Jetzt kommt es vor allem auf eins an: Führungskräfte müssen Sicherheit und Stabilität vermitteln und eine Konstante in diesen unsicheren Zeiten bieten. Und sie sollten transparent sein. Niemand hat für die aktuelle Herausforderung eine Blaupause und die meisten fahren auf Sicht und navigieren im Nebel. Führungskräfte dürfen um Geduld bitten, wenn Dinge nicht gleich funktionieren – und zugeben, wenn sie etwas nicht wissen.

Ebenfalls wichtig: Das Team auf dem Laufenden zu halten, was beispielsweise in den anderen Abteilungen passiert und wie die Gesamtsituation aussieht. So vermeidet man, dass Ängste entstehen.

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg

Eines ist für Führungskräfte – immer, aber vor allem derzeit – auf jeden Fall tabu: Abtauchen. Regelmäßige Kommunikation und Erreichbarkeit sind in Zeiten, in denen man nicht im selben Büro arbeitet und viele der gewohnten Arbeitsroutinen wegfallen, das A und O. Heißt: Klar signalisieren, wann man über welche Kanäle am besten erreichbar ist – und das auch einhalten. Regelmäßige Meetings, die normalerweise im Büro ihre festen Zeiten haben, sollten auch dann weitergeführt werden, wenn alle im Homeoffice sind. Das schafft Struktur und vermittelt Sicherheit.

Wichtig ist zudem, auch die Einzelgespräche nicht zu vergessen, vor allem auch die informellen. Für Chefinnen und Chefs ist es wichtig, ein Gefühl dafür behalten, wie die Stimmung im Team herrscht – und durch regelmäßige virtuelle „Gespräche an der Kaffeemaschine“ Sorgen oder Ängste erst gar nicht aufkommen lassen.

Vertrauen Sie Ihrem Team

Es soll sie ja noch geben, die Helikopter-Führungskräfte, die ihren Teams am liebsten 24/7 über die Schulter schauen und jederzeit alle Fäden in der Hand halten möchten. Sind die Mitarbeiter auf einmal nur noch digital verbunden und gefühlt nicht mehr so greifbar wie vorher, haben viele Vorgesetzte Angst, die Kontrolle zu verlieren. Treibt einen als Chefin oder Chef diese Sorge um, wäre spätestens jetzt der richtige Zeitpunkt, dem eigenen Team mehr Vertrauen entgegenzubringen und sich darauf zu verlassen, dass jeder sein Bestes gibt. Denn in den meisten Fällen funktionieren Remote-Lösungen, bis auf punktuelle technische Herausforderungen, hervorragend. Die meisten Angestellten arbeiten auch im Homeoffice äußerst diszipliniert und gestalten ihre Arbeitstage mehr oder weniger so, wie sie es auch im Büro getan hätten.

Und mehr als das: Die Innovationen, die momentan unter anderem rund um die „Remote Economy“ in einer rasanten Geschwindigkeit entstehen, lösen eine permanente Aufbruchsstimmung mit einer ungeheuren Dynamik und großem Engagement aus: Der Begriff „Drive“ umschreibt diese Aufbruchsinnovation sehr gut. Die Kräfte, die daraus entstehen, können unsere Arbeitswelt und unsere Gesellschaft auch in der Zeit nach dieser Krise nachhaltig verändern.

Spielregeln vereinbaren und Erholung fördern

Regelmäßige Meetings wie Daily Standups, Wochenziele und Zeit für informelle Gespräche: All das sollte fest eingeplant, vereinbart und vor allem auch eingehalten werden. Außerdem sollte jedes Teammitglied mitteilen, wann es erreichbar ist und wann nicht. Das kann über kurze Nachrichten erfolgen oder über Verfügbarkeitsanzeigen, die Kollaborationstools bieten. Das alles gilt, siehe Punkt zwei, natürlich auch für die Führungskräfte.

Zu den Spielregeln, die beachtet werden sollten, gehört übrigens auch, die Pausenzeiten einzuhalten. Viele Menschen tendieren im Homeoffice dazu, sich nicht die nötigen Erholungszeiten zu gönnen – sei es die Mittagspause, kleine Breaks zwischendurch oder ein einigermaßen pünktlicher Feierabend. Auch darauf sollten Führungskräfte gerade in dieser für viele auch psychisch belastenden Situation ein Auge haben.

Flexibel bleiben

Stellt sich über die Zeit heraus, dass bestimmte Abläufe nicht gut funktionieren, sollten Führungskräfte gemeinsam mit ihren Teams darüber diskutieren, wie es besser gehen könnte. Hier ist pragmatisches Handeln gefragt, Entscheidungen sollten schnell getroffen werden.

An Lösungen festzuhalten, die nur noch mehr Arbeit verursachen oder nicht effizient sind, ist besonders in Zeiten wie diesen gefährlich. Das bedeutet, regelmäßig die Meinung des Teams einzuholen – denn was man normalerweise gerne mal beim kurzen Gespräch auf dem Flur oder während der Kaffeepause erfährt, muss, wenn alle im Homeoffice sind, aktiv abgefragt werden.

Fazit

Remote Leadership ist eine Herausforderung – erst recht, wenn man sich zum ersten Mal und quasi von einem Tag auf den anderen in dieser Situation wiederfindet. Wenn sich alle, und das gilt auch für die Führungskräfte, an bestimmte Spielregeln halten, kann es aber weitgehend problemlos gelingen.

Und wenn die Zeiten, in denen komplette Unternehmen und Abteilungen notgedrungen an verschiedenen Orten arbeiten müssen, vorbei sind, werden viele davon mutiger aus dieser herausfordernden Situation in ihre Büros zurückkehren. Und vielleicht werden viele nach der Zeit im remote „Exil“ feststellen, dass eine Öffnung seitens der Unternehmen bezüglich der jetzt eingesetzten und getesteten Methoden die Zukunft ist. Kaum jemand wird wohl einfach so zurück ins Büro gehen als wäre nichts gewesen.

Was es dafür braucht? Mutiges Handeln – denn das nicht nur in der momentanen Situation die Voraussetzung dafür, wenn man sich weiterentwickeln und wachsen möchte. Mut lässt uns die alten Wege verlassen und die neuen Herausforderungen aktiv angehen. Mut ist eine der Säulen, die uns Krisen wie diese überstehen lässt. Nun zeigt sich, dass es hierzulande und auch weltweit sehr viele mutige Unternehmern Teams und Menschen gibt - ein positives Zeichen für die Zukunft.



Autor: Christiane Treckmann

Als Redaktionsleiterin von W&V verantwortet Christiane Treckmann vor allem die Themenumfelder in der Printausgabe von W&V, die W&V Reports sowie diverse Sonderprodukte. Ihr Motto: Nutzwert statt Buzzword-Bingo. Zum Verlag W&V kam Christiane 2001, damals wahrscheinlich noch mit Klapphandy. Seitdem verfolgt sie vor allem, wie Medien und Mediennutzung die Gesellschaft verändern.