Cbit-Auftakt :
Digitalisierung: Des Kunden Freud, des Recruiters Leid

86 Prozent der deutschen Unternehmen sind von der Notwendigkeit zur Digitalisierung überzeugt. Nur so können sie den internationalen Anschluss halten. Aber das hat auch eine Kehrseite: Der Mangel an IT-Experten nimmt zu.

Text: W&V Redaktion

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Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber.
Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber.

Die Digitalisierung ist eines der wichtigsten Themen für die deutschen Unternehmen. 86 Prozent sind von der Notwendigkeit zur Digailisierung überzeugt, ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Nur so, glaubten sie, kann Deutschland in wichtigen Branchen seine starke Stellung auf dem Weltmarkt verteidigen.

Eine Mehrheit von 56 Prozent der Bürger erwartet demnach, dass der Wohlstand in Deutschland durch die Digitalisierung zunehmen werde, zugleich gehen aber rund jeder Dritte vom Gegenteil aus. Auf der Cebit in Hannover dreht sich in dieser Woche alles um die digitale Transformation in Unternehmen und die Chancen, die die Digitalisierung eröffnet.

Der Umfrage zufolge erwarten 9 von 10 Geschäftsführern und Vorständen in Unternehmen mit einer Größe ab 20 Mitarbeiter neue Chancen durch Digitalisierungsprozesse. Damit habe sich die Digitalisierungsfreude im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gesteigert (88 Prozent). Eine eigene Digital-Strategie hätten inzwischen 76 Prozent der Unternehmen, vor zwei Jahren lag der Anteil noch bei 63 Prozent. "Die Digitalisierung ist in den Unternehmen angekommen und wird praktisch angegangen", sagte Bitkom-Präsident Thorsten Dirks. "Sie wird nicht mehr als außerordentliche Herausforderung wahrgenommen, sondern als eine unternehmerische Aufgabe wie andere auch."

In der Umfrage gaben 45 Prozent der Unternehmen an, dass sie durch die Digitalisierung neue Kunden gewinnen konnten - vor einem Jahr sagten das noch 38 Prozent. "Die Unternehmen machen sich die Digitalisierung zunutze - mit Erfolg", sagte Dirks. Eine Herausforderung bleibe jedoch der Mangel an Fachkräften und Mitarbeitern mit Digitalkompetenz. Das dieser noch steigen wird, erwarten 87 Prozent der Befragten. 54 Prozent haben demnach aktuell Probleme, IT-Spezialisten zu finden.

77 Prozent der Befragten bieten von sich aus entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter an. Von der Politik fordert der Bitkom, die Bildungslandschaft zu digitalisieren und Weiterbildung im Berufsalltag zu fördern. "Alle Bildungseinrichtungen im Schul-, Hochschul-, Aus- und Weiterbildungsbereich müssen ihre Lehrpläne auf digitale Bildung ausrichten", sagte Dirks.

Aber die Digitalisierung hat auch eine Kehrseite: Experten werden immer dringender gesucht und immer weniger gefunden: Der Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland hat sich dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zufolge zugespitzt. "Im vergangenen Jahr beklagte nur etwa jeder fünfte Befragte, dass IT-Fachkräfte für große Unternehmen schlecht oder sehr schlecht verfügbar sind - nun sieht es schon fast jeder Dritte so", sagte der zuständige VDI-Manager Dieter Westerkamp auf der Cebit. Bei einer neuen Studie zum Thema Digitalisierung stellte sich dabei heraus, dass das Problem anders als früher neben kleinen und mittleren nun auch große Unternehmen betrifft.

Nach eigenen Berechnungen habe es 2016 insgesamt 28.800 offene Stellen für Informatiker gegeben - 23 Prozent mehr als im Schnitt des Vorjahrs. Westerkamp: "Das heißt: auf einen arbeitslos gemeldeten Informatiker kommen 3,5 offene Stellen." Viele befragte Experten rechneten noch mit einer Verschärfung dieses Engpasses. Damit drohe sich der Trend zu verstetigen, dass IT-Dienstleistungen in Standorte im Ausland verlagert oder aus dem Unternehmen herausgelöst werden. Große Arbeitgeber wie Cap Gemini haben bereits angekündigt, verstärkt neue IT-Leute einzustellen, 1.250 offene Stellen zum Beispiel will der Dienstleister mit Hauptsitz in Berlin in diesem Jahr noch neu besetzen.

Die größte Herausforderung beim digitalen Wandel besteht zudem für viele Betriebe nicht so sehr in der technologischen Beherrschbarkeit der Prozesse, sondern der Entwicklung und Umsetzung geeigneter neuer Geschäftsmodelle. International habe Deutschland dabei einen deutlichen Nachholbedarf, warnte der VDI. "Wir müssen viel mehr in digitalen Geschäftsmodellen denken", forderte Westerkamp. Die fünftägige Cebit will in diesem Jahr neue Technologien wie Roboter, künstliche Intelligenz oder Drohnen in konkreten Anwendungsbeispielen präsentieren. Zu der fünftägigen Veranstaltung mit über 3000 Ausstellern aus 70 Ländern werden rund 200.000 Besucher erwartet. ( mit dpa)


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