Agenturkultur :
So arbeitet es sich bei ... Ogilvy

Tradition ist wichtig für die Ogilvy-Mannschaft. Aber deswegen muss man nicht auf moderne Annehmlichkeiten verzichten. So sieht's hinter den Kulissen aus.

Text: Anja Janotta

Mona Tillinger von Ogilvy.
Mona Tillinger von Ogilvy.

"Happy people do better work" sagt Mona Tillinger, Head of Human Resources bei Ogilvy. Und deswegen steht der Tischkicker in Düsseldorf direkt über dem Wasser und die Frankfurter Ogilvy-Leute holen sich Sonnenbrand auf der Dachterrasse. Nummer 28 der Agentur-Porträts.

Gibt es in Ihrer Agenturgruppe Berufsfelder und Jobs, die lange unbesetzt bleiben und für die Sie händeringend nach Personal suchen? Wenn ja, wie lange sind die Stellen unbesetzt? Und was machen Sie, um genau dort Leute zu finden?

Wie überall lassen sich auch bei Ogilvy nicht alle freie Stellen sofort besetzen. Vor allem bei Jobs mit digitalen und technischen Schwerpunkten sind die Talente rar gesät. Aktuell suchen wir z.B. nach Data-Analysten, UX Designern und Java-Entwicklern. Aber wir suchen solange, bis wir den passenden finden und nehmen nicht einfach Hinz oder Kunz.

Passend zum Jobprofil suchen wir primär "mobile" via Social Media und posten unsere Stellenausschreibungen auf Facebook, Xing und LinkedIn sowie über die einschlägigen fachspezifischen Karriere-Portale. Daneben sind wir auch auf Jobmessen und Recruiting-Tagen der Kommunikationsbranche unterwegs.

Haben Sie ein Patentrezept für die Bildung einer starke Arbeitgebermarke gefunden?

David Ogilvy hat die Agentur nicht nur gegründet, sondern geprägt. Wer neu bei uns anfängt, bekommt seinen Bestseller "Geständnisse eines Werbemannes" als Einstimmung auf den Job geschenkt. Auch seine Philosophie "We make brands matter" ist immer noch die Grundlage für alle Aufgabengebiete der Agentur. Wir sind die Marke, die Markenbildung erfunden hat. Auch in Zukunft. Als One Ogilvy werden alle Leistungsbereiche der Agentur noch enger zusammenrücken und sich noch mehr auf unsere Philosophie fokussieren.  

Darüber hinaus schätzen viele unsere Internationalität. Nicht nur, dass wir das globale Netzwerk leben und nutzen, um Talente aus anderen Ländern nach Deutschland zu holen, sondern auch international vermitteln. Unser aktuellster "Spielerwechsel" führt nach Singapore. In vielen Teams arbeiten Menschen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern, was uns alle bereichert. Allein in Berlin arbeiten rund 14 verschiedene Nationalitäten. Tipps für den nächsten Urlaub gibt es hier von echten Insidern!

Na ja, und natürlich macht auch Erfolg sexy. Wir sind fünfmal "Cannes Network of the Year" hintereinander geworden. Stehen bei den Effies ebenso weit oben. Und sind aktuell mit Ogilvy Germany Nr. 3 beim Good Report des Gunn Reports hinter BBDO und McCann New York.

Rotes Lebensgefühl bei Ogilvy.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu a) Home-Office, b) Sabbaticals, c) Urlaub nach Wunsch, d) flexible Arbeitszeiten, e) Job-Tausch mit anderen Niederlassungen, bzw. Partner-Unternehmen, f) Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?

Natürlich gibt es bei uns alle Standards: Flexibles Arbeiten, Home-Office, Job-Tausch, Sabbactical, Urlaub nach Wunsch etc.. Eine Kita haben wir nicht. Aber, wir denken, Mitarbeiter bindet man, wenn sie glücklich mit ihrem Job und ihren Rahmenbedingungen sind. So wie ein Art-Director, der vier Tage die Woche arbeitet, damit er sein zweites Comic auf der Leipziger Buchmesse launchen kann. Darauf sind wir fast so stolz wie er selber.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für Mitarbeiter? 

Das größte Incentive in Frankfurt sind die Dachterrassen. Klar haben wir auch Yoga-Kurse, Dartscheiben, Nerf-Guns und eine, na ja sagen wir mal "funky", Kantine mit Bar. Aber ein Drink mit dem Ausblick ist schon was Besonderes. Apropos Blick: In Düsseldorf schwebt das Büro quasi über dem Wasser. Da spielt sich auch Tischkicker anders. Und in Berlin gibt es stets Kühlschränke voll mit Coca-Cola-Produkten und frischem Obst. Ach so, an allen Standorten gibt es an jedem Freitag eine ordentliche Happy Hour: Goodbye Week!

Arbeiten unter freiem Himmel.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

"Happy people do better work." Wenn man daran glaubt – wie unser Management –, dann versucht man jederzeit auf die Stimmung in der Agentur zu achten. Details erfahren unsere HR- und Führungskräfte bei ihren 360-Grad-Mitarbeitergesprächen. Oder das Management-Team in der alljährlichen "Talent Pulse" Zufriedenheitsumfrage.

Da gibt es alle Ergebnisse schwarz auf weiß und völlig anonym. Innerhalb von EMEA führen wir zusätzlich "Diversity- und Gender-Studien" durch, die nicht zuletzt von unserem deutschen EMEA-CCO Stephan Vogel stark voran getrieben werden.  

Hand aufs Herz: Wie hoch ist bei Ihnen die Frauenquote?
55 Prozent.

Wie hoch die Quote der Mitarbeiter über 45?
27,95 Prozent.

Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt?
7,64 Jahre.

Bar und Kantine sind wichtige Treffpunkte.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen? Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?

Eine Offenlegung der Gehälter gibt es bei uns nicht. Wir glauben nicht daran, dass dies die Zusammenarbeit aller Kolleginnen und Kollegen verbessert. Aufgrund der vielfältigen Aufgabenbereiche in der Kommunikationsbranche ist so etwas auch im Agenturbereich generell eher unüblich.

Bei Junioren verhält es sich ein wenig anders. Abhängig von der bereits mitgebrachten Erfahrung, sprechen wir über ein Gehalt zwischen 2300 bis 3000 Euro brutto.

Mehr Agenturporträts, u.a. von Jung von Matt, Kolle Rebbe, Scholz & Friends und Serviceplan finden Sie in unserem Dossier Arbeitswelt Agenturen.

Mehr zum Thema Gehalt in Agenturen in unserem Dossier Gehalts-Check


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.