Wahlkampf :
Ausweisung aus Bayern: Seehofer zofft sich mit "Monitor"-Redakteuren

Knapp drei Wochen vor der Landtagswahl in Bayern liefert sich CSU-Chef Horst Seehofer ein Scharmützel mit dem WDR. Sogar die Ausweisung der Journalisten aus Bayern soll er gefordert haben.

Text: Franziska Mozart

Knapp drei Wochen vor der Landtagswahl in Bayern liefert sich CSU-Chef Horst Seehofer ein Scharmützel mit dem WDR. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Würzburg wollte Landtagspräsidentin Barbara Stamm von der CSU Fragen eines ARD-Fernsehteams zur Verwandtenaffäre im bayerischen Landtag nicht beantworten. Das berichtet die "Main-Post". Stamm fühlte sich von den Reportern der WDR-Sendung "Monitor" bedrängt und informierte CSU-Chef Horst Seehofer. Der erklärte in der Hitze des Wahlkampf-Gefechts dem "Main-Post"-Bericht zufolge anschließend: "Das geht so nicht. Die müssen raus aus Bayern."

Seehofer zog sich mit seiner Äußerung scharfe Kritik zu – vom Koalitionspartner FDP ebenso wie von SPD und Grünen. "Sollten die Medienberichte zutreffen, wonach Horst Seehofer die Berichterstattung des ARD-Politmagazins 'Monitor' beeinflussen wollte, ist das ein unerhörter Vorgang", erklärte FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß. Die Grünen warfen Seehofer Entgleisung vor. "Dieser Ministerpräsident ist unter Bayerns Würde", kritisierte Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause. "Auch die CSU in Bayern muss sich kritischen Fragen stellen und kann nicht einfach Journalisten rauswerfen, die ihr nicht passen", betonte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher.

Seehofer forderte seinerseits eine Stellungnahme des WDR-Intendanten. Die CSU-Landesleitung betonte, es habe keine Einflussnahme auf die Berichterstattung gegeben. "Horst Seehofer hat sein Missfallen über das unangemessene Auftreten des Monitor-Teams zum Ausdruck gebracht. Es ging nicht um Inhalte, sondern um die Einhaltung der Anstandsregeln."

Der beteiligte "Monitor"-Redakteur Stephan Stuchlik sagte am Montag zu dem Zwischenfall: "Ich finde es als gebürtiger Bayer seltsam, dass man mich aus meinem Heimatland rauswerfen will." Das Team habe die Fragen korrekt und höflich gestellt - Stamm habe nicht antworten wollen, sondern lediglich auf die Webseite  des Landtags verwiesen. "Ich halte es für vollständig legitim, dass man die Verweigerung einer Antwort und den Verweis auf die Webseite nicht einfach so hinnimmt, sondern nachfragt."

Landtagspräsidentin Stamm hingegen sagte: "Wenn das nicht unhöflich war, dann weiß ich nicht, was Höflichkeit ist. Jeder kann mir kritische Fragen stellen, aber ich erwarte, dass die Formen des Anstands gewahrt bleiben." Das Team habe nicht einmal gefragt, ob ein Interview möglich sei, sondern sei mit laufender Kamera auf sie zugekommen. Laut "Main-Post" habe sich das "Monitor"-Team an fünf aufeinanderfolgenden Tagen um ein Interview mit der Landtagspräsidentin bemüht, jedoch nur Absagen bekommen.

In den vergangenen Monaten gab es im Laufe der Verwandtenaffäre mehrfach Auseinandersetzungen der Landtagspräsidentin mit Medienvertretern. Auch Seehofer ist immer wieder mit Journalisten aneinandergeraten. Das ZDF musste sich im Mai entschuldigen, weil  Moderator Claus Kleber im "heute-journal" behauptet hatte,  FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß sei aus einem CSU-Werbefilm herausgeschnitten worden - was laut CSU nicht stimmte. (dpa/fm)