei den Webaktiven sind es allerdings 83 Prozent und die sind vor allem jünger. 72 Prozent sind zwischen 20 und 39 Jahre und damit deutlich jünger als die Durchschnitts-Internetnutzer, bei denen 37 Prozent in dieser Altersgruppe sind.

Im Internet verbringen die Viel-Surfer fast doppelt so viel Zeit wie die Kontrollgruppe. Mit dem privaten Computer sind sie 173 Minuten am Tag online, die durchschnittlichen Internetnutzer nur 96 Minuten. Die liegen dafür beim Fernsehkonsum über TV-Geräte mit 119 Minuten vorne. Die Webaktiven sitzen dagegen nur 51 Minuten vor dem Fernseher. Sie nutzen andere Medien verstärkt über den PC und teilweise gleichzeitig, hören beispielsweise Radio, schauen fern oder lesen Nachrichten online.

Als Webaktive werden in der Umfrage User bewertet, die regelmäßig Beiträge in Diskussionsforen und Onlinelexia verfassen, Bewertungen und Testberichte schreiben, einen eigenen Blog betreiben und Kommentare in anderen Blogs hinterlassen, eine eigene Homepage betreiben Fotos und Videos ins Netz stellen und Profile in Community-Plattformen haben. Wer vier dieser Aktivitäten regelmäßig verfolgt, gilt in der Umfrage als Web-Aktivist.

Entsprechend hoch ist der Anteil derjenigen, die Forumsbeiträgen (41 Prozent) verfassen, eigene Websites haben (26 Prozent) und auf Twitter aktiv sind (23 Prozent). Das IFSE formuliert daraus die These, dass Webaktive Meinungsführer bei netzpolitischen Themen seien, die Diskussion im Netz mitgestalteten und daher politisch relevant seien.

In Hinblick auf Paid Contend dürften die Intensiv-Nutzer eine lohnenswerte Zielgruppe sein. Denn ihre Bereitschaft für Medieninhalte Geld auszugeben ist höher als bei den übrigen Internetnutzern. Monatlich bezahlen Webaktive dafür 77 Euro, die Kontrollgruppe 61 Euro. Allerdings besitzen Webaktive auch mehr illegal kopierte Inhalte. Bei 47 Prozent stammt über die Hälfte ihres Besitzes an Musik, Filmrn, Software und Spielen aus Raubkopien. Bei Internetnutzern sind es nur 11 Prozent. Als Argumente für die Nutzung von illegal kopiertem Content werden von den Befragten vor allem die Kosten und die bessere Usability genannt.

Über 40 Prozent beider Gruppen wünschen sich kostenfreie Inhalte aus Bildung und Wissenschaft. Wie dies finanziert sein soll, bleibt aber offen. Online-Werbung jedenfalls lehnen fast 90 Prozent der Internetnutzer ab. Daher kommt laut Umfrage auch bei der Hälfte aller Internetnutzer und bei drei Viertel aller Webaktiven ein Werbeblocker zum Einsatz. Dem gegenüber steht die Akzeptanz von personalisierter Werbung. Bei beiden Gruppen geben rund 50 Prozent an, in personalisierter Werbung einen Mehrwert zu sehen.