Studie :
Freelancer fühlen sich von Banken mies behandelt

40 Prozent der Befragten finden, dass Deutschland kein attraktives Land ist, um sich selbstständig zu machen. Was sie am meisten nervt, ist die Haltung der Kreditinstitute. 

Text: Annette Mattgey

Selbstständige brauchen Geld, aber die Banken kümmern sich zu wenig um sie.
Selbstständige brauchen Geld, aber die Banken kümmern sich zu wenig um sie.

Wer sich selbstständig macht, braucht einen guten Überblick, was ihm oder ihr unterm Strich bleibt. Finanzmanagement zählt daher zu den Themen, die ihnen sehr wichtig sind. Diese Botschaft scheint bei den traditionellen Banken nicht angekommen zu sein. Von ihnen fühlen sich Freelancer vernachlässigt. Die Studie, die das Fintech Holvi in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass sich drei Viertel (75 Prozent) der Umfrageteilnehmer von den traditionellen Banken nicht gut beraten fühlen. Dabei bewerten rund 88 Prozent der Befragten ein effizientes Finanzmanagement für ihr Unternehmen als wichtig bis sehr wichtig. Dazu gehören zum Beispiel Tools für das Einnahmen- und Ausgaben-Management sowie eine papierlose Buchhaltung.

Mit ihrem Status sind die meisten jedoch zufrieden. Jeder zweite bekräftigt, dass die Arbeit als Freelancer eine attraktive Karrierechance ist. Befragt zur Motivation, weshalb die Teilnehmer als Freelancer arbeiten, liegt auf dem ersten Rang die Wahl eigener Projekte (63 Prozent), auf Rang zwei das Gefühl sein eigener Chef zu sein (61 Prozent), gefolgt von der freien Verfügung über die Arbeitszeit (48 Prozent) und des Arbeitsortes (45 Prozent).

Um die Jobaussichten ist es als Selbstständiger gut bestellt. So gaben rund 42 Prozent der Befragten an, dass immer mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) und Konzerne mehr unabhängige Spezialisten einstellen. Rund 78 Prozent der Teilnehmer gehen davon aus, dass Coworking weiter zunehmen wird. Dieser Punkt überrascht, da lediglich 4 Prozent der Teilnehmer in einem Coworking-Space oder Gemeinschaftsbüro (2 Prozent) arbeiten. Ein Drittel arbeitet vom eigenen Büro aus, ein weiteres Drittel arbeitet direkt von zu Hause, ein Viertel sitzt beim Kunden vor Ort.

Knapp 68 Prozent der Befragten gehen zudem davon aus, dass es zu einem Anstieg der Online-Dienste und Apps, die Freelancer unterstützen, kommen wird. "Die Zahlen zeigen, dass die Stimmung der Selbstständigen insgesamt optimistisch ist. 72 Prozent der Befragten gehen sogar davon aus, dass ihr Beruf in seiner gegenwärtigen Form noch in 20 Jahren existieren wird", sagt Antti-Jussi Suominen, CEO von Holvi.

Hier wünschen sich Freelancer Verbesserungen

Zu den größten Hindernissen und Herausforderungen im Alltag der Umfrageteilnehmer gehört die Unregelmäßigkeit des Einkommens (47 Prozent), gefolgt von der Buchhaltung (20 Prozent). Rund 13 Prozent beklagen zudem ausstehende Zahlungen als Problem sowie den fehlenden Kundenservice ihres Zahlungsdienstleisters (4 Prozent). Mit Blick auf die noch junge Bundesregierung wünschen sich die Teilnehmer, dass vor allem der bürokratische Aufwand reduziert werden soll (44 Prozent). Es folgen die Gewährung von Steuerermäßigungen (20 Prozent), Erweiterung der Sozialversicherung (12 Prozent) und die Ergreifung von Maßnahmen, die die Diskriminierung zwischen Festangestellten und Freelancern beenden sollen (13 Prozent).

"Die Lage der Freelancer in Deutschland hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, dennoch gibt es immer noch viel zu tun. Nicht ohne Grund finden noch immer rund 38 Prozent der Studienteilnehmer, dass Deutschland für Freelancer ein unattraktiver Standort ist2, erklärt Suominen. "Um die Lage zu verbessern, sind Gründer wie Freelancer auf Unterstützung aus der Politik angewiesen. Vor allem der bürokratische Aufwand, für den Deutschland weltweit berühmt berüchtigt ist, sollte zügig minimiert werden."


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".