Die Rolle des CEOs hält Middelhoff in Zeiten der Digitalisierung für erfolgskritisch, weil sie durch digitale Plattformen noch stärker gefordert wird. Wichtig ist für ihn Authentizität – einer der Hauptgründe, warum so viele Dax-Konzerne nicht in der Lage sind, digitale Geschäftsmodelle erfolgreich selber zu entwickeln: "Weil die ganze Kultur dazu nicht passt. Selbst wenn Herr Zetsche sich dazu entschließt, heute einmal ohne Krawatte in die Firma zu gehen, wird Mercedes dadurch nicht digitaler." Der Kultur-Changer für Middelhoff lautet deshalb ganz klar: Abtreten und der nächsten Generation den Weg frei machen.

Auf die Frage, was sein eigener größter Fehler gewesen ist, gibt Middelhoff zu:"„Ich habe nachher nicht mehr nur PR für das Unternehmen gemacht, sondern weil ich das selber so schick fand, mein Foto auf dem Cover zu sehen – was ja völlig irre ist.  Ich hab dieses Teufelsspiel mit der Presse selber begonnen. Das war super in den guten Jahren und wurde natürlich zum Folterinstrument in den schlechten Jahren."

Trotz allem ist er mit seiner heutigen Situation, was Öffentlichkeit anbetrifft, "eigentlich sehr zufrieden". Middelhoff hat sich seines Erachtens "neu definiert". Seine Zukunft sieht er als Autor und Redner. Er möchte, dass andere nicht die gleichen Fehler machen wie er selbst. "Wenn ich heute  das Führungskräfteprogramm von Bertelsmann nochmal konzipieren sollte, dann wäre da wahrscheinlich drin: vier bis acht Wochen Praktikum in der Behinderteneinrichtung Bethel. Sozialer Dienst. Ein bisschen Demut lernen. Das, was mir gefehlt hat." Er selbst hat dort während seiner Haftzeit gearbeitet.

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Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".