Wie hat sich der Anteil der Mitarbeiter im Homeoffice seit Beginn der Coronakrise geändert?

Remote-Arbeit war für TLGG schon lange vor Corona eine Möglichkeit, die Mitarbeiter*innen je nach persönlicher Motivation und in Absprache mit den Teams in Anspruch genommen haben. Die Arbeit vor Ort mit dem Fokus auf kreative Zusammenarbeit war dabei zwar der Normalzustand, aber kein Dogma. Anfang März sind wir dann jedoch quasi über Nacht zu einem komplett remote-arbeitenden Unternehmen geworden. Das fühlte sich erstmal nach einem radikalen Schritt an, war in unseren Augen aber zwingend notwendig und wurde auch vom gesamten TLGG-Team mit großer Unterstützung mitgetragen.

Wann planen Sie eine Rückkehr in die Büros? In welchem Umfang?

Nach drei Monaten auf Distanz sind wir seit Anfang Juli in ein gemischtes Konzept übergegangen und treten nun nach und nach die Rückkehr ins Büro an. Der oberste Grundsatz ist bei TLGG jedoch die Freiwilligkeit: Alle Mitarbeiter*innen sollen so arbeiten, wie sie sich in diesen außergewöhnlichen Zeiten am sichersten fühlen. Wer möchte, kann an bestimmten Tagen nach Voranmeldung wieder die Arbeitsplätze im Büro nutzen, wenn die Kapazitäten dafür gegeben sind. Dabei gelten klare Abstands- und Hygieneregeln, die das TLGG-Team auch sehr gewissenhaft umsetzt.

Verändern Sie jetzt die bisherigen Vereinbarungen zum Thema Homeoffice?

Remote Work ist für TLGG kein reines Corona-Phänomen, sondern bildet in unseren Augen einen wesentlichen Bestandteil des "New Normal". Auch langfristig sehen wir flexible Arbeitsmodelle, die auch partiell ohne physische Präsenz funktionieren, als zukunftsweisend. Letztlich hat die Corona-Pandemie vielen Unternehmen in Bezug auf New Work einen überfälligen Schub verpasst – das bestärkt uns in der Richtung, die wir verfolgen. 

Wie sind Ihre Mitarbeiter fürs Homeoffice technisch gerüstet und müssen Sie da evtl. nachjustieren?

Die Grundausstattung, sowohl die physischen Geräte als auch die entsprechende Software, war bei allen Mitarbeiter*innen vorhanden. Von daher hatten wir das Glück, mit Ergänzungen, wie etwa einer verstärkten Nutzung der Video-Calls via Teams, recht unverändert weiterarbeiten zu können. Um unseren Mitarbeiter*innen auch langfristig ein gutes Arbeitsumfeld bieten zu können, haben wir dann auch schnell pragmatische Entscheidungen getroffen. Beispielsweise haben wir kurzerhand Bürostühle und Bildschirme aus dem Office ins heimische Arbeitszimmer transportiert, um einen guten Arbeitsplatz zu gewährleisten. Und rüsten jetzt die Devices im Büro nach, die es braucht, um Meetings immer auch teil-remote erlebbar zu machen.

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie beim Thema Homeoffice für Ihr Unternehmen? Wo hat es gut geklappt, wo lagen Schwierigkeiten?

Es war beeindruckend, wie unfassbar schnell TLGG die Prozesse und Routinen in den Remote-Modus umgestellt hat und mit welchem Engagement das gesamte Team zusammenarbeitet. Unterm Strich hat uns diese besondere Zeit zusammengeschweißt und einander nähergebracht – trotz der physischen Distanz. Dabei hat uns sehr geholfen, dass wir schon vor der Krise starke Kanäle für die interne Kommunikation etabliert hatten, wie Slack, regelmäßige Update-Mails und monatliche Treffen. Zusätzlich haben wir nachjustiert und neue Formate eingeführt: Mit regelmäßigen Videobotschaften schaffen wir es, wichtige Informationen der Geschäftsführung möglichst persönlich und authentisch zu vermitteln. Außerdem gibt es jede Woche eine anonymisierte Kurzumfrage, mit der wir die Stimmung des Teams erfragen.

Trotz allem sehnen wir uns natürlich nach unbeschwerten Zeiten und vermissen die Begegnungen und Zwischentöne: Der kurze Schnack in der Küche, die 100%ige Pitch-Chemie oder das Feierabend-Bier im Hinterhof lassen sich nicht ganz durch virtuelle Coffee-Dates, Remote-Pitches (wenn auch erfolgreich) oder eine virtuelle Geburtstagsparty ersetzen.

An welchen Stellen sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Unterm Strich freuen wir uns, dass wir schon so viel erreicht haben und wir uns – zumindest unter bestimmten Bedingungen – auch wieder real treffen können. Jetzt hoffen wir vor allem auf viel Vernunft und Konsequenz in der Gesellschaft, damit die Zahl der Corona-Infizierten auch in den kühleren Jahreszeiten so wenig wie möglich ansteigt. Entwicklungspotenziale haben wir gehoben, jetzt geht es darum, Vor-Ort- und Remote-Prozesse bewusst zu integrieren und gemeinsam echte Hybrid-Teams zu entwickeln.

Außerdem erlauben wir uns, einen Wunsch an die Außenwelt zu richten: Solide digitale Schulkonzepte, die uns alle besser absichern würden – gesundheitlich wie in der Planungssicherheit, Eltern genau wie Arbeitgeber. Wir werden noch mehr als bisher in Video-Hardware investieren, um die Hybridarbeit zwischen Teams im Büro und den Kolleg*innen zu Hause besser unterstützen zu können.

Was heißt das für Ihr Gebäudemanagement? Brauchen Sie mehr/weniger Raum? Oder anders gestaltete Flächen?

Derzeit sind unsere Büroflächen nur mit großen Abständen nutzbar. Da jedoch niemand weiß, wie sich die Situation in Bezug auf Corona entwickeln wird, können wir auch keine Einschätzung treffen, wie viel Platz wir in Zukunft benötigen werden. Mit der neuen Remote-Routine wird es aber für dieselbe Anzahl Personen künftig sicher nicht mehr Raum geben als zuvor. Momentan prüfen wir außerdem das Belüftungskonzept bestimmter Konferenzräume ohne Fenster und versuchen, diese wieder für mehr Personen nutzbar zu machen. Alles andere können wir erst später entscheiden. Wir sind uns jedoch sicher, dass sich die Rolle des Büros auch nach dieser Zeit grundlegend verändern wird. Wir denken gerade über neue Raum-Nutzungskonzepte nach und inwieweit persönliche Arbeitsplätze oder eher nutzungsorientierte Raumkonzepte und Arbeitszonen da eine Rolle spielen werden.

Welche Initiativen zur psychischen Gesundheit oder zur Beratung in schwierigen Lebenssituationen bieten Sie an?

Wir haben zwei Vertrauenspersonen im Team als Ansprechpartner*innen, die für jedes Anliegen offen sind, und arbeiten schon sehr lange mit einem externen Partner für Beratung in Krisensituationen zusammen, bei dem sich unsere Mitarbeiter*innen anonym beraten lassen können. Das hat sich in den vergangenen Monaten besonders ausgezahlt.

Die neue W&V-Serie: Home oder Office? Hier sehen Sie alle bisher erschienen Teile:

Storytile-Inhalte aktivieren

Ja, ich möchte Inhalte von Storytile angezeigt bekommen. Ich bin einverstanden, dass dadurch meine personenbezogenen Daten an den Betreiber des Portals, von dem der Inhalt stammt, weitergegeben werden, so dass dieser mein Verhalten analysieren kann. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Annette Mattgey, Redakteurin
Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".