Datengetriebenes Marketing:
Programmatic auch für TV und Radio: DCMN kauft Realzeit

Mit Realzeit bereitet sich die Berliner Agentur DCMN darauf vor, dass Programmatic Advertising traditionelle Medien wie TV erreicht.

Text: Petra Schwegler

Das vereinte DCMN-Realzeit-Team.
Das vereinte DCMN-Realzeit-Team.

Die Berliner Kommunikations- und Mediaagentur D.C. Media Networks (DCMN) steigt groß in den Wachstumsmarkt Programmatic Advertising ein: Das Unternehmen hat für einen siebenstelligen Betrag das Werbetechnologie-Startup Realzeit übernommen. Dessen Programmatic-Ad-Plattform steht für mobiles Marketing. Die Technik erlaubt es aber auch, die Werbung in vollautomatisierter Form in traditionellen Medien wie TV und Radio auszuspielen.

"Die Übernahme ebnet DCMN den Weg in den programmatischen Werbemarkt und ermöglicht dem Unternehmen sein bestehendes Angebot an Werbetechnologien für mobile und TV-Werbung auszubauen", heißt es dazu am Mittwoch aus Berlin. Der Kauf von Realzeit und dessen Demand-Side-Platform (DSP) sei ein erster Schritt im Hinblick auf die Zielsetzung von DCMN, den Markt für Programmatic Advertising "in traditionellen Medien zu gestalten", heißt es.

Das 2014 von einer Gruppe Physiker gegründete Unternehmen Realzeit zählt unter anderem Zalando und Paypal zu seinen bisherigen Kunden. Das gesamte Team des Startups – einschließlich der Gründer Christian Graf, Markus Düttmann und Heiko Schmidle – soll nach DCMN-Angaben vollständig in die Technologie-Abteilung der Berliner integriert werden. Graf soll dabei die Position des Chief Technology Officer bei DCMN übernehmen.

"Datengetriebenes Marketing für ein breites Medienspektrum" 

Mittelfristig soll nun die Realzeit-Systematik in die technischen Lösungen von DCMN für TV- und Mobilwerbung integriert werden. Das Ziel ist es, Kunden eine einheitliche Oberfläche für sämtliche Lösungen von DCMN zu bieten. Am Ende will die Berliner Mediaagentur in der Lage sein, "hocheffizientes und datengetriebenes Marketing über ein breites Medienspektrum hinweg anzubieten", wie es heißt.

Andreas Dengler, Mitgründer und Geschäftsführer von DCMN, wird in der Mitteilung so zitiert:

"Wir erwarten, dass innerhalb der nächsten Jahre TV und andere traditionelle Medien weltweit auch auf programmatischen Werbeplattformen verfügbar werden – ein Trend, den wir bereits heute in den USA beobachten können. Unsere Kunden sind zukunftsorientierte digitale Marken, die bereits im Online- und Mobilbereich Werbeflächen programmatisch kaufen."

Das 2010 von Dengler und Matthias Riedl gegründete Unternehmen DCMN zählt mehr als 90 digitale Marken zum Kundenstamm, darunter Jimdo, Wayfair, Spreadshirt, Secret Escapes, Gameloft, Outfittery oder Glossybox. Bei ihnen geht der DCMN-Manager davon aus, dass sie "Early Adopters der programmatischen Werbung auf traditionellen Werbekanälen wie zum Beispiel im TV oder Radio sein werden".

Wettrüsten bei Programmatic geht weiter

Mit der Realzeit-Übernahme durch DCMN geht das Wettrüsten in der Mediabranche in Sachen Programmatic Advertising weiter. Seit geraumer Zeit bestehen Spezialisten wie das GroupM-Trading-Desk Xaxis oder Prex, Joint Venture für Programmatic von Plan.Net und Mediaplus. Oder aber Vermarkter kaufen im großen Stil zu - darunter IP Deutschland mit der Videoplattform SpotXChange und die Münchner Konkurrenz mit der Virtual Minds AG. 



Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.


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