Nach dem Motto: An guten wie an schlechten Tagen?

Kastenholz: Genau. Wir sind Sparringspartner, haben das gleiche Interesse und vor allem Spaß an der Sache. Diese Agentur ist unser Leben. Wir tauschen uns aus, das inspiriert, gibt Halt. Wir ergänzen uns auch gut.

Lara Daniel: Meine Großeltern hatten einen Bauernhof, ich kenne das nicht anders. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir gemeinsam von Null angefangen haben. Da baut man auf demselben Erfahrungshorizont auf. Wir haben eine gemeinsame Vision, aber ganz unterschiedliche Aufgabenbereiche.

Wie kommt man auf die Idee, nach dem Studium gemeinsam eine Agentur zu gründen?

Daniel: Ich habe damals meinen Master in Marketing auf der ESADE in Barcelona gemacht.

Kastenholz: Ja, Lara, hatte im Gegensatz zu mir einen Lebenslauf, wie man ihn sich wünscht. Gutes Abi, guter Bachelor, guter Master (lacht).

Daniel: Jedenfalls mussten wir eine Abschlussarbeit schreiben und ich hab mich schon immer für Mode interessiert. Also habe ich einen Business-Plan für ein Modelabel geschrieben.

Und Sie, Herr Kastenholz?

Kastenholz: Lange Geschichte, als Lara in Barcelona mit ihrer Abschlussarbeit beschäftigt war, hatte ich dort gerade meinen Bachelor in Marketing abgeschlossen und hab bei einer M&A-Bank ein Praktikum gemacht.

Obwohl Sie zwei Jahre jünger sind?

Kastenholz: Ich habe in der Schule die 10. Klasse übersprungen und das internationale Abi in England gemacht. Ich war 17, als ich das Studieren anfing. Lara und ich haben aber an ganz unterschiedlichen Orten studiert. Sie in Witten/Herdecke, ich in Oestrich-Winkel, aber beidesmal Wirtschaftswissenschaften. Das Auslandssemester hat Lara in Hong Kong, ich in Paris verbracht.

Klingt nach Überflieger.

Kastenholz: Nicht wirklich. Ich war fürs Studium viel zu jung, dort war alles sehr elitär, und ich hab mich nie richtig eingefunden. Stattdessen habe ich Party gemacht, mir, wenn Klausuren anstanden, Atteste vom Arzt besorgt, bis sie mich am Ende rausgeschmissen haben. Aber das war eine gute Lektion für mich, das Scheitern!
Ich war 19 und selbst schuld. Nach einer Auszeit - ich hab in Südafrika und Spanien bei verschiedenen Startups gearbeitet -  hab ich beschlossen, meinen Abschluss nachzuholen. Die European University in Barcelona hat mich genommen und da sind wir dann auch als Paar 2012 zusammengekommen. Den Bachelor hab ich als Jahrgangsbester abgeschlossen.

Daniel: Chris hat mich dann bald den ganzen Sommer über damit genervt, wir sollten doch was zusammen machen.

Kastenholz: Ich hab damals Praktika noch und nöcher durchgezogen, die Investmentbank GP Bullhound wollte mich übernehmen. Ich fand das Unternehmerische aber schon immer spannend, ich wollte lieber was eigenes. Wir hatten schließlich nichts zu verlieren, so jung.

Und so haben Sie im August 2013 mit Noemii Resortwear losgelegt, Strandmode.

Kastenholz: Ja, im Haus von Laras Eltern in Bonn. Wir hatten ja kein Einkommen.

Daniel: Und dafür, dass wir keine Ahnung von Mode hatten, waren wir auch ganz erfolgreich. Chris hat einfach mal angefangen, sich um den Vertrieb gekümmert, alles per Telefon, ich mich um die Schnitte. Wir haben 24/7 gearbeitet, das war echt ein krasses Jahr.

Aber dann?

Kastenholz: Es war einfach mühsam, und es ist wenig dabei rumgekommen. Außerdem konnten wir ja nicht ewig bei Laras Eltern bleiben. So sind wir auf die Influencer gekommen, mit denen wir schon für unser Modelabel gearbeitet hatten. Für Werbung hatte Noemii ja kein Kapital.

Daniel: Also sind wir per Bauchgefühl nach Hamburg gezogen, haben uns eine Domain gesucht, das Gewerbe angemeldet und sind gestartet. 50 Euro haben wir investiert.

Kastenholz: Ich erinnere mich genau, es war ein Sonntagabend, der 27. Juli 2014, wir hatten gerade ein Glas Wein beim Italiener getrunken und am nächsten Morgen war Pulse Advertising am Start. Unseren Eltern haben wir das natürlich erstmal nicht gesagt.

Lässt sich mit Influencer Marketing viel Geld verdienen?

Daniel: Wenn man es richtig macht schon. Der Markt wächst noch und professionalisiert sich gerade. Wir sehen, dass Influencer Marketing  sich gerade als Kern vieler Werbestrategien etabliert.

Kastenholz: Man muss halt darauf achten, dass Marke und Influencer zusammen passen und die Unternehmen ihren Influencern genug Spielraum lassen, passenden Content zu entwickeln. Sonst schreckt das die Follower ab. Außerdem sollte man natürlich die Influencer gut kennen, um zu beurteilen, wie seriös ihr Angebot ist.

Forbes hat Sie beide kürzlich zu den Top 30 unter 30 gekürt. Wie fühlt sich das an?

Daniel: Großartig. Wir freuen uns sehr und es bestätigt uns darin, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Wir haben uns das alles ja selbst beigebracht.

Stichwort: Sie ergänzen sich gut. Weil Sie getrennt voneinander sitzen, jeder am anderen Ende der Agentur hier am Hamburger Stephansplatz oder was ist Ihr Geheimnis?

Daniel: (lacht) Nein.

Kastenholz: Ich mach' den Vertrieb und stoße Dinge an, bin sehr strukturiert.

Daniel: Dafür bin ich dann mehr in den Details und definitiv der emotionale, kreative Part. Chris wirkt außerdem mehr nach außen, ich nach innen.

Gibt es wirklich nie Streit?

Daniel: Na gut, anfangs war unsere Agenturfarbe Flieder. Und daran war Chris schuld.

Kastenholz: (lacht)

Daniel: Es sollte Blau sein für die Zielgruppe Männer und Rosa für Frauen, ergab Flieder. Ich wollte eher etwas Weibliches, denn die meisten Influencer und ihre Follower sind ja Frauen.

Kastenholz: Jetzt sind wir bei gelb.

Klingt total logisch. Wie müssen wir uns einen Abend im Hause Daniel-Kastenholz vorstellen? Bleibt die Arbeit im Büro, wenn sie heim fahren?

Daniel: Nein, dafür macht uns der Job zuviel Spaß. Er ist unsere gemeinsame Leidenschaft.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.